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Mittwoch, 07.11.2018

Konsum wird Wohnkomplex

Die Genossenschaft Ostsachsen ging 1992 pleite. Aus dem Pulsnitzer Handels- wird jetzt ein Wohnhaus.

Von Reiner Hanke

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Bauingenieur Sergey Sokolovskiy und Assistentin Elena Witt auf der Baustelle in Pulsnitz: Das ehemalige Konsumgebäude im Hintergrund stand lange leer. Nun wird das frühere Handelshaus zum Wohnhaus.
Bauingenieur Sergey Sokolovskiy und Assistentin Elena Witt auf der Baustelle in Pulsnitz: Das ehemalige Konsumgebäude im Hintergrund stand lange leer. Nun wird das frühere Handelshaus zum Wohnhaus.

© Reiner Hanke

Der repräsentative Bau wird über 1600 Quadratmeter Wohnfläche verfügen.
Der repräsentative Bau wird über 1 600 Quadratmeter Wohnfläche verfügen.

© Matthias Schumann

Der Giebel steht unter Denkmalschutz und wird erhalten.
Der Giebel steht unter Denkmalschutz und wird erhalten.

© Reiner Hanke

Pulsnitz. Staub zieht durch die leeren Hallen des ehemaligen Konsumgebäudes in Pulsnitz auf der August-Bebel-Straße. Bohrhämmer dröhnen durch heruntergebrochene Decken. Draußen arbeitet sich unterdessen ein Bagger durch das Unkraut. Unter einer dicken Erdschicht kommen sogar Pflastersteine zum Vorschein. Die Verladerampe an der Seite ist verschwunden und auf der rückwärtigen Seite ein Gebäudeteil abgerissen worden. Dort entstehen später Pkw-Stellplätze. Hier baut die Dresdner Firma Soko Bau von Sergey Sokolovskiy.

Der Diplombauingenieur und Bauunternehmer ist kein Unbekannter in Pulsnitz. Das sei eine schöne Stadt, die Zukunft hat und die auch für Dresdner als Wohnort interessant ist, sagt der Unternehmer. So hat Soko Bau hier schon mehrere Gebäude saniert und umgebaut. Das größte Projekt war wohl die ehemalige Berufsschule in der Goethestraße, die ebenfalls zum Wohnkomplex wurde. Das frühere Gebäude der Handelskette Konsum Ostsachsen, einer Genossenschaft, ist eine deutlich größere Herausforderung.

Sergey Sokolovskiy schätzt ein, die Berufsschule sei in wesentlich besserem Zustand gewesen. Beim Konsum sei vor allem auch die Feuchtigkeit wegen des kaputten Daches ein Problem. Im zweiten Obergeschoss müssen die Decken abgestützt werden, sind teilweise eingebrochen. Aber das Gebäude sei eben auch ein zentrumsnaher und prägender Bau, das es zu erhalten lohne. So habe ihn die Bürgermeisterin angesprochen, weil er schon viel in der Stadt renoviert habe und Pulsnitz dringend Wohnraum brauche. So investiere er jetzt etwa 1,7 Millionen Euro. Die Materialkosten seien stark gestiegen, merkt der Bauingenieur an. Er sei sich aber sicher, dass die Nachfrage in Pulsnitz nach Wohnraum groß sei. Jetzt sei mit dem Abbruch begonnen worden. Es sei viel Papierkram zu erledigen gewesen und die Firma froh, dass es nun losgehen kann, erklärt Elena Witt, die Assistentin der Geschäftsführung.

Die Konsum-Niederlassung war über viele Jahre dem Verfall preisgegeben. Sogar der Abriss war im Gespräch. Das Gebäude gehörte zur Konsumgenossenschaft Ostsachsen. Die schlitterte wohl schon 1992 in die Pleite. Seitdem verfiel das um 1920 erbaute stolze Handelshaus mit Verkaufsräumen im Erdgeschoss, Lager und Verwaltungsräumen zusehends. Das auffällige Relief am Giebel berichtet von besseren wirtschaftlichen Zeiten, als das stolze Haus errichtet wurde. Später pfiff der Wind durch kaputte Fenster. Die stehen auch jetzt weit offen. Aber damit der Bau-Staub abziehen kann. Das Kapitel Konsum ist längst vorbei – aus dem Handels- wird ein Wohnhaus.

Auch wenn das derzeit noch schwer vorstellbar ist. Beim Bauunternehmer ist das Konzept klar: Wo jetzt Bohrhämmer rattern, werden zwei bis Vierraumwohnungen für Familien, Senioren, Alleinstehende entstehen – es werde so gebaut, dass die Wohnungen vielen Ansprüchen gerecht werden. Mit Fußbodenheizung, Badewanne und Dusche. Balkons werden auf der Hofseite angebaut. Auch einen Aufzug werde es geben. Dazu nutzt die Baufirma einen vorhandenen Schacht. Dort setzt ein Bauarbeiter gerade den Trennschleifer an. Funkenregen stieben durch den künftigen Aufzugsschacht.

Relikte der Vergangenheit sind noch ein paar zu sehen: Ein Schild erinnert noch an den Brandschutzobmann und die Aufzugs-Notglocke hängt noch neben der rostigen Tür aus der Werkstatt der PGH (Produktionsgenossenschaft) Aufzugsbau Dresden, Baujahr 1962. Aber im Wesentlichen sind die Räume jetzt leer. Berge von Müll und alten Möbeln seien entsorgt worden. Der Erdgeschossbereich soll im Stil von Reihenhäusern gestaltet werden. Jede Wohnung bekomme ihren Eingang. Die Ladenfenster sollen etwas verkleinert werden. Aber die historische wertvolle Fassade werde erhalten mit dem Schriftzug Konsumgenossenschaft in den maroden Putz geprägt und dem Relief am Giebel.

Das ist auch eine Forderung des Denkmalschutzes. Das Gebäude solle seinen Charme behalten, sagt Sergey Sokolovskiy. Dort, wo jetzt noch altes Rumpelpflaster am Gebäude liege, sollen dann kleine Gärtchen und Terrassen entstehen. Zum Fußweg sei ein Zaun geplant. Sieben solche Wohnungen soll das Erdgeschoss aufnehmen. Insgesamt soll der gewaltige Komplex zwischen 20 und 24 Wohnungen auf 1 600 Quadratmetern Fläche Raum bieten.

Der Bauherr wolle auf jeden Fall versuchen, das Dach noch vor dem Winter neu einzudecken. Zuvor seien allerdings auch noch am Dachstuhl Reparaturen nötig. Ende des kommenden Jahres, so der Plan, sollen die Mieter einziehen können. Spätestens in der kommenden Woche werde das Gerüst als sichtbares Zeichen für die Sanierung aufgebaut.

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