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Donnerstag, 07.06.2018

Das Verschwinden der Buchkäufer

Mehr Stress im Alltag und Konkurrenz durch das Internet: Lesen ist out. Fast 20 Prozent der Buchkäufer sind seit 2013 weggebrochen. Jetzt will die Branche die Bücher zum potenziellen Käufer bringen - etwa im Fitnessclub.

Von Thomas Maier

Menschen lesen heute weniger - und fallen damit als Buchkäufer weg.
Menschen lesen heute weniger - und fallen damit als Buchkäufer weg.

© dpa/Klaus-Dietmar Gabbert

Frankfurt/Main. Der Alltag wird immer schnelllebiger, zugleich nehmen neue Medienangebote wie das Internet immer mehr Zeit des einzelnen in Anspruch. Eine Folge: Menschen lesen heute weniger - und fallen damit als Buchkäufer weg.

Diese Entwicklung hat die Buchbranche in eine Krise gestürzt. Im vergangenen Jahr lag das Umsatzminus bei 1,6 Prozent, wie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels am Mittwoch in Frankfurt mitteilte.

6,4 Millionen Käufer - 18 Prozent der Kunden - hat die deutsche Buchbranche im Publikumsmarkt (ohne Schul-und Fachbücher) zwischen 2013 und 2017 verloren. Über alle Generationen hinweg, den stärksten Schwund gibt es aber in den Altersgruppen von 20 bis 50 Jahren.

Erste dramatische Zahlen über diesen schleichenden Käuferschwund waren zwar schon Anfang des Jahres bekannt geworden. Jetzt hat die Branche aber erstmals in einer umfassenden Befragung von Konsumenten nach den Ursachen geforscht - und zugleich Strategien entwickelt.

Ein Ergebnis der am Donnerstag veröffentlichten Studie: Beliebte neue Serien wie etwa bei Netflix sind zur großen Konkurrenz fürs Buch geworden. Sie können zusammen mit anderen angeschaut werden - und sie bieten Anlass zur Entspannung und zum Gespräch am nächsten Tag mit anderen.

Diese Funktion hat früher das Buch übernommen. Aber Bücher sind heute „kein großes Gesprächsthema“ mehr, stellt die Studie fest. Dies wiederum erschwert den Menschen den Zugang zum Buch - und macht Nicht-Lesen generell akzeptabel. Außerdem fehle den Menschen am Buchmarkt mit seiner immer noch gigantischen Flut von jährlich mehr als 70 000 Titeln die Orientierung, heißt es weiter.

Wie können die Abwanderer nun zurückgewonnen werden? „Das Buch muss zum Konsumenten kommen“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, Alexander Skipis. Erste Ideen liegen auf dem Tisch: Bücher könnten an unerwartete Orte gebracht werden, wie Fitnessclubs. Umgekehrt könnte auch eine Buchhandlung einen Beachclub einrichten. Vielversprechender klingen Vorschläge, spezielle Leseorte in öffentlichen Räumen wie Parks einzurichten oder Veranstaltungen wie „Speed-Dating“ zu Bücherthemen zu organisieren.

Das Lesen eines Buchs soll damit wieder als „emotionales Erlebnis“ und Erweiterung des Horizonts wahrgenommen werden. Mut macht der Branche, dass der Studie zufolge viele Menschen angesichts einer immer kürzer getakteten Welt eine tiefe Sehnsucht nach Entschleunigung haben.

Die Hoffnungen auf das E-Book als Umsatz-Treiber haben sich dagegen nicht erfüllt. Auch das digitale Buch ist vom Käuferstreik betroffen. Im vergangenen Jahr lag dessen Anteil am Umsatz bei lediglich 4,6 Prozent - und war ebenfalls rückläufig.

Trotz des Käuferschwunds ist die Branche in den vergangenen Jahren aber noch mit einem blauen Auge davon gekommen. Der Umsatz ist mit etwas mehr als neun Milliarden Euro einigermaßen stabil geblieben. Wer Bücher kauft, der gibt dafür mehr Geld aus. (dpa)

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