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Dienstag, 13.03.2018

Klassenzimmer werden zu klein

Bei Oberschulen auf dem Land gehen mehr Neuanmeldungen ein. Das Gymnasium Franziskaneum gerät an Grenzen.

Von Franziska Klemenz

Noch hat jeder Ranzen seinen eigenen Platz. Das könnte sich im kommenden Schuljahr ändern. Ob Darth Vader aus Star Wars dann auf dem Korridor abhängen muss? Heike Zimmer vom Franziskaneum und andere Schulleiter hoffen, dass die Schüler so verteilt werden können, dass es auch in Zukunft für jeden einen Haken an der Sache gibt.
Noch hat jeder Ranzen seinen eigenen Platz. Das könnte sich im kommenden Schuljahr ändern. Ob Darth Vader aus Star Wars dann auf dem Korridor abhängen muss? Heike Zimmer vom Franziskaneum und andere Schulleiter hoffen, dass die Schüler so verteilt werden können, dass es auch in Zukunft für jeden einen Haken an der Sache gibt.

© Claudia Hübschmann

Meißen. Sachsen bleibt ein Land der Superlative. Nicht nur der Lehrermangel wird immer größer, auch die 5. Jahrgangsstufen wachsen teilweise rasant. Das geht aus der aktuellen Statistik der Regionalstelle Dresden der Bildungsagentur hervor. Absolut sind die Zahlen noch nicht, einige Trends lassen sich aber durchaus ablesen.

Die meisten Neuanmeldungen gab es im Kreis Meißen auf dem Gymnasium Franziskaneum. Schon für das laufende Schuljahr war rund ein Drittel mehr Schüler auf dem frisch renovierten Gymnasium angemeldet worden als im Jahr zuvor. Aus vier geplanten wurden fünf Klassen, die Kapazitätsgrenze erreicht. Und in diesem Jahr endgültig gesprengt.

149 Schüler sollen das Franziskaneum nach Wunsch der Eltern ab August besuchen. Maximal 28 Schüler sind pro Klasse erlaubt, für diesen Jahrgang würden also nicht einmal fünf Klassen genügen. „Es sind mehr Anmeldungen, als wir aufnehmen können. Wir sind eigentlich ein 4,5-zügiges Gymnasium“, sagt Schulleiterin Heike Zimmer. „Wie wir damit umgehen, muss noch entschieden werden. Wir freuen uns, dass unser pädagogisches Profil offenbar Zuspruch findet. Allerdings sind unsere räumlichen Möglichkeiten begrenzt.“

Mit Beginn des laufenden Schuljahres durften sächsische Schüler erstmals ohne Bildungsempfehlung auf das Gymnasium wechseln. „Wir beginnen am Mittwoch mit den Elterngesprächen. In erster Linie sollten die Eltern den Empfehlungen der Grundschule vertrauen, die Grundschullehrer haben die Kinder immerhin drei einhalb Jahre im Unterricht erlebt“, sagt Heike Zimmer.

„Wir beziehen nun noch die Ergebnisse des zentralen Tests, den alle Kinder ohne Bildungsempfehlung schreiben, mit ein und beraten auf dieser Grundlage, ob wir den Weg zur Oberschule oder zum Gymnasium für günstiger für das Kind halten. Das Abitur ist auch über den Weg Oberschule plus Berufliches Gymnasium zu erreichen.“ Im laufenden Schuljahr besuchen sieben Schüler ohne Bildungsempfehlung das Franziskaneum, für das kommende Schuljahr wurden 15 gemeldet.

„Ich beobachte das sehr genau, kann aber erst am Schuljahresende sagen, wie erfolgreich diese Kinder den Anforderungen des Gymnasiums gerecht werden“, so Zimmer. „Die Lehrer wissen im Einzelnen nicht, wer mit und ohne Empfehlung gekommen ist, schließlich sollen alle Schüler gleich behandelt werden.“ Ähnlich handhabt es Karsten Zeibig, der das Geschwister-Scholl-Gymnasium in Nossen leitet. „Die Lehrer werden nicht darauf hingewiesen, damit es keine Stigmatisierung gibt. Wir nehmen die Schüler, wie sie sind, und holen sie dort ab, wo sie sind.“ Auf dem Geschwister-Scholl-Gymnasium ist die Zahl der Anmeldungen leicht gesunken. „Wir haben in den letzten Jahren immer vier Klassen gebildet und das werden wir auch dieses Jahr tun“, sagt Zeibig.

Während einige Oberschulen mangels Neuanmeldungen noch vor wenigen Jahren um ihren Fortbestand bangen mussten, ist die Stimmung auf den Schulkorridoren dank der offenbar geburtenstarken Jahrgänge nun wieder zuversichtlicher.

Einen besonders hohen Anstieg konnte die Pestalozzi-Oberschule Meißen vermelden. Waren die Anmeldungen dort von 2016 auf 2017 noch um mehr als zehn Schüler auf 49 gesunken, wurden für das kommende Schuljahr wieder 70 angehende Fünftklässler gemeldet – ein Anstieg um mehr als 40 Prozent. Auch die Landschulen in Lommatzsch und Nossen haben die Schüler-Ebbe zumindest vorerst überwunden. In Lommatzsch sind die Anmeldungen von 55 auf 63 gestiegen, in Nossen von 74 auf 92. Über Schülermangel können auch die Oberschulen in Weinböhla und Boxdorf nicht klagen. In Weinböhla meldeten sich erneut über 90 an. Einige von ihnen müssen voraussichtlich sogar umgelenkt werden, damit der Jahrgang dreizügig bleiben kann. Und auch die Boxdorfer Kurfürst-Moritz-Schule mit ihren musisch-künstlerischen Angeboten bleibt ein Renner. War die Schulleitung im Vorjahr erleichtert, dass die Anmeldezahl mit 93 nur leicht über der Kapazität von 84 lag, sind es dieses Jahr ganze 122 Anmeldungen.

Anmeldungen für die neuen fünften Klassen
Gymnasien
Franziskaneum Meißen 134/15*
Gymnasium Nossen 104/8*
Oberschulen
Lommatzscher Pflege 63
Pestalozzi Meißen 70
Triebischtal Meißen 66
Dr. Eberle Nossen 92
Kötitz 43
Leonhard Frank Coswig 43
Weinböhla 91
Kurfürst Moritz Boxdorf 122
*davon ohne Bildungsempfehlung für das Gymnasium
Quelle: Bildungsagentur Dresden

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