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Donnerstag, 11.01.2018

Kretschmer will noch 30 Jahre Braunkohle

Das neue Jahr startete in der Lausitz mit schlechten Nachrichten. Aber es gibt auch positive Signale.

Von Tilo Berger

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In sachsen soll auch künftig Braunkohle gefördert werden.
In sachsen soll auch künftig Braunkohle gefördert werden.

© dpa/Patrick Pleul

Bautzen/Görlitz. Der Freistaat Sachsen will der Lausitz unter die Arme greifen. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) kündigte den Start einer sächsisch-brandenburgischen Zukunftswerkstatt Lausitz für Anfang März an. Diese soll Ideen sammeln und Fördermittel beantragen. Außerdem planen beide Länder eine Lausitzkonferenz. Damit sollen die Gespräche fortgesetzt werden, die Kretschmers Vorgänger Stanislaw Tillich 2017 mit seinem brandenburgischen Amtskollegen Dietmar Woidke (SPD) auf den Weg gebracht hatte.

Der Freistaat wirke außerdem auf die Sondierungsgespräche zwischen Union und SPD zur Bildung einer neuen Bundesregierung ein. Ziel sei, einen überhasteten Ausstieg aus der Braunkohle zu vermeiden. Kretschmer hält Braunkohle noch etwa 30 Jahre für unverzichtbar, „um die Menschen in der Region auf dem langen Weg des Strukturwandels mitzunehmen“.

Das neue Jahr hatte für die Lausitz mit schlechten Nachrichten begonnen. Zunächst wurde bekannt, dass der Waggonbau Niesky Insolvenz angemeldet hat. In dieser Woche verkündete ein chinesisch-deutsches Unternehmen das Aus für seine Pläne, in Rothenburg Elektroautos zu bauen. Ende vergangenen Jahres hatte der Siemens-Konzern angekündigt, 2023 sein Turbinenwerk in Görlitz zu schließen. Unsicherheit gibt es weiter zur Zukunft der Bombardier-Bahntechnikwerke in Bautzen und Görlitz. Jetzt wackelt auch noch die angekündigte Ansiedlung des Feinkostherstellers Homann auf dem Gelände der Mutterfirma Müllermilch in Leppersdorf. Neue Chefs am jetzigen Firmensitz im niedersächsischen Dissen wollen den Umzug nach Sachsen überdenken.

Angesichts der schlechten Nachrichten drohen die positiven Signale für die Lausitz unterzugehen. Drei Beispiele: Der Autohersteller Daimler baut in Kamenz eine neue Produktionshalle für Batterien. Die Elbe-Flugzeugwerke aus Dresden errichten einen weiteren Betrieb in Kodersdorf. Der Elektronik-Spezialist Digades will für rund 7,5 Millionen Euro sein Entwicklungszentrum am Stammsitz in Zittau erweitern.

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) erklärte, er „glaube weiterhin an die Lausitz, die gesamte Region und die Kraft der dort lebenden Menschen. Sie hat weiterhin das Potenzial, eine Wirtschafts- und Energieregion zu sein, in der Menschen gut und gerne leben“. Die Ostsachsen-Chefin des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Dana Dubil, äußerte sich „zuversichtlich, dass wir bei den Sorgenkindern Siemens, Waggonbau und Bombardier zukunftsfähige Lösungen bekommen werden“.

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Leser-Kommentare

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Insgesamt 23 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Hundling

    Eine rückwärtsgewandte und umweltschädliche Technologie zugunsten von Großkonzernen fördern - so sieht der Herr Ministerpräsident also die Zukunft.

  2. Mutter

    20000 Arbeitsplätze in der Lausitz sichern - so sieht die Zukunft aus - Danke Herr Ministerpräsident!

  3. Angie V

    Besser als die planlose Energiewende mit dem abschalten der sichersten AKW der Welt und dem zupflastern der Landschaft mit Windrädern oder Solarflächen die Energie liefern wenn sie keiner braucht.Durch das einladen der ganzen Welt hat sich der Energieverbrauch um 10% in Deutschland erhöht und die unsinnigen Klimaziele wurden dankenswerter weise gecancelt. So konterkariert sich grüner Irrsinn jeden Tag aufs neue. Von Strom sparen, neuen Energieträgern und Forschung an neuen sinnvollen Lösungen hört man dagegen wenig von diesen Populisten.

  4. Hartmut Grün

    Hat der MP nicht gesagt, dass man keine großen Erwartungen hegen soll? Mittelfristig 20.000 Arbeitsplätze - klingt gut aber von Nachhaltigkeit keine Spur. Keine neue Ideen - weiter so! Deutschland verabschiedet sich von seinen eigenen Klimazielen - na wenigstens auf diesem Gebiet haben wir mit unserem neuen MP einen Vorreiter. Braunkohlengraue Maus? 20.000 Arbeitsplätze können auch mit Ideen geschaffen werden, dass ist allerdings anstrengender. Was ist nach diesen 30 Jahren - die meisten von uns in Rente und dann? Wer verdient dann die Rente und hegt die tote Umwelt?

  5. M.H.

    Ein weiser Entschluss, denn die Ressourcen, so wie sie vom Schöpfer in der Welt verteilt wurden, zur klugen Nutzung für den Menschen, sollte man auch dankbar als Geschenk annehmen. Zum Nachdenken für all die, welche denken, dass der Strom aus der Steckdose kommt und Lithiumbatterien und andere Energiespeicher auf dem Baum wachsen, eine unbegrenzte Haltbarkeit haben und in der Herstellung ökologische Wunderwerke sind. Am Anfang war das Wort und dieses bleibt in Ewigkeit, auch wenn der aufgeklärte Mensch daran zweifelt. DDDr Peter Egger „Quo Vadis Europa“ - empfehlenswert für Menschen, die es hören können!

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