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Freitag, 21.09.2018

Keine Qualifikantin mehr

Denise Herrmann muss nicht um einen Platz im Weltcup bangen. Das verändert einiges – vor allem in der Vorbereitung.

Von Daniel Klein

Den ersten Teil der deutschen Biathlon-Meisterschaften in Altenberg bestritt Denise Herrmann aus dem vollen Training heraus. Richtig schnell muss sie nun erst ab Dezember sein.
Den ersten Teil der deutschen Biathlon-Meisterschaften in Altenberg bestritt Denise Herrmann aus dem vollen Training heraus. Richtig schnell muss sie nun erst ab Dezember sein.

© Matthias Rietschel

Der Gedanke an Wintersport verbietet sich eigentlich an diesen heißen Spätsommertagen. Für die Betroffenen selbst gilt das natürlich nicht, für sie beginnt die direkte Vorbereitung auf die neue Saison. Rennrad und Skiroller wandern auch bei Denise Herrmann langsam in den Abstellraum, es wird auf Skier umgestellt, zunächst geht es auf die Gletscher, ab November dann auf normale Höhenlagen. Der erste Weltcup startet bei den Biathleten am 2. Dezember.

Im slowenischen Pokljuka wird Herrmann auf jeden Fall dabei sein, zusammen mit Laura Dahlmeier, Franziska Hildebrand und Vanessa Hinz gehört die Oberwiesenthalerin zum Quartett der Gesetzten – zumindest bei den ersten drei Weltcup-Stationen. Das war bisher anders. Vor zwei Jahren, nach ihrem Umstieg vom Langlauf zum Biathlon, musste sie sich hinten anstellen und für die oberste Liga erst qualifizieren, genauso wie zu Beginn der vergangenen Saison.

„Das wird ein ganz heißes Ding“

Der Unterschied mag banal wirken, ist es aber nicht, er hat Auswirkungen auf die gesamte Vorbereitung und damit auch auf den Winter. „Im vorigen Jahr musste ich mich zunächst fürs Weltcup-Team qualifizieren und als ich das geschafft hatte für die Olympia-Mannschaft“, erzählt die 29-Jährige. „Mir war schon im Vorfeld bewusst, dass es ein ganz heißes Ding wird. Bei den Winterspielen noch einmal eine Topform abzurufen, war fast ein Ding der Unmöglichkeit. Dreimal innerhalb eines halben Jahres geht das kaum.“

Schaut man sich ihre Ergebnisse in der vergangenen Saison an, bestätigen diese die These. Los ging es mit zwei Weltcup-Siegen in Östersund, ihren ersten als Biathletin. Es folgten weitere Platzierungen unter den besten zehn, doch je näher der Saisonhöhepunkt mit den Spielen in Pyeongchang rückte, desto mehr ging die läuferische Dominanz verloren. Die Olympiaplätze sechs und elf in der Verfolgung und im Massenstart waren zwar nicht schlecht, der achte Rang mit der Staffel aber eine Katastrophe. Immer stand das deutsche Quartett in diesem Winter auf dem Podest, nur einmal nicht – ausgerechnet bei Olympia. Herrmann hatte ihren Anteil am Desaster, auch sie musste einmal in die Strafrunde, zudem schoss sie bei schwierigen Bedingungen langsam, verlor dadurch viel Zeit. Staffelkollegin Franziska Hildebrand kritisierte hinterher die Zusammensetzung und präsentierte ihre Wunschformation. Bei der fehlte der Name Herrmann.

„Aus Dingen, die schlecht gelaufen sind, lernt man oft mehr als aus den guten“, findet sie. Das muss reichen als Rückschau, in der neuen Saison soll nicht alles, aber doch einiges besser laufen – und das im Wortsinn. Durch den garantierten Startplatz im Weltcup trainierte Herrmann mehr und länger im Ausdauerbereich. Die zweigeteilten deutschen Meisterschaften in Altenberg und Oberhof bestritt sie, ohne vorher spezielle Tempoeinheiten absolviert zu haben. Trotzdem sprangen die Plätze zwei, vier und fünf heraus. „Der Plan sieht vor, bis zum Herbst hohes Pensum zu gehen, um im Winter dann besser durchzukommen“, sagt sie. „Mal schauen, ob er auch aufgeht.“

Ein weiterer Punkt, der für diese Taktik spricht: Die WM wird diesmal Mitte März ausgetragen, also extrem spät. Das ist auch eine Herausforderung für das neue Bundestrainerteam Kristian Mehringer und Florian Steirer, beide 37. Herrmann gerät ins Schwärmen, wenn sie über die Zusammenarbeit spricht. Bisher sei jeder Tag eine Bereicherung gewesen, selten habe sie so gut mit Trainern kommuniziert, sagt sie. „Man muss als Sportler das Gefühl haben: Ich kann ihnen, ohne vorher groß zu überlegen, einfach alles sagen.“ Und dieses Gefühl sei da.

Das Lob für das neue Duo kann man zugleich als Kritik am alten verstehen und speziell am – zum Schießtrainer degradierten – Gerald Hönig. Wobei beim Punkt Kommunikation womöglich das Alter eine Rolle gespielt hat, der Nachfolger ist 23 Jahre jünger als sein Vorgänger – und damit nur unwesentlich älter als die Athletinnen. Da findet man schnell eine gemeinsame Sprache. Herrmann betont aber auch: „Ich hatte schon viele Trainer. Bei der Planung, den Einheiten selbst und der Art und Weise, wie die Athleten einbezogen werden, ist das jetzt auf einem ganz hohen Level.“ Beste Aussichten sind das also auf das dritte Jahr als Biathletin.

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