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Mittwoch, 13.06.2018

Kein Platz für Baugemeinschaften

Zwar werden jährlich städtische Grundstücke ausgeschrieben. Doch das reicht nicht, um die hohe Nachfrage zu decken.

Von Sarah Herrmann

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Blick auf das Haus an der Dorothea-Erxleben-Straße.
Blick auf das Haus an der Dorothea-Erxleben-Straße.

© Archivbild: Sven Ellger

Ein Haus, 16 Bewerber. Die Ausschreibung eines Grundstücks an der Dorothea-Erxleben-Straße 2 zeigt, wie hart umkämpft der Markt bei den Baugemeinschaften in Dresden ist. Zwar wird in Dresden allerhand gebaut. Meist sind es Investoren, die Mehrfamilienhäuser mit zahlreichen Wohnungen errichten. Für Baugemeinschaften gebe es hingegen kaum Platz, bemängeln Kristina Krömer und David Baumann vom Mietshäuser Syndikat Dresden.

Die Gesellschaft hat sich gleich mit drei Gruppen um das Haus auf der Dorothea-Erxleben-Straße beworben – und kassierte Absagen. Die Begründung: Ziel der Konzept-ausschreibung sei es, selbst genutzten Wohnraum zu verkaufen. Beim Syndikat erwerben aber auch Gesellschafter das Gebäude, die es später nicht beziehen werden. Denn bei dem Konstrukt wird eine Firma Käufer des entsprechenden Objekts. Diese gehört zu über 50 Prozent den künftigen Bewohnern, den restlichen Anteil erwirbt das Syndikat. Die Bewohner sind hingegen weiterhin nur Mieter – allerdings zu einem sehr günstigen Preis. Der Vorteil: Wer es sich anders überlegt, kann jederzeit aus der Wohngemeinschaft ausziehen.

Dieses besondere Konzept ist dem Syndikat auch bei anderen Ausschreibungen schon zum Verhängnis geworden. Dabei widerspreche es nicht der Idee einer Baugemeinschaft, sagen Krömer und Baumann. Die Gesellschaft solle nur gewährleisten, dass das Haus nicht wieder verkauft wird und es so vor Spekulation schützen. „Das hat die Stadt nicht in der Tiefe verstanden“, so Krömer. Sie würde sich wünschen, dass das Syndikat bei künftigen Ausschreibungen mit bedacht wird.

Doch es geht Krömer und Baumann nicht nur um das Syndikat. Auch für andere Baugemeinschaften gebe es zu wenig Platz. Zwar ist die Verwaltung laut Stadtratsbeschluss verpflichtet, mehrere Grundstücke im Jahr speziell für diese auszuschreiben. Die Anzahl reiche allerdings nicht aus. „Unser Wunsch wäre es, dass die Stadt verstärkt darüber nachdenkt, unterschiedliche Gruppen als Möglichkeit für eine individuelle Stadtgestaltung zu nutzen“, sagt Krömer. Sie verweist auf ein Modellprojekt aus Leipzig, bei welchem die Verwaltung aktiv auf Baugemeinschaften zugegangen ist, um ein neues Viertel zu gestalten. Krömer und Baumann könnten sich dies auch in Dresden vorstellen – zum Beispiel am Alten Leipziger Bahnhof.

Auch Marion Kempe, Geschäftsführerin des Bauforums Dresden, kennt das Problem. Während die Zahl der verfügbaren Grundstücke sinkt, steige die Nachfrage durch Baugemeinschaften kontinuierlich. Das Modell erfreue sich zunehmender Beliebtheit. An der Dorothea-Erxleben-Straße habe sich das Bauforum mit fünf Gruppen beworben. Auch Kempe würde sich wünschen, dass die Stadt einen Schritt auf die Baugemeinschaften zu macht.

„Ich weiß aber, dass sie auch ihre Schwierigkeiten hat“, sagt sie. So seien nach der Wende über Jahre hinweg zahlreiche Grundstücke verkauft worden. Die Verwaltung habe Probleme, genügend Flächen für die kommunale Wohnungsbaugesellschaft zu finden. Das Problem liegt laut Kempe vor allem darin, dass die ausgeschriebenen Objekte zu klein sind. Oft bieten diese nur Platz für maximal drei Familien. Sie wünscht sich, dass die Stadtverwaltung größere Objekte für Baugemeinschaften ausschreibt.

Seit dem Beschluss des Stadtrats im Jahr 2013, Grundstücke für Baugemeinschaften zu reservieren, seien acht Grundstücke ausgeschrieben worden. Das teilt Stadtsprecherin Anke Hoffmann im Auftrag des Amts für Hochbau und Immobilien mit. Der Anteil dieser Grundstücke an der Gesamtzahl der in den Jahren 2015 bis 2017 ausgeschriebenen Grundstücke habe zwischen zehn und 24 Prozent gelegen. Meist wurden je Objekt zwei bis acht Gebote abgegeben. Nur beim Grundstück auf der Dorothea-Erxleben-Straße lag die Zahl mit 16 Bewerbern deutlich höher.

Eine Lösung für das Problem hat die Verwaltung nicht parat. „Bebaubare Grundstücke in städtischem Eigentum stehen nur beschränkt zur Verfügung“, sagt Hoffmann. Zumindest für das Syndikat gibt es aber gute Nachrichten: „Für zukünftige Ausschreibungen wird geprüft, wie Gebote solcher Bieter gleichermaßen mit berücksichtigt werden können.“ Mehr Platz für Baugemeinschaften bringt das aber nicht.

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Leser-Kommentare

Insgesamt 4 Kommentare

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  1. W H

    Gerade in Freital und Radeberg gibt es zum Teil noch sehr viele freie Flächen. Selbst Pirna und Kreischa sind noch in der näheren Umgebung. Dort wohnt man zum Teil sogar noch besser, es ist genügend Platz da und die Flächen sind günstiger. (kurzer Hinweis: Ich selbst wohne nicht in Freital, Pirna, ... und bin auch nicht im Auftrag dieser Gemeinden tätig. Ich wohne in einer ganz normalen Mietwohnung in einem Mehrfamiliehaus in Dresden und glaube, dass der Mehrgeschosswohnungsbau in massenhafter Ausführung am besten die Wohnungsnot bekämpfen und längerfristig zu einem entspanteren Mietmarkt führen kann)

  2. Ergebnis unbekannt

    Und liebe SZ, wer hat Haus und Grundstück am Ende bekommen? Antwort Fehlanzeige. Noch ein kleiner Hinweis. Man bewirbt sich auf eine Ausschreibung nur, wenn man die Voraussetzungen erfüllen kann. Das hat dieser Herr Krömer wohl nicht richtig verstanden. Warum soll die Stadt ihre Ausschreibungskriterien dem Grschäftsmodell gewisser Gruppen und Firmen anpassen?

  3. Thomasine

    @1: Teile der letzten Ära des Mehrgeschosswohnungsbau wurden in den letzten Jahren in Prohlis und Gorbitz abgerissen. Eine sinnvolle städtebauliche Durchmischung kann die Wohnviertel auch nachhaltig bewohnbar erhalten und eine Ghettofizierung erschweren. ...und das Menschen in der Stadt leben wollen in der sie großgeworden sind sollte mit allen Mitteln ermöglicht werden. Vor der Entscheidung, ob sie nach Pirna, Freital, oder Hoywoy ziehen müssen werden sie auch noch früh genug gestellt wenn sich ihre familiäre Situation ändert. Mal sehen, ob es ihnen dann auch so leicht fällt. @2: Weil diese Ausschreibungskriterien auch irgendwann von irgendwem festgelegt wurden... und die Welt sich weiterdreht und wenn wir noch immer eine CDU/FDP Mehrheit im Stadtrat hätten alle Grundstücke & Gebäude ausschließlich meistbietend verhöckert werden würden. Heißt also an finanzkräftige Investor*innen. Was dies bewirkt(e) sollten sie ja auch mittlerweile in ihren Mietkosten erkennen.

  4. Thomasine

    Ich persönlich kann nur jede und jeden ermutigen eigene Konzepte zu entwickeln mit denen sich die Bewohnenden einer Stadt sich ihre Stadt zurückholen. Insbesondere das Konzept des Mietshäusersyndikats verhindert außerdem noch die Generierung von Privateigentum. In Syndikatshäusern kann jede und jeder wohnen. Der Einzug ist nicht an eine genossenschaftliche Einlage gebunden. Trotzdem können die Mietenden über alle Belange des Hauses, sogar den Mietpreis entscheiden (der richtet sich nach Werterhalt und nicht nach Profitmaximierung). In Kombination mit dem Erbaurecht von der Stadt eine ideale Kombination. Die Häuser denen die drin wohnen!

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