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Mittwoch, 11.07.2018

Kroatien im WM-Finale

Ein Schritt noch bis zum ganz großen Triumph? Kroatien schlägt England, trifft im WM-Finale auf Frankreich und will am Sonntag in Moskau zum ersten Mal den Goldpokal holen. Die Entscheidung im Halbfinale fällt erst in der 109. Minute.

Von Ulrike John, Jens Marx, Florian Lütticke und Thomas Eßer

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Mario Mandzukic aus Kroatien bejubelt sein Tor zum 2:1.
Mario Mandzukic aus Kroatien bejubelt sein Tor zum 2:1.

© Frank Augstein/AP/dpa

Moskau. Dank eines späten Tores von Mario Mandzukic greift Kroatien erstmals nach dem WM-Pokal und hat dem Mutterland des Fußballs eine ganz bittere Halbfinal-Niederlage zugefügt. Der frühere Münchner traf in der 109. Minute für den WM-Dritten von 1998, der sich mit 2:1 (1:1, 0:1) nach Verlängerung gegen England durchsetzte. Im Endspiel am Sonntag wartet nun der 98er-Weltmeister Frankreich. Für das Team von Gareth Southgate platzte der Traum vom Endspiel 52 Jahre nach dem Triumph von Wembley gegen Deutschland.

Vor 78 011 Zuschauern im Luschniki-Stadion in Moskau brachte Kieran Trippier (5.) England am Mittwoch per Freistoß in Führung, Ivan Perisic (68.) glich für die Mannschaft von Trainer Zlatko Dalic aus und leitete damit die Wende ein.

England erwischte einen Traumstart, und wie so oft bei dieser WM ebnete eine Standardsituation den Weg zum Glück. Luka Modric hatte Dele Alli gut 20 Meter vor dem Tor in zentraler Position gefoult, und Trippier nutzte das eiskalt. Der Außenbahnspieler schlenzte den Freistoß rechts oben ins Eck, Kroatiens zuletzt so starker Keeper Danijel Subasic schaute nur hinterher. Im Londoner Hyde-Park warfen Zehntausende entfesselte Fans beim Public Viewing ihre Becher in die Luft und feierten den Treffer mit einer kollektiven Bierdusche. Es war Englands zwölftes Tor beim Turnier in Russland - das neunte nach einem ruhenden Ball.

Die frühe Führung gab den Three Lions zusätzliche Sicherheit. Nach einer Ecke hatte Verteidiger Harry Maguire die nächste Chance, köpfte jedoch neben das Tor (14.).

Bei den Kroaten lief nicht viel zusammen. Das Aufbauspiel war langsam, die Pässe kamen häufig ungenau. Ein Distanzschuss des früheren Dortmunders und Wolfsburgers Perisic, der sein Ziel um einen halben Meter verfehlte, war alles, was das Team von Trainer Dalic in der Anfangsphase zu bieten hatte (19.). Kapitän und Spielmacher Luka Modric tat sich gegen Bewacher Alli schwer.

Die englischen Offensivspieler machten es besser. Immer wieder hängten sie ihre Gegenspieler ab und hätten sich nach einer halben Stunde fast mit dem zweiten Treffer belohnt. Alli steckte super durch auf Harry Kane, doch der WM-Toptorschütze scheiterte zunächst freistehend an Subasic und dann am Pfosten. Zwar pfiff der türkische Schiedsrichter Cüneyt Cakir anschließend Abseits, hätte seine Entscheidung bei einem Tor mit Hilfe des Videoassistenten jedoch wohl zurückgenommen.

Kroatien bekam keinen Zugriff, in den entscheidenden Situationen war die Mannschaft von Southgate zunächst immer einen Tick schneller. Jesse Lingard verzog aus aussichtsreicher Position (36.) - England hätte zur Pause auch schon 2:0 oder 3:0 führen können.

Nach dem Seitenwechsel probierte Kroatien mehr und näherte sich dem englischen Tor an. Keeper Jordan Pickford bekam aber weiterhin erstmal nicht viel zu tun. Das letzte Zuspiel der Kroaten kam noch nicht an, einen strammen Perisic-Schuss blockte Kyle Walker in höchster Not ab (65.). Drei Minuten später ließ sich der Verteidiger überraschen: Sime Vrsaljko flankte ins Zentrum, von hinten stürmte Perisic heran und bugsierte den hohen Ball vor Walker ins Tor.

Plötzlich war Kroatien hellwach, England verunsichert. Perisic hatte das 2:1 auf dem Fuß, traf jedoch nur den Pfosten. Der frühere Münchner Mandzukic scheiterte an Pickford (83.). Für England hatte Lingard bei einem der nun immer selteneren Angriffe zuvor nicht genau genug (77.) gezielt.

So musste Kroatien zum dritten Mal nacheinander in die Verlängerung. Vrsaljko rettete nach einem Kopfball des englischen Abwehrspielers John Stones für seinen schon geschlagenen Torwart (99.), auf der Gegenseite war Pickford gegen Mandzukic zur Stelle (105.+2). Wenig später war der Keeper dann machtlos, nachdem Perisic auf Mandzukic vorgelegt hatte und der 32-Jährige zum frenetisch bejubelten Sieg traf. (dpa)

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Leser-Kommentare

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Insgesamt 6 Kommentare

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  1. Frank

    Profifußball muß recht anstrengend sein. Die Spieler so um die 30 Jahre sehen oft schon wie über 40 Jahre alt aus. Graue Haare .... ob der karge Lohn ein Ausgleich dafür ist ? Kroatien viel Erfolg im Finale !

  2. Manfred Hengst

    Glückwunsch Kroatien, wieder wurde eine Mannschaft geschlagen die von den Medien hoch gejubelt wurde, trotz Westenmode.

  3. grauer...

    alles alles Gute den Spielern von Kroatien für das Endspiel , ich hoffe nicht das erst das 11er schiesen den besseren ermittelt.....und der ist für mich Kroatien

  4. Mal ne Anmerkung

    Glückwunsch an Kroatien! Und übrigens wird vor dem Finale am Sonntag auch die Mannschaft mit den "interessantesten und schönsten Frisuren" ausgezeichnet. Heidi Klum und ihr jugendlicher "Bettnachbar" reisen aus den USA an um "Die Mannschaft" , zu ehren die von den teilnehmenden Teams der WM(übrigens von Südkorea und Mexiko gab es die volle Punktzahl 100 ) gewählt wurde! Weltmeister wird Frankreich!!!!

  5. wayne rooney

    Das Schiedsrichter Team war auch mehr als bescheiden, Nach dem 1:0 für England hätte es für Kroatien gelbe Karten am Stück hageln müssen. Bei Lovren war es für mich schon am Rande einer roten Karte. In der 2. Halbzeit wurden 2 mal klare Eckbälle nicht gegeben. Das war alles noch beim Stand von 1:1. Über Schauspieler wie Mandžukic braucht man kein Wort zu verlieren. Ich schau mir das Finale nicht an, da es für mich nicht relevant ist.

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