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Donnerstag, 07.06.2018

DDR-Kinderliedklassiker als Sahnehäubchen

Beim Dresdner Konzert setzte Art Garfunkel auf seine Stimme und auf ein paar teils sehr schräge Überraschungen.

Von Andy Dallmann

Wenn er einfach nur die alten Hits sang, war Art Garfunkel beim Auftritt im Dresdner Kulturpalast am besten. Das Intermezzo seines Sohnes hingegen hatte etwas Kurioses.
Wenn er einfach nur die alten Hits sang, war Art Garfunkel beim Auftritt im Dresdner Kulturpalast am besten. Das Intermezzo seines Sohnes hingegen hatte etwas Kurioses.

© imago/Agencia EFE

Vorab schien alles klar zu sein: Art Garfunkel, eine Hälfte des immens erfolgreichen US-Folkpop-Duos Simon & Garfunkel, gibt im ausverkauften Dresdner Kulturpalast zig Hits zum Besten. Das heißt: wunderschöne Reminiszenzen an die späten Sechziger, etwas Schwelgen, viel Freuen und beseeltes Nachhause-Gehen. Am Dienstag lief’s dann doch ein wenig anders.

Seinen Sohn hat Garfunkel schon früher gern mal mit auf die Bühne genommen. Als Steppke mit roter Lockenmähne wie weiland der Papa fuhr James einst prompt den Niedlichkeitsbonus ein. Das ist definitiv vorbei. Jetzt und hier stapfte ein Kahlkopf mit Bart und dunkler Brille auf die Bühne des Kulturpalastes, um in flüssigem Deutsch zunächst Dresden als schönste Stadt der Welt zu preisen und dann zwei Volkslieder anzukündigen. Mit leicht fisteliger Stimme zwitscherte James Garfunkel, inzwischen 27 und seit zehn Jahren in Berlin und Hamburg zu Hause, den Simon & Garfunkel-Song „Wednesday Morning 3 A.M.“. Um danach den Pionierliedklassiker „Unsere Heimat“ anzustimmen. Erst großes Kichern, dann eifriges Mitsingen und nach den finalen Zeilen „Und wir lieben die Heimat, die schöne / und wir schützen sie, weil sie dem Volke gehört, weil sie unserem Volke gehört“ heftiger Jubel. Vater Art bekannte prompt, keine Ahnung zu haben, womit ihm der Filius da eben fast die Show stahl, zeigte sich aber dennoch gerührt und stolz.

Dieses schräge Intermezzo lag am Weitesten neben den Erwartungen, doch auch, dass Garfunkel ein paar Texte aus seinem Buch „What Is It All but Luminous: Notes from an Underground Man“ las, verwirrte zumindest die, die es nicht so mit dem Englischen haben. Schnurren wie die vom Plasteglobus, den Beau, Garfunkels jetzt 13-jähriger Sohn, einst über den Flur kullern ließ und dabei Polen rausknipste, oder vom Gospel-Ständchen, das Art ein paar Kühen beim Wandern sang, hatten durchaus Witz. Nur brauchte sie an diesem Abend niemand. Von Keyboarder Dave Mackay und Gitarrist Tab Laven stets souverän begleitet, gönnte sich der 76-jährige Sänger aber auch klangliche Merkwürdigkeiten. Etwa die plumpen Computer-Stampfebeats zu „The Sound Of Silence“.

Pure Musik riss schließlich alles raus: Mit etwas brüchiger Stimme, in manchen Lagen nicht ganz sicher, aber unglaublich berührend, ließ Garfunkel zeitlos schöne Nummern wie „The Boxer“, „Bridge Over Troubled Water“, „Scarborough Fair“ oder seinen Solo-Hit „Bright Eyes“ im Raum schweben. Stehende Ovationen am Ende und eine Pop-Legende, die weiter strahlt.

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