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Samstag, 15.09.2018

Ein silberner Heinrich Schütz für Maestro Rademann

Das Schütz-Musikfest vergibt erstmals einen Preis. Wenn er denn fertig wird.

Von Bernd Klempnow

Hans-Christoph Rademann: „Jedes Wort hat Gewicht. Schütz war der musikalische Chronist des Dreißigjährigen Krieges und nutzte Musik, um dem Wunsch nach Frieden und einer neuen Weltordnung Gewicht zu verleihen.“
Hans-Christoph Rademann: „Jedes Wort hat Gewicht. Schütz war der musikalische Chronist des Dreißigjährigen Krieges und nutzte Musik, um dem Wunsch nach Frieden und einer neuen Weltordnung Gewicht zu verleihen.“

© Matthias Heyde

Unglaublich, aber wahr. „Der Barockkomponist Heinrich Schütz ist unser klingendes Grüne Gewölbe“, sagt Hans-Christoph Rademann. Das muss man dem 53-Jährigen abnehmen. Seit über 45 Jahren interpretiert er Stücke des legendären kurfürstlichen Kapellmeisters (1585 – 1672): Rademann tat es zunächst als Kruzianer singend, später und bis heute dirigierend. Kein anderer dürfte diese Werkkenntnis haben und daher den kühnen Vergleich wagen, denn der Maestro bedeutender Chöre hat gerade in einer Pioniertat alle Schütz-Werke auf 25 CDs aufgenommen. Seit 2010 lief das Projekt seines Dresdner Kammerchores. Viele Erstaufnahmen entstanden, die eine ungewöhnlich reiche Musik von einem Mann offenbarten, die bis dato als eher emotionsarm galt. „Schütz konnte subtilere Dinge umsetzen als Bach“, weiß Rademann heute. „Diese feine, begeisternde Kunst entdecken allmählich auch die Konzertfreunde. Ich bin sicher, die Hoch-Zeit für Schütz kommt noch.“

Unlängst hat er die „Fest- und Friedensmusiken“ eingespielt, die im nächsten Sommer als Schlusspunkt der Gesamtaufnahme im Carus-Verlag erscheinen. Es sind klare, eindringliche Weisen. Sie krönen demnächst auch ein besonderes Konzert, denn sie erklingen in der Abschlussveranstaltung des diesjährigen Heinrich-Schütz-Musikfestes (5. bis 14. Oktober) in der Annenkirche Dresden. An dem Abend erhält Rademann den neu ausgelobten Internationalen Heinrich-Schütz-Preis.

Anlässlich des 20-jährigen Bestehens dieses Festivals, das sich jenem bahnbrechenden Komponisten widmet, der 55 Jahre in Dresden wirkte und schon zu Lebzeiten als Musikpapst galt, wird der Ehrenpreis ab sofort jährlich vergeben. Rademann erhält ihn für sein „überragendes Engagement für das Werk von Schütz: dessen klingende Bewahrung, überzeugende Interpretation und lebendige Vermittlung“, so Festivalchefin Christina Siegfried am Freitag in Dresden. Der zu Ehrende dankte: „Die neu geschaffene Auszeichnung verdeutlicht einmal mehr, welche enorme Bedeutung Schütz für die europäische Musikgeschichte hat. Dies den Menschen zu vermitteln, ist stets der Antrieb meiner Arbeit.“ Künftig sollen derart Persönlichkeiten oder Institutionen, die künstlerisch und wissenschaftlich Herausragendes bei der Vermittlung und Verbreitung der Musik von Schütz und seiner Zeit sowie deren Bewahrung und Förderung geleistet haben, bedacht werden.

Die Wahl der ersten Ehrung ist gut, einleuchtend und treffend. Innerhalb Rademanns Schütz-Projekt sind Referenzaufnahmen wie die „Symphoniae Sacrae“ und die Johannespassion entstanden, die vielfach ausgezeichnet wurden: etwa mit dem nicht käuflichen Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik, dem Kirchenmusikpreis, dem Dresdner Kunstpreis ...

Den neuen, undotierten Preis gestaltet die Bildhauerin Anna-Franziska Schwarzbach. Er wird eine in Silber gegossene Medaille sein. Die zeigt das Porträt des Hofkapellmeisters samt eigenhändigem Namenszug und umlaufendem Schriftzug „Vater unserer modernen Musik“ – wie Schütz unter Zeitgenossen gewürdigt wurde. Das Problem: Die renommierte Künstlerin hat Aufträge ohne Ende. Quasi in Nachtarbeit hat die Medaille zu entstehen. „Sie muss. Ich kenne und schätze doch Hans-Christoph und seine Familie schon seit Kindertagen.“

Mehr zum Schütz-Fest, das das bedeutendste europäische Festival zur Musik des 17. Jahrhunderts ist, unter www.schütz-musikfest.de

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