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Freitag, 08.06.2018

„Der Kampf hört nie auf“

US-Star Jared Leto über seine Band, sein deutsches Lieblingswort und den Einfluss von Donald Trump auf das aktuelle Album.

Wirkt im Konzert wie ein verträumter Guru: Jared Leto kommt nach Dresden.
Wirkt im Konzert wie ein verträumter Guru: Jared Leto kommt nach Dresden.

© dpa

Als Hollywood-Schauspieler Millionen scheffeln? Oscar-Preisträger Jared Leto hat sich vorerst dagegen entschieden. Seine Band Thirty Second To Mars, die er vor 20 Jahren gemeinsam mit seinem Bruder Shannon Leto gründete, ist ihm zu wichtig. Deshalb reist der 46-Jährige mit einer bombastischen Show gerade durch Europa, kommt am 22. August nach Dresden. Im Interview erzählt er von seinem beruflichen Spagat, der Zusammenarbeit mit Ai Weiwei und seinem Bart.

Mr. Leto, fünf Jahre sind seit der letzten Platte von Thirty Seconds To Mars vergangen. Gab es bei Ihnen zwischendurch mal die Befürchtung, als Musiker vergessen worden zu sein?

Nein, nie. Ich glaube daran, dass man auch mal eine Zeit lang weg sein muss, damit die Leute einen vermissen. Das gilt übrigens auch für die Schauspielerei, von der ich mich jetzt wieder eine gewisse Zeit verabschiede. Damals die Entscheidung getroffen zu haben, mich voll und ganz auf die Musik zu konzentrieren, war die beste meines Lebens!

Zwischenzeitlich haben Sie einen Oscar für Ihre Rolle in „Dallas Buyers Club“ erhalten. Hält der Stolz noch an?

Ich fühle in erster Linie Dankbarkeit, dass ich mich in den verschiedenen Genres kreativ ausdrücken kann. Und ich bin auch glücklich. Aber der Kampf hört ja nie auf, wenn du ein neues Video machst oder auf Tour gehst. Und es gibt noch viele Dinge, in denen ich mich verbessern will. Ein Stück weit bin ich aber schon angekommen. Ich hätte nie damit gerechnet, überhaupt mal einen Preis für irgendetwas zu bekommen.

Fühlen Sie sich gleichermaßen akzeptiert in der Schauspiel- und Musikwelt?

Das tue ich. Sich akzeptiert zu fühlen hat lange genug gedauert – besonders in der Musik. Thirty Seconds To Mars gibt es nun schon fast 20 Jahre. Auf der Reise habe ich so viel gelernt. Allein das gibt mir schon ein gutes Gefühl.

Ihre aktuelle CD heißt „America“. Meinen Sie das Amerika der Trump-Ära?

Trump ist definitiv Teil der Platte und irgendwo darin enthalten. Vermutlich ist der Einfluss seiner Person in der Single „Walk On Water“ am größten. Aber für mich geht es um das Konzept und die Idee von Amerika, nicht darum, wie ein Patriot die Flagge hochzuhalten. Politik ist zwar auch Teil davon. Aber in erster Linie ist es ein sehr gesellschaftlich inspiriertes Album. Es handelt von Liebe, Träumen und Hoffnungen.

Warum dann der Titel?

Mir gefällt die Interpretierbarkeit. Es ist doch so: Ich könnte zehn verschiedene Leute fragen, was ihnen zu „America“ einfällt, und würde zehn völlig verschiedene Antworten bekommen. Manche würden sagen, „America“ sei patriotisch. Andere würden es als provokativ bezeichnen. Wieder andere einfach nur als wunderschön. Und es wird auch Leute geben, die das für den schlimmsten Titel halten, den sie jemals gehört haben.

Dass Sie in den USA im Beisein von Ai Weiwei seinen Flüchtlings-Film „Human Flow“ präsentiert haben, war sicherlich kein Zufall, oder?

Nein, das ist schon ein Thema, das mich beschäftigt. Unsere Band hat zu dem Film eine begleitende Dokumentation gemacht, die im Juli herauskommen soll. Sie heißt „A Day In The Life Of America“. Wir haben dafür einen Tag lang in sämtlichen US-Bundesstaaten gefilmt. Es kamen bestimmte Themen auf, die es wichtig machten, solch ein Porträt von Amerika jetzt zu fertigen. Es ist eine sehr wichtige Zeit für Amerika und dafür, die Geschichte zu erzählen, wer wir wirklich sind. Unser neues Album ist der Soundtrack zu dieser Dokumentation.

Sie haben für die laufende Tour in Berlin geprobt. Haben Sie ein deutsches Lieblingswort?

Immer sagen hier alle scheiße – aber das ist nichts für mich. Ich mag das Wort Kindergarten, denn das ist auch ein amerikanisches Wort. Auch wenn ich selbst keine Kinder habe.

Wie hat sich die Beziehung zu Ihrem Bruder durch die Band verändert?

Wir sind noch stärker zusammengewachsen. Die ganzen Hochs und Tiefs, durch die die Band gegangen ist, haben wir zusammen gemeistert. Ohne ihn hätte es nicht funktioniert.

Was ist mit Ihrem Bart, der Sie aussehen lässt wie Jesus? In einer amerikanischen TV-Show versprachen Sie, ihn abzurasieren.

So läuft man halt rum, wenn man eine Zeit lang arbeitslos war! Von ein paar Zentimetern Gesichtswolle habe ich mich aber bereits getrennt. Im Laufe der Tour wird der Bart ganz abkommen – versprochen!

Das Interview führte Katja Schwemmers.

Das Konzert: 22.8., 20 Uhr, Messe, DD; Karten gibt esin den SZ-Treffpunkten und unter 0351 48642002

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