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Mittwoch, 13.06.2018

Kirche wird Wohnhaus

Vor zwei Jahren wurde Strehlas frühere katholische Kapelle entweiht. Jetzt soll sie eine neue Bestimmung bekommen.

Von Eric Weser

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Die ehemalige katholische Kirche Strehlas in der Goldgasse.
Die ehemalige katholische Kirche Strehlas in der Goldgasse.

© Foto: E. Weser

Auf einer Immobilienseite im Internet wird das Objekt beworben.
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© Screenshot: SZ / Foto: Joachim Rolke Immobilien

Strehla. Sie liegt mittendrin und doch ganz schön versteckt: Wer zur ehemaligen katholischen Kirche will, muss sich ein wenig auskennen in Strehla. Die Goldgasse, wo das äußerlich eher unauffällige Gebäude steht, ist wirklich nur ein kleiner Durchschlupf vom Markt zur Fischergasse.

Strehlas Katholiken sind diesen Weg viele Jahre gegangen. In vielen freiwilligen Stunden hatten Gemeindemitglieder ab 1969 auf den Fundamenten der alten Gaststätte Winkelkrug die Kirche St. Hedwig gebaut. Im Februar 1971 sei die geweiht worden, erzählt der Riesaer Pfarrer Ulrich Dombrowsky. Im einstigen Winkelkrug, einem zuletzt maroden Gebäude, hatten sich Strehlas Katholiken schon seit den 1950ern eingerichtet. Zuvor hätten sich die Gläubigen seit den 1940ern in angemieteten Räumen auf der Hauptstraße getroffen. Regelmäßige katholische Gottesdienste habe es in Strehla schon seit 1924 gegeben.

Zulauf habe das katholische Leben in Strehla durch zwei Zuzugs-Schübe bekommen, so Ulrich Dombrowsky. Zum einen nach dem Zweiten Weltkrieg, als viele Katholiken aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten westwärts geflohen waren. Nochmaligen Zuwachs habe es gegeben, als das Stahlwerk in der Nachbarstadt Riesa in der DDR-Zeit ausgebaut wurde und Arbeitskräfte benötigt wurden.

Von der damals großen Kirchgemeinde ist allerdings kaum mehr etwas übrig. Nur noch rund 100 Katholiken leben in Strehla, schätzt Ulrich Dombrowsky. Den großen Bruch habe es durch die Wende gegeben, als viele Arbeitsplätze verloren gingen. Da Katholiken in der DDR keine Firmen oder Handwerksbetriebe gründen durften, habe es unter den Gläubigen zum Beispiel auch wenig Immobilienbesitz gegeben. „Und damit auch ganz wenig Heimatbindung.“ Nach dem Mauerfall habe ein großer Exodus Richtung Westen eingesetzt.

Die Pfarrei Riesa, zu der auch Strehla gehört, sei von einst 4 500 auf nunmehr 1 200 Katholiken geschrumpft. Rückkehrer gebe es so gut wie gar nicht. – In Strehla sei hinzugekommen, dass über die Jahre nicht in den Kirchbau investiert worden sei, sagt Ulrich Dombrowsky. Rund 120 000 Euro hätten für eine Modernisierung in die Hand genommen werden müssen, so der Pfarrer. Auch deshalb habe man sich für die Entweihung entschieden. In einem emotionalen, aber traurigen Gottesdienst verabschiedeten sich die Gläubigen 2016 von der kleinen Kirche. Für Ulrich Dombrowsky, der im Jahr davor in die Gemeinde gekommen war, war es der erste und einzige Gottesdienst in Strehla. Danach stand das einstige Kirchgebäude leer.

Inzwischen zeichnet sich ab, dass der Bau in der Goldgasse eine neue Bestimmung bekommt. Vor Kurzem hat eine Strehlaer Familie bei der Stadt erfragt, ob eine Nutzung des 250-Quadratmeter-Hauses als Wohngebäude möglich ist. Die Stadt begrüßt das ausdrücklich, die Stadträte haben dem zugestimmt. Pfarrer Ulrich Dombrowsky bestätigt, dass ein Verkaufsprozess für das Gebäude läuft. Es könnte also bald wieder Leben in den Bau einkehren.

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