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Freitag, 14.09.2018

Emotionale Abenteuer

Von Jens-Uwe Sommerschuh

Jordi Savall, La Capella Reial de Catalunya, Hesperion XX: Alfonso X el Sabio – Cantigas de Santa Maria (SACD: Alia Vox/hm)
Jordi Savall, La Capella Reial de Catalunya, Hesperion XX: Alfonso X el Sabio – Cantigas de Santa Maria (SACD: Alia Vox/hm)

Das Label „Alia Vox“, zu Deutsch „die andere Stimme“, wird zwanzig. Gegründet und geführt vom großen katalanischen Gambisten Jordi Savall, ist es zu einem Markenzeichen für inspiriertes Musizieren und überragende Klangqualität geworden. Savall bringt hier Aufnahmen diverser eigener Ensembles heraus, von denen die Originalklangorchester Hesperion XX, inzwischen XXI, Le Concert des Nations und der Chor La Capella Reial de Catalunya die bekanntesten sind. In den zwei Jahrzehnten wurden 3,5 Millionen Tonträger verkauft, CD und SACD, denn die meisten Veröffentlichungen sind auch in der Mehrkanal-Version zu haben, die den Raumklang einer Kirche oder eines Konzertsaals noch authentischer abbildet als klassisches Stereo. Gleichwohl kann man SACD auch auf normalen CD-Playern anspielen, wo sie immer noch ausgezeichnet klingen.

Das Repertoire reicht von den mittelalterlichen Sybillen-Gesängen Valencias und Mallorcas bis zu Mozart, von Biber, Bach und Händel bis zu Haydn, und es schließt auch Crossover-Projekte ein, in denen abend- und morgenländische Folklore, arabische und jüdische Traditionen oder barocke Musik mit lateinamerikanischer verschnitten wird. In Savalls Ensembles spielen Musiker aus oft mehr als zwanzig Nationen, und er lädt Solisten ein, die spezielle Instrumente wie die Oud einbringen, eine Kurzhalslaute aus dem Orient.

Jährlich erscheinen sechs Titel, sodass der Katalog von Alia Vox inzwischen sage und schreibe 120 Veröffentlichungen umfasst. Für den Herbst ist unter anderem Händels „Messias“ annonciert, außerdem „Terpsichore“ mit Tanzmusik aus der Zeit Ludwigs XV.

Unlängst erschienen die ursprünglich 1993 aufgenommenen „Cantigas de Santa Maria“ neu, eine berührende Sammlung von Mariengesängen aus der Zeit von Alfonso X. Der wurde mit dem Beinamen „el Sabio – der Weise“ geehrt und starb 1284, zwei Jahre, nachdem er als König von Kastilien und Leon gestürzt worden war.

Obwohl Ensemble- und Labelchef Jordi Savall, der nächstes Jahr ein weiteres Mal Gast der Dresdner Musikfestspiele sein wird, mit Herz und Seele Katalane ist, hat er stets die Musik der gesamten iberischen Halbinsel im Blick, eingebettet in die europäische Tradition und ohne arabische und jüdische Einflüsse nicht denkbar. Dieser weite Horizont und sein exzellentes musikalisches Gespür machen jede seiner Produktionen zu einem Erlebnis, viele sind ein emotionales Abenteuer.

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