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Montag, 13.08.2018

Klopp verteidigt Özil

Der Startrainer stellt infrage, ob und dass sich der Fußballer überhaupt fürs Treffen mit Erdogan entschuldigen kann.

Von Thomas Prüfer

Die Saison hat begonnen, doch Jürgen Klopp widmet sich noch mal dem großen Sommerthema.
Die Saison hat begonnen, doch Jürgen Klopp widmet sich noch mal dem großen Sommerthema.

© dpa/David Davies

Es hätte endlich wieder sportliche Nachrichten gegeben, das wusste auch Jürgen Klopp. Doch pünktlich zum Saisonstart in der englischen Premier League mit seinem Topklub FC Liverpool hat sich der Trainer überraschend ausführlich zum Thema des Sommers geäußert. Özil, Gündogan, Erdogan – und einfach kein Ende!?

Nun hat also auch Klopp seine Meinung gesagt, und wie immer klar formuliert stellt er sich in der sogenannten Erdogan-Affäre hinter die beiden Fußballer, zumindest weitgehend. „Ich denke, wir sind uns alle einig, dass das Foto mit dem türkischen Präsidenten Erdogan eine äußerst unglückliche Aktion war. Aber was mich richtig stört, ist, dass wir tatsächlich mit zweierlei Maß messen“, sagte der 51-Jährige im Interview der Welt am Sonntag, und er erklärte dezidiert seine Sicht in der Endlos-Debatte: „Wir entscheiden, wer schlimm ist und wer nicht. Lothar Matthäus trifft sich mit Wladimir Putin, und wir respektieren das. Aber Mesut Özil und Ilkay Gündogan treffen sich mit Erdogan, und wir akzeptieren es nicht.“ An dem Tag, an dem das Foto entstanden sei, hätten sich auch englische Politiker und die Queen mit Erdogan getroffen. „Auch davon gibt es Fotos. Mir ist aber nicht bekannt, dass es da Rücktrittsforderungen gab“, sagte Klopp.

Der türkische Staatschef sei „schlau“, meinte Klopp. „Er gibt vielen Türken das Gefühl, die Türkei in die richtige Richtung zu führen. Auch sehr viele Türken in Deutschland denken so. Da dürfen wir doch nicht alles allein an Mesut und Ilkay festmachen.“

Er stellt außerdem in Frage, ob das Spieler-Duo überhaupt die Chance hatte, sich wie oftmals gefordert, von Erdogan zu distanzieren. „Tatsächlich haben wir ihnen keine Möglichkeit gelassen, das Richtige zu tun. Sie konnten sich nicht hinstellen und sagen: ‚Sorry, der Erdogan hat uns aufs Glatteis geführt.‘“ Gerade auch mit Blick auf ihre Verwandten in der Türkei sei dies für beide unmöglich gewesen. „Die Familie ist für sie sehr wichtig. Hätten sie ihre Onkel und Tanten, die in der Türkei mit Erdogan leben, ignorieren sollen“, fragte Klopp, der außerdem über seine persönlichen Karriere-Pläne sprach. Und natürlich kann er sich grundsätzlich und unter bestimmten Voraussetzungen ein Engagement als Bundestrainer vorstellen – allerdings nicht in naher Zukunft. „Sollte ich irgendwann einmal gefragt werden, und ich wäre verfügbar, dann würde ich darüber nachdenken“, sagte er, in diesem Fall aber eher vage.

Aktuell sei dies für ihn allerdings überhaupt kein Thema. „Ob ich mir in der aktuellen Situation, in der ich noch vier Jahre an den FC Liverpool gebunden bin, Gedanken mache, nur weil Deutschland gerade eine schlechte WM gespielt hat?“, fragte sich Klopp – und antwortete kategorisch: „Nein. Ich stehe nicht zur Verfügung.“

Zumal es mit Liverpool richtig gut läuft. In der Sommerpause hatte der Champions-League-Finalist für rund 200 Millionen Euro neue Spieler verpflichtet, darunter den Leipziger Naby Keita sowie den 75-Millionen-Euro-Tormann Alisson vom AS Rom. Beide gehörten zur Startelf beim Auftakt gegen West Ham, den Liverpool mit 4:0 für sich entschied. Damit sorgte Klopp zumindest auf der Insel für Schlagzeilen. (dpa/SZ)

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