• Einstellungen
Freitag, 10.08.2018

Kinder müssen irgendwann alleine zur Schule gehen

Die Schule geht wieder los. Verkehrswächter Peter Kosciankowski erklärt, was Eltern und Autofahrer jetzt beachten sollten.

Von Stefan Lehmann

An Zebrastreifen gilt: langsam heranfahren. Erst recht jetzt, wenn viele Schulanfänger im Verkehr unterwegs sind, sagt Peter Kosciankowski.
An Zebrastreifen gilt: langsam heranfahren. Erst recht jetzt, wenn viele Schulanfänger im Verkehr unterwegs sind, sagt Peter Kosciankowski.

© Sebastian Schultz

Riesa. Die ersten großen Banner hängen schon wieder. Die Spruchbänder der Verkehrswacht Riesa-Großenhain sollen die Autofahrer daran erinnern, dass am Montag die Schule wieder losgeht. Insgesamt 248 Grund- und Förderschüler werden allein in Riesa eingeschult – und sind dann als frisch gebackene Verkehrsteilnehmer in der Stadt unterwegs. Für die Autofahrer heißt das vor allem eines, sagt Verkehrswacht-Sprecher Peter Kosciankowski: erhöhte Vorsicht. Es gebe eine Reihe von Punkten, die Kraftfahrer und Eltern beachten könnten, um die Schulwege sicherer zu machen.

Bremsbereit am Zebrastreifen

Am Zebrastreifen Ecke Hauptstraße/Pausitzer Straße sind die Linien noch zu sehen. Im Juni krachte hier ein junger Radfahrer in einen Pkw. Den Unfall selbst will Kosciankowski nicht bewerten. Aber Zebrastreifen seien kritische Punkte im Stadtgebiet. „Als Autofahrer sollte man so an den Fußgängerüberweg heranfahren, dass man fünf Meter davor jederzeit zum Stehen kommen kann.“ Gerade Schulanfänger bekämen beigebracht, dass die Überwege sicher sind. Es sei eben nicht gesagt, dass sie vor dem Überqueren der Straße an dieser Stelle nach links und rechts schauen. „Wenn etwas passiert, liegt die Hauptschuld immer beim Kraftfahrer.“ Ein Dorn im Auge sind Kosciankowski aber auch Fußgänger, die Autos am Zebrastreifen durchwinken. „Wenn dann deshalb jemand ins Auto läuft, dann ist der Winkende mit dran.“

Vorsichtiges Fahren ist neben den Überwegen vor allem auch an den Bushaltestellen angesagt – nicht nur, weil hinter den Bussen immer jemand hervorlaufen kann. „Das sind Sammelpunkte. Die Kinder sind beim Warten oder beim Aussteigen auch mal unkonzentriert, verspielt und achten vielleicht nicht auf den Verkehr – oder es rennt auch mal ein Schüler über die Straße.“

Im Zweifel besser anhalten

Mittlerweile gelte vor den meisten Riesaer Schulen ein Tempolimit von 30 km/h, sagt Kosciankowski – und betont noch einmal: „Das ist das Maximaltempo.“ Unter Umständen sollte man besser anhalten, als einen Unfall zu riskieren. Die meisten Autofahrer wissen das auch und halten sich dran, so Kosciankowski. „Aber es gibt auch welche, die das nicht einsehen wollen.“ Auch aus diesem Grund wird die Polizei in den nächsten Wochen vor den Schulen Präsenz zeigen, bestätigt Revierleiter Hermann Braunger.

Mehrfach den Schulweg abgehen

In manchen Kindergärten übernehmen die Moderatoren der Verkehrswacht schon die erste Verkehrsschulung. „Aber wir müssen davon ausgehen, dass viele Erstklässler noch keine Verkehrsregeln kennen.“ Umso wichtiger sei es, dass die Eltern mit den Kindern den Schulweg abgehen, und zwar mehrfach, Hin- und Rückweg, bis die Kinder ihn alleine sicher zurücklegen. „Allein laufen lassen und aus der Distanz beobachten“, rät Kosciankowski. Davon, die Kinder jeden Tag zur Schule zu bringen, hält er nichts. „Das führt dazu, dass sie den Straßenverkehr gar nicht kennenlernen. Und irgendwann müssen die Kinder dann doch alleine zur Schule gehen.“ Generell hielte Peter Kosciankowski eine zeitigere Verkehrserziehung für sinnvoll. „Kinder sind die Kraftfahrer der Zukunft. Je früher wir sie heranführen, desto besser.“

Die Verkehrswacht Riesa-Großenhain setzt sich seit 25 Jahren für die Sicherheit auf den Straßen in und um Riesa ein und veranstaltet dafür unter anderem 60 bis 70 Schulungen im Jahr. Aktuell suchen die Verkehrswächter dringend Verstärkung, beispielsweise durch rüstige Rentner, die sich ehrenamtlich engagieren wollen.
Kontakt: Verkehrswacht.Riesa@gmx.de oder kosciankowski@gmx.de

Desktopversion des Artikels