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Mittwoch, 11.07.2018

Kleiner Tunnel nützt Rettungsfahrzeugen nichts

Ein ehemaliger Feuerwehrmann macht sich Gedanken um den Tunnelbau. „Wer denkt an die Rettungsdienste?“ fragt er.

Von Thomas Riemer

Eine kleine Kehrmaschine passt durch den Fahrradtunnel bequem hindurch. Die weit höheren Einsatzautos der Feuerwehr jedoch nicht. Bei einem eventuellen Tunnelbau sollte man dies berücksichtigen, meint Günter Lückmann.
Eine kleine Kehrmaschine passt durch den Fahrradtunnel bequem hindurch. Die weit höheren Einsatzautos der Feuerwehr jedoch nicht. Bei einem eventuellen Tunnelbau sollte man dies berücksichtigen, meint Günter Lückmann.

© Kristin Richter

Kleinraschütz. Nein, auf Biegen und Brechen wünscht sich Günter Lückmann nicht, dass die Berliner Bahnstrecke mit einem Millionen-Bau für Fahrzeuge untertunnelt wird. „Kann sich die Stadt Großenhain ein solches Projekt überhaupt leisten?“ fragt der 81-Jährige. Investitionen in Kitas, Schulen, soziale Einrichtungen, Feuerwehr, Parkplätze, Straßen, Sportstätten stünden nach seiner Ansicht weit mehr im Fokus, „um Kindern und Jugendlichen optimale und sinnvolle Freizeitbeschäftigung zu ermöglich“. Und das nicht nur in Großenhain selbst, sondern auch in den eingemeindeten Ortsteilen.

Doch wenn nun schon mal eine Diskussion über Sinn oder Unsinn eines Tunnelbaus geführt wird, will Günter Lückmann nicht außen vor sein. Den erfahrenen Feuerwehrmann – 50 Jahre war er aktives Mitglied – treibt vor allem die Sorge um, im Falle eines Neubaus auch an mögliche Rettungseinsätze zu denken. Das sei in der bisherigen Debatte zu kurz gekommen, findet der Kleinraschützer. Forderungen, einen eventuellen Tunnel nur für Pkw zu bauen und dabei Baukosten zu sparen, seien zu kurz gedacht.

Denn: Nur einen Steinwurf entfernt befinden sich die beiden Schacht-Schulen und zwei Kindereinrichtungen mit Hunderten Personen auf engstem Raum. Sollte es dort zu einem Großeinsatz kommen – „was sich natürlich niemand wünscht“ – hätten die großen Feuerwehrfahrzeuge und auch Krankenwagen schlechte Karten. Denn an der jetzigen Wegstrecke für die auf der Schillerstraße stationierte Feuerwehr würde sich nichts ändern: Vor bis zur Kreuzung am Roten Haus, dann die B 101 Richtung Elsterwerda, weiter auf der Ortsumgehung der B 98, dann Abbiegen ins Schacht-Gebiet. Ähnlich sehe es für Krankentransporte aus, die eventuell noch über Großraschütz fahren müssten, solange der Tunnel an der Auenstraße gesperrt ist. Günter Lückmann erinnert an den Rettungsauftrag: „Menschenrettung. Und da geht es um Sekunden. Fünf Mal Einatmen von Rauch führt zum Tod durch Rauchvergiftung.“

Deshalb appelliert der Rentner, in der Debatte den Sachverstand vor den persönlichen Nutzen zu stellen. „Es kann nur ein Tunnel gebaut werden, der Fahrzeugen mit Lkw-Maßen die Durchfahrt ermöglicht“, sagt er. Rettungsfahrzeuge, Feuerwehren und Technisches Hilfswerk seien nun einmal auf diese Größenordnung angewiesen. Einen Tunnel nur für Pkw zu bauen, dem würde die Großenhainer Feuerwehr auf jeden Fall widersprechen, so Günter Lückmann.

Ungeachtet dessen findet der 81-Jährige generell, dass das ganze Hin und Her von Befürwortern und Gegnern überhaupt nicht zeitgemäß ist. Und dabei denkt er nicht nur an die Kosten, (geschätzt sieben bis zehn Millionen Euro), sondern auch an die „grüne Lunge“. „Ein so großes Bauprojekt würde den gesamten Vorplatz auf Kleinraschützer Seite und den wunderschönen Park auf der Stadtseite zerstören“, befürchtet er. Ob das so richtig zu Großenhain als Stadt im Grünen passe, stellt Günter Lückmann in Zweifel. „Ich glaube nicht“, beantwortet er für sich selbst die Frage.