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Montag, 17.09.2018

Dresden, bist a Schatzi

In der ausverkauften „Jungen Garde“ servierte die Wiener Band Wanda zum Saisonfinale eine Extraportion Liebe.

Von Andy Dallmann

Wer so viel von Liebe redet und singt, muss sie auch mal mit vollem Körpereinsatz zelebrieren. Also warfen sich Sänger Marco Fitzthum und Bassmann Reinhold Weber zum Gruppenkuscheln in die Arme der vornstehenden Fans und beendeten ein rauschendes Musikfest so wortlos wie überzeugend. Zuvor hatten sie mit ihrer Band Wanda gut anderthalb Stunden lang in der ausverkauften Dresdner „Jungen Garde“ ein Saisonabschlusskonzert hingelegt, dass 5 000 euphorisierten Menschen zu gleichen Teilen Lust auf den nächsten Sommer und auf die nächste Wanda-Show machte.

Mit Charme und Schmäh

Dabei sind die meisten Songs dieser Wiener Band eigentlich alles andere als heitere Stücke zum Hirnabschalten und Dauerhüpfen. Bei ihnen wird der leichte morbide Charme des Wienerliedes in den Rock ’n’ Roll übersetzt, mit einer Kelle Blues, einer Prise Funk gewürzt und live mit einer Leidenschaft interpretiert, deren nächste Stufe bereits die Selbstaufgabe wäre. Zumindest bei Frontmann Fitzthum, der mit dauerheiserer Stimme und entwaffnendem Schmäh Verse singt, die literaturpreisverdächtig sind. Wie in „1, 2, 3, 4“, dem finalen Stimmungsauf-und-Überschäumer: „Ich bin ein trauriger, europäischer Geist / ich hab dich ungeniert umarmt und wollte, dass du schreist.“ 5 000 Menschen taten natürlich an dieser Stelle, wie ihnen gehießen. Ein besseres Mittel gegen die sich epidemisch ausbreitenden Deutschpop-Säuselanten und Gefühlheuchelbarden gibt es nicht. An diesem Abend wurden viele erfolgreich dagegen immunisiert.

Ironischer Entertainer

Dabei standen die fünf Musiker, die sich zum Ende des offiziellen Teils durch ein weiß maskiertes Damen-Quartett mit Geigen, Cello und Saxofon verstärkten, keineswegs als spaßbefreite Klugscheißer rum. Marco Fitzthum bewies unentwegt seine Entertainerqualitäten, hofierte ironisch das Publikum – „Dresden, bist a Schatzi“ – und warb permanent für mehr Liebe. Was bei ihm, dank eines italienischen Wurzelstrangs in der Familie, natürlich immer Amore heißt. Amore prangte vorm Start auf dem Bühnenbanner, mit dem ersten großen Hit „Bologna“ und der Mitsingzeile „Wenn jemand fragt / wofür du stehst / sag für Amore, Amore!“ ging’s los und gipfelte zwischenrein im Amore-Gesang des Publikum-Chores. Damit es auch jeder begreift, rief Fitzthum seine grundsätzliche Botschaft zusätzlich auf Deutsch in die Nacht: „Nicht hassen, lieben, lieben!“ Das kann man ja einfach mal so stehen lassen.

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