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Freitag, 09.11.2018

Kleine Malwina ganz groß in Szene gesetzt

Von Silke Richter

Die Generalprobe hat den Besuchern sehr gefallen. Das Musical „Die kleine Malwina“ wurde perfekt in Szene gesetzt. Ob Tränchen Traurig (Justus Becker / links) Malwina (Luca Maria Oczkowski / rechts) erlösen kann? Hilft ihm Tom Dideldei (Dominik Neum) dabei – oder triumphiert am Ende die Hexe Alfazalfa (Vivian Fischer), die das Mädchen Malwina in eine Spielzeugpuppe verwandelt und sein Herz hinterhältigerweise mit Trockeneis eingefrorenen hat? Am Sonntag kann man die Antwort noch einmal selbst sehen.Foto: Silke Richter
Die Generalprobe hat den Besuchern sehr gefallen. Das Musical „Die kleine Malwina“ wurde perfekt in Szene gesetzt. Ob Tränchen Traurig (Justus Becker / links) Malwina (Luca Maria Oczkowski / rechts) erlösen kann? Hilft ihm Tom Dideldei (Dominik Neum) dabei – oder triumphiert am Ende die Hexe Alfazalfa (Vivian Fischer), die das Mädchen Malwina in eine Spielzeugpuppe verwandelt und sein Herz hinterhältigerweise mit Trockeneis eingefrorenen hat? Am Sonntag kann man die Antwort noch einmal selbst sehen.Foto: Silke Richter

Auf der Bühne scheint ein heilloses Durcheinander zu herrschen. Die Darsteller springen mitten in der Handlung von einer Szene zur nächsten. Lieder werden nur kurz angespielt, bevor Instrumente und Stimmen wieder verstummen. Zwei verkleidete Männer bringen einen nicht vorhandenen Mühlstein in Bewegung, um Korn zu mahlen. Wenige Sekunden sind die beiden Darsteller aber schon im nächsten Rollenspiel, ohne das Vorherige richtig zu Ende geführt zu haben. Der Thron des Königs wackelt und ein Darsteller hat die Puppe Malwina hinter dem Bühnenvorhang vergessen ...

Gut organisiertes Durcheinander

Elke Förster klatscht laut in die Hände und unterbricht die Handlung auf der Bühne. Die Regisseurin hat Verbesserungsvorschläge und hilft, wo etwas zu fehlen scheint oder wo es etwas zu ergänzen gilt.

Laut Drehbuch ist jetzt die Band „Nachspiel“ dran. Doch hier stimmt die musikalische Reihenfolge nicht. Nach kurzer Diskussion hat sich das Missverständnis aufgeklärt. Nach Generalprobe sieht das alles jedenfalls nicht aus. Aber auch nicht nach Chaos oder genervten Darstellern. Das ganze Gegenteil ist der Fall. Es ist quasi ein letztes für Außenstehende etwas chaotisch anmutendes, aber sehr humorvolles Durchspielen des Musicals, bevor die letzte Probe vor der Premiere über die Bühne geht. Mehrere Monate haben sich die Mitwirkenden auf das Rockmärchen „Die kleine Malwina“ vorbereitet.

Zu schade für die Schublade

Das Bühnenstück ist eine vom Landkreis Bautzen unterstützte Gemeinschaftsaktion der Musik- und Kunstschule Jana und André Bischof und der KulturFabrik Hoyerswerda. Das Drehbuch und die Songtexte stammen von dem verstorbenen Liedermacher Gerhard (Gundi) Gundermann. In den 80er-Jahren erfand die Hoyerswerdaer „Brigade Feuerstein“ die Geschichte um das kleine Mädchen und ergänzte sie mit Songtexten aus der Feder von Gundi Gundermann und Alfons Förster. In das Kindermusical sind Melodien der Beatles und von Cat Stevens sowie von anderen Rocklegenden aus den 60er- und 70er-Jahren eingebettet. Das Bühnenstück wurde im Rahmen des KuFa-Gundermann-Jahres neu inszeniert. Gundi ist vor zwanzig Jahren verstorben, aber das Musical sei, so sind sich die Organisatoren einig, viel zu schade für die Schublade.

André Bischof zupft jetzt seine Gitarre und schlägt spontan vor: „Wir hören jetzt einfach auf und relaxen lieber noch etwas. Und wenn es schief geht, geht es eben schief“, findet der Musikschulleiter, der in sich zu ruhen scheint und dieses Gefühl auf die anderen Mitwirkenden überträgt. Jetzt lehnen sich auch die Techniker im Hintergrund entspannt zurück und orakeln: Eine Generalprobe müsse schief laufen, damit die Premiere ein Erfolg wird!

Kaum ist das ausgesprochen, betreten die ersten Mitglieder des Bürgerchores den Saal der KuFa. Sie sind eingeladen, die jetzt beginnende richtige Generalprobe mitzuverfolgen, bei der die Besucher musikalisch von Anfang an mit eingebunden werden und damit Teil des Bühnenstückes werden.

Die Neugierde auf das Schicksal der kleinen Malwina ist in den Publikumsreihen schnell geweckt. Es ist eine Fantasiereise mit sehr viel Musik und Humor. Das ewige Leiden des Trauerkloßes Tränchen Traurig alias Justus Becker (einst gespielt von Gundi) ist herrlich mit anzusehen und lässt fast kein Auge trocken. Mit seinem Freund Tom Dideldei (Dominik Neum) nimmt er den musikalischen Kampf um „seine“ Malwina (Luca Maria Oczkowski) auf, deren Herz die Hexe Alfazalfa (Vivian Fischer) mittels eines riesiges Trichters und Trockeneis aus der Tüte eingefroren hat.

Gott sei Dank geht noch was schief

Das Ende des Bühnenstückes ist nach viel zu schnell vergangenen neunzig Minuten in Sicht – und es läuft bis dato (leider) alles nahezu perfekt. Ein schlechtes Vorzeichen für die Premiere? Aber dann geht Gott sei Dank doch noch etwas daneben: Die in einem Sack verschnürte Alfazalfa bringt den (tragenden) Darsteller plötzlich ins Straucheln. Ob die beiden Darsteller hinter der Bühne noch gestürzt sind, bleibt ein Geheimnis. Das Finale erleben jedenfalls alle Darsteller unverletzt mit einem donnernden Applaus des Publikums, das sich mehr als begeistert zeigte. In den nächsten Tagen wird das Bühnenstück von der kleinen Malwina fünf Mal aufgeführt worden sein. Mittwochabend gab’s die Premiere.

Für die am Sonntag in der KuFa stattfindende letzte Veranstaltungen sind noch einige Karten zu haben. Alle anderen Termine sind bereits ausverkauft.

Restkarten für die Aufführung am Sonntag, dem 11. November, um 15.30 Uhr in der KulturFabrik Hoyerswerda an der Braugasse 1 gibt es bei der Musikschule Bischof (Bautzener Allee 83) in Hoyerswerda,  03571 417696 für 6 Euro (zuzüglich der VVK-Gebühr) – oder unter

www.musikschule-bischof.de