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Samstag, 09.06.2018

Ein Kinogauner ohne Gewalt

Hans Stiebner machte vor allem als Tunichtgut im Kino und auf der Bühne große Karriere.

Von Heinz Fiedler

Hans Stiebner in dem Tonfilm „Der unmögliche Herr Pitt“ (1938)
Hans Stiebner in dem Tonfilm „Der unmögliche Herr Pitt“ (1938)

© Archiv A. Berger

Vermutlich hat es mit an seiner Figur gelegen, dass Hans Stiebner bei Bühne und Film als Mann mit finsteren Absichten große Popularität erlangte. Der 1898 in Vetschau/Spreewald geborene Künstler kam mit 1,57 Meter Körpergroße und einer imposanten Bauchlage als Romeo und dergleichen nicht infrage, was ihm wenig ausmachte. Es gelang ihm immer, seine Leibesfülle wirkungsvoll ins Spiel zu bringen.

In Vetschau verbrachte der muntere Knabe nur seine ersten sechs Lebensjahre. Mit den Eltern verzog der Apothekersohn nach Leipzig, wo ihm nachhaltige Theaterereignisse zuteilwurden. Für Jung-Stiebner eine neue Welt, die ihn auch während der Schulzeit bewegte. Mit Klassenkameraden studierte er Bühnenstücke recht verschiedener Art ein. An eine kontinuierliche Bühnenlaufbahn war indes zunächst nicht zu denken. Fast von Anfang an durchlitt er die vier feldgrauen Weltkriegsjahre. Seine Liebe zum Theater blieb bei allem Elend unangetastet.

Das Deutsche Theater Berlin wurde zu seiner Ausbildungsstätte. Als vierter Bürger in Shakespeares „Julius Cäsar“ agierte er 1925 im Großen Schauspielhaus der Hauptstadt erstmals im Rampenlicht. Die Hamburger Kammerspiele und ihr verdienstvoller Chef Erich Ziegel wurden für den Spreewälder zur wichtigen Startstation. Der junge Mann durfte nicht nur in Klassik und Komödie seine Darstellerqualitäten nachweisen, Ziegel übertrug ihm auch Regieaufgaben, die er akribisch bewältigte. Es war Gustaf Gründgens, der Hans Stiebner 1934 nach Berlin holte. Der Intendant des Deutschen Theaters setzte den Spreewälder in einer Hauptrolle der Komödie „Die Finanzen des Großherzogs“ ein.

Kinostart an Rühmanns Seite

Als kurz darauf die Ufa das nach einem Roman von Frank Heller entstandene Bühnenstück mit Gründgens als Spielleiter verfilmte, gab Stiebner als südländischer Gastwirt, der durch die geschickten Manipulationen seiner Frau über Nacht zum Präsidenten eines winzigen Staates aufsteigt, ein überzeugendes Kinodebüt. Seine Partner: Heinz Rühmann, Hilde Weissner, Viktor de Kowa, Paul Henckels. Aus dem Einstieg in Babelsberg wird ein lebenslanger Kontakt. Mit TV-Beiträgen stehen unter dem Schlussstrich 123 Produktionen. Fürwahr eine stolze Bilanz.

Sehr oft erschien Stiebner als biedermännischer Gauner auf der Leinwand. Seine Szenen als Mann, der im Trüben fischt, waren stets bravourös. Ein Tunichtgut, der ohne Gewalt für Ungemach sorgte. Etwa in „Mit versiegelter Order“, „Sergeant Berry“, „Der unmögliche Herr Pitt“, „Gefährlicher Frühling“. Er konnte auch ein herrlicher Schelm sein, orientiert an der volkstümlichen Weisheit „Wer zuletzt lacht, lacht am besten“. Sein Versuch, in dem Defa-Film „Die Brücke“ das ihm anhaftende Klischee zu durchbrechen, blieb eine Ausnahme. Nach Kriegsende hatte der Kinoschuft und Regisseur weiter wie gehabt in der Film- und Fernsehwelt, in diversen Ateliers und an namhaften Berliner Bühnen zu tun.

Außerhalb seiner nie abreißenden beruflichen Verpflichtungen legte der Künstler großen Wert auf ein unaufgeregtes, friedliches Familiendasein. Er betrieb in seinem Heim einen kleinen Hauszoo, spielte mit Leidenschaft Schachpartien und erbaute sich an Lyrik. Nach seiner ersten Ehe mit Schauspielerin Maria Loja, die nach acht Jahren mit einer gütlichen Trennung ohne Groll und Nachtreten endete, hatte er im zweiten Anlauf mit Kollegin Veronika Letz mehr Glück. Nur knapp 60 Jahre sind Hans Stiebner vergönnt. Am 27. März 1958 geht er in Baden-Baden für immer.

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