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Montag, 14.05.2018 Der Krimi am Sonntag

Bei den Nazi-Biobauern

Überall in Deutschland besiedeln völkische Land-Leute abgelegene Gegenden. Der „Tatort“ stößt ins Herz dieser Finsternis vor.

Von Oliver Reinhard

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Gerne lässt sich Kommissar Berg (Hans-Jochen Wagner, r.) von seinem Schulfreund Volkmar (Nicki von Tempelhoff) und dessen Familie bei der Ernte helfen. Ohne zu wissen, dass der Biobauer ein Rechtsextremist ist.
Gerne lässt sich Kommissar Berg (Hans-Jochen Wagner, r.) von seinem Schulfreund Volkmar (Nicki von Tempelhoff) und dessen Familie bei der Ernte helfen. Ohne zu wissen, dass der Biobauer ein Rechtsextremist ist.

© ARD

Sie ackern für die Reinerhaltung deutscher Art, deutschen Blutes, deutschen Erbes – was auch immer das genau sein mag. Sie betrachten sich als „Wehrbauern“ gegen Überfremdung und Umvolkung: Überall in den ländlichen Abgeschiedenheiten Deutschlands lassen sich völkische Siedler nieder und bauen Höfe oder ganze Weiler zu altneurechten Brückenköpfen aus. In Brandenburg, in Sachsen, jetzt auch im Schwarzwälder „Tatort“.

Dass einige ihrer Ideen von Hege und Pflege alter Werte in turbulenten Zeiten wie den unseren durchaus verlockend klingen, lässt sogar den Freiburger Kommissar Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) vorübergehend schwanken. Auch er kämpft verzweifelt um den Erhalt des alten Obsthofes seiner Familie. Außerdem ist soeben die Tochter seines Schulfreundes Volkmar Böttger (Nicki von Tempelhoff) unter mysteriösen Umständen gestorben.

Aber das Mitleid mit der trauernden Familie und die Faszination für deren radikal naturnahes Verständnis von Landbau machen Berg doch nicht gänzlich blind dafür, dass die Böttgers samt ihrer großen Kinderschar zentrale Figuren der rechtsextremen Szene im Schwarzwald und drumherum sind. Nicht zu vergessen die Mahnungen von Bergs wacher Kollegin Franziska Tobler (Eva Löbau), die von Anfang an gespürt hat, dass die Äpfel der Böttgers inwendig ziemlich braun sind.

In der Regie des Österreichers Unmut Dag behauptet auch der zweite Schwarzwald- „Tatort“ seine Ausnahmestellung als besonders naturnaher, extrem waldstimmungsdichter, effektvoll beleuchteter und angenehm düsterer Ableger der Reihe. Mit zwei erfrischend normalen Kommissaren, die weder große Psychoprobleme noch sonstige Macken haben und – ja, das geht – trotzdem interessante Charaktere sind.

Sicher, es ist schon so einiges, was Autor Patrick Brunken da ins Drehbuch gerührt hat: eine mysteriöse Schwangerschaft, dunkle V-Mann-Umtriebe des Staatsschutzes, einen arabischen Hallodri-Geliebten des völkischen Mädchens, jede Menge Neurechte samt Kindern in Opa- und Oma-Klamotten und noch mehr Rattengift ... Trotzdem wirkt der „Tatort: Sonnenwende“ weder überladen noch überambitioniert. Selbst dass es wie letzte Woche schon wieder (!) um ein Familiendrama geht, macht diesen Schwarzwälder Kohl nicht weniger fett.

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Leser-Kommentare

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Insgesamt 12 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Wähler

    Ich lese mir vor dem Tatort die Beschreibung durch. Wenn da steht , dass es ein politischer Tatort wird, lasse ich den Fernseher aus. Es ist schon erstaunlich, wie inflationär der Tatort für politische Botschaften missbraucht wird. Schade.

  2. Hellmouth

    Was für ein Käse! Gehirnwäsche vom feinsten. Was ist eigentlich gegen die Bewahrung alter deutscher Werte und Traditionen einzuwenden? Sollen unsere Enkel irgenwann gar keine Wurzeln mehr haben? Es ist einfach nur noch traurig und beschämend wie wir unsere Geschichte für die Globalisierung über Bord werfen.

  3. Kanonikus

    @Wähler: Sehe ich auch so. Für mich nehme ich einmal die Tatorte von Thiel und Börne heraus. Schaue ich mir andere Krimiserien an, ist es Unterhaltung, "Mord mit Aussicht", "Lewis" oder auch "Vera" und "Barnaby". Sind auch keine Actionkracher, aber irgendwie haben sie etwas, das fehlt bei uns, Politik ist Nebensache. Es geht um Krimi. "Miss Fisher" oder "Hercule Poirot" sind Entspannung nach des Tages Arbeit.

  4. Sören Göhler, Dresden

    Völlig klar, daß gegen solche "Umtriebe" massiv vorgegangen werden muß, denn man möchte ein gänzlich willenloses 1984er Sklavenheer ganz nach Orwell erschaffen, das zum Nutzen weniger ackert. Mit um die 50 % Steuer- und Abgabenlast ist man nämlich noch nicht zufrieden, man möchte noch mehr und man möchte vor allem Eines: die Gedanken ALLER beeinflussen und möglichst kontrollieren und da schaden solche "Nazi"-Bewegungen nur. @1: Der gesamten GEZ-Sender werden mittlerweile für Idelogie- und sonstige Indoktrination mißbraucht. Aus welcher Zeit kenne ich das bereits? @2: Genau die totale Entwurzelung ist das Ziel in allem, was derzeit in D geschieht. @3: Fernseher ganz abschalten, dafür Hirn einschalten, alternativ informieren und die Infos auf Plausibilität prüfen - dann findest auch Du heraus, was läuft. Glaubst Du nicht? Mußt Du auch nicht mir glauben, probiere es einfach mal aus und Du wirst erstaunt sein...

  5. Logistiker

    @Kanonikus: Einfach alle Tatorte oder Polizeirufe 110 aus dem gebrauchten Bundesländern (Ausnahme des von Ihnen genannten) nicht anschauen.

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