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Donnerstag, 14.06.2018

Kommt doch zurück!

Lehrer in Görlitz hoffen, dass das neue Handlungspaket mehr Kollegen anlockt. Aber Geld alleine reicht nicht, sagen sie.

Von Susanne Sodan

Alles Edelpädagogen? Das Freistaat-Paket für mehr Lehrer setzt tatsächlich viele finanzielle Anreize. Kritik gibt’s dennoch.
Alles Edelpädagogen? Das Freistaat-Paket für mehr Lehrer setzt tatsächlich viele finanzielle Anreize. Kritik gibt’s dennoch.

© kairospress

In den Kreisen Görlitz und Bautzen werden noch die meisten Lehrer für kommendes Schuljahr gesucht. 122 Stellen sollen besetzt werden. Knapp 50 Zusagen gibt es. Bei 12 Stellen wurden den Lehrern Angebote gemacht, für die noch Verhandlungen laufen. Und rund 59 Stellen sind noch ganz offen. So die Zahlen von vergangener Woche. Zum Vergleich: Der Chemnitzer Standort des Landesamtes für Schule und Bildung (Lasub) sucht 186 neue Lehrer, hat 82 Zusagen vorliegen und 77 Angebote gemacht, 27 Stellen sind noch offen. Die Dresdner Region sucht 235 Lehrer, hat 167 Zusagen und rund 68 Angebote laufen. „Ich gehe davon aus, dass die Angebote angenommen werden“, sagt Lothar Bienst, Landtagsabgeordneter für die CDU. Damit hätten die Lasub-Standorte Dresden, Leipzig wie auch Zwickau das nötige Personal fürs nächste Schuljahr zusammen, das Bautzener Lasub muss noch suchen.

Die Zahlen hatte Lothar Bienst am Dienstagabend zu einer Diskussionsrunde mit nach Görlitz gebracht. In der Obermühle kamen CDU-Mitglieder mit Lehrern und auch zwei Görlitzer Schulleitern zusammen, um über das neue Handlungspaket für die sächsischen Schulen zu diskutieren. Das sieht vor, dass ab Januar 2019 alle Lehrer bis 42 Jahre verbeamtet werden sollen. Referendare, die als Lehrer in schwer zu besetzende Regionen gehen, sollen Zulagen bekommen. Es gibt zahlreiche weitere Punkte, insgesamt gibt der Freistaat für das Programm rund 1,7 Milliarden Euro aus.

Viele Lehrer sind trotzdem nicht glücklich, wie die Demo in Dresden am Dienstag gezeigt hat. Besonders die älteren nicht, die mit ihrem Angestellten-Gehalt weniger Nettolohn rausbekommen als ihre künftig verbeamteten Kollegen. In Dresden wurde deshalb gefordert, dass auch die Lehrer, die Angestellte bleiben, eine deutliche Einkommensverbesserung bekommen – und weniger Arbeitsbelastung.

In Dresden wurde protestiert, in Görlitz debattiert. Von der starken Kritik am Handlungspaket merkte man in der Obermühle deutlich weniger. „Eine Entlastung der Lehrer, auch der älteren Kollegen, ist auf jeden Fall notwendig“, sagt Clemens Kuche, Geschichtslehrer an der Melanchthon-Oberschule, mit Blick auf die Kritik, die in Dresden vorgebracht wurde. „Aber diese Entlastung soll durch das Maßnahmepaket auch bewirkt werden.“ Dadurch also, dass es mehr Personal gerade in die ländlichen Gegenden locken soll. „Deshalb ist die Verbeamtung besonders für uns in der Oberlausitz so wichtig.“

Lothar Bienst befürwortet das Handlungspaket. „Das hätten wir vor Jahren machen müssen“, sagt er. Aber noch vor einem Jahr – im Grunde vor Haubitz’ Vorstoß – sei es nicht möglich gewesen, dafür eine Mehrheit in der Fraktion zu bekommen. Die Gründe, erklärte Bienst, reichten von finanziellen Beschränkungen bis zu falschen Zukunftsannahmen. Wie auch immer man zur Verbeamtung allgemein stehe, sie sei in Sachsen notwendig. Einfach auch deshalb, weil alle anderen Bundesländer – außer Sachsen und Berlin – eben verbeamtet haben. Bisherige Versuche, durch andere Maßnahmen einen Ausgleich zu schaffen, hätten nicht das erhoffte Ergebnis gebracht.

Bienst hofft, dass nun vielleicht Lehrer zurückkommen, die für die Verbeamtung und der damit verbundenen Vergütung sowie Sicherheit weggegangen sind. Bienst stammt selbst aus Teicha im Landkreisnorden, ist eigentlich Lehrer und auch eine seiner beiden Töchter arbeitet als Lehrerin, allerdings nicht in Sachsen. Die Frage, ob sie nicht zurückkommen wöllte, sei schon öfter Thema gewesen, erzählte er. Generell hätte sie nichts dagegen, aber den Beamtenstatus hätte sie eben auch gerne mitgenommen. Wahrscheinlich ist das ab 2019 möglich. Alle Lücken, vermutet Bienst, werden sich sicher nicht schließen lassen, er hofft aber, dass die Zahlen bei der Lehrersuche in der Oberlausitz in einem Jahr vielleicht schon anders aussehen.

Das Handlungspaket sei ein richtiger Schritt, so der Tenor der Lehrer in der Obermühle. Allerdings setzt es sehr stark aufs Finanzielle. Kaum ein Punkt, in dem sich nicht ein Euro-Zeichen finden lässt. Es sind noch weitere Schritte nötig, waren sich die Lehrer einig. „Strukturelle Veränderungen sind genauso nötig“, sagt Clemens Kuche. Mehr Digitalisierung in der Bildung, mehr fachübergreifender Unterricht, mehr Praxisbezug. Handlungsbedarf bestehe auch beim Thema Inklusion ebenso bei der ständig wachsenden Bürokratie für die Lehrer.

Kuche brachte die Lehrerausbildung selbst ins Spiel. Warum kann die nicht auch dort stattfinden, wo die Lehrer am meisten gebraucht werden, in einer ländlichen Region, fragte er. Die Ausbildung im Referendariat ist an die Lasub-Stellen Dresden, Leipzig und Chemnitz angebunden. In den drei Uni-Städten kann man auch auf Lehramt studieren. „Ich fände es richtig, zu prüfen, ob eine Ausbildungsstätte nicht auch in der Oberlausitz möglich wäre.“ Vor Jahren gab es eine – in Löbau.

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