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Montag, 13.08.2018

Kein Anschluss unter dieser Nummer

Ein bundesweites Service-Angebot hat es in die Stadtregion Hoyerswerda bisher nicht geschafft.

Von Mirko Kolodziej

In Berlin wurde die bundesweit einheitliche Behördenrufnummer Anfang 2009 an den Start geschickt – unter anderem mit diesen überdimensionalen Ziffern. In der Modellregion Berlin gab es am ersten Tag 5000 Anrufe. Im Raum Hoyerswerda dagegen ist die 115 bisher kein großes Thema.
In Berlin wurde die bundesweit einheitliche Behördenrufnummer Anfang 2009 an den Start geschickt – unter anderem mit diesen überdimensionalen Ziffern. In der Modellregion Berlin gab es am ersten Tag 5 000 Anrufe. Im Raum Hoyerswerda dagegen ist die 115 bisher kein großes Thema.

© Bund / BMI – Jörg Peter

Sie haben irgend eine Frage an Kommunal-, Landes- oder Bundesbehörden? Wählen Sie einfach die Behördennummer 115! Allerdings sollten Sie dazu schon in Schleswig-Holstein sein oder in der Magdeburger Börde oder wenigstens in Dresden. In und um Hoyerswerda heißt es ansonsten am Mobiltelefon: „Die von Ihnen gewählte Rufnummer ist leider nicht vergeben.“

Als die 115 vor nun fast zehn Jahren freigeschaltet wurde, hieß es, sie werde unabhängig von Zuständigkeiten der direkte Draht ins Amt sein – egal, ob es um den Personalausweis geht, um Lärmbelästigung, um Wohnsitzummeldungen oder anderes.

Der Dreh- und Angelpunkt jedoch ist in jedem Fall ein kommunales Service-Center bei einer Stadt oder bei einem Landkreis. Und dort müssen die nötigen Daten hinterlegt sein. „Grundlage für die telefonische Auskunft ist die 115-Wissensdatenbank. Alle 115-Teilnehmer stellen hier Informationen zu Verwaltungsleistungen zur Verfügung“, erklärt das federführende Bundesinnenministerium. Doch da scheint es Hürden zu geben, denn es braucht für so ein wochentags von 8 bis 18 Uhr erreichbares Service-Center technische, räumliche, organisatorische und vor allem personelle Voraussetzungen. Also ist das Ganze ein ziemlicher Flickenteppich geblieben.

Teilnahme theoretisch denkbar

Immerhin: Im Hoyerswerdaer Rathaus weiß man von der 115. „Es gab auch bereits erste Überlegungen bezüglich einer Teilnahme der Stadt. Konkrete Planungen oder Festlegungen dazu gibt es aber nicht“, erklärt Verwaltungssprecher Bernd Wiemer.

Es sei grundsätzlich möglich, das vorhandene Bürgertelefon 456 456 in ein Service-Center für die 115 umzuwandeln und auch Nachbarkommunen einzubeziehen. Genauso denkbar sei ein Service-Center beim Landratsamt in Bautzen mit der Beteiligung der Stadt als Bereitsteller der erwähnten Informationen. In diesem Fall könnte sich das Rathaus die 456 456 dann sparen. „Unseres Erachtens ist in jedem Fall die Kosten-Nutzen-Frage das maßgebliche Kriterium“, sagt Bernd Wiemer. So ähnlich ist das in Bernsdorf. Von Bürgermeister Harry Habel (CDU) heißt es, man habe perspektivisch schon Interesse an der 115, könne aber im Moment nicht einmal die nötigen Informationen zur Verfügung stellen. Der Aufwand sei nicht leistbar.

„Wir bleiben bei Telefon, Homepage und Facebook“, nennt Habel die üblichen Wege der Kontaktherstellung. Die Lautaer Hauptamtsleiterin Katrin Grader ergänzt, bei so wenig verzweigten Verwaltungsstrukturen wie jener in Lauta sei es für Bürger relativ einfach, Ansprechpartner zu finden. Sie sagt, überwiegend würde der direkte Weg ins Rathaus gesucht. Anderenfalls stünden Telefon und E-Mail zur Verfügung. Auch Spreetals Verwaltungschefin Swantje Schneider-Trunsch berichtet, im ländlichen Raum laufe noch viel über persönliche Kontakte. Wittichenaus Bürgermeister Markus Posch (CDU) erklärt gar, dort sei die 115 noch kein Thema gewesen. Offenbar funktioniert die bisherige Verfahrensweise gut: „Anrufe werden von der Poststelle an die zuständigen Bereiche weitergeleitet.“ Selbst im Rathaus von Hoyerswerda mit der größten Verwaltung der Gegend scheint das ähnlich zu sein. Rathaussprecher Bernd Wiemer sagt, nicht einmal das Bürgertelefon werde sehr häufig genutzt. In der Woche gebe es unter 456 456 im Schnitt keine zehn Anrufe. Das liege sicher auch daran, dass Viele mit einer Frage einfach direkt mit den Zuständigen in den Fachbereichen telefonieren.

Bund strebt Ausbau an

Es ist also nicht sehr wahrscheinlich, dass in Hoyerswerda bald ein weiteres der bundesweit momentan 50 kommunalen 115-Service-Center öffnet. Doch das Angebot auszubauen, ist erklärtes Ziel des Bundes. Vor einem Jahr hieß es in einem Bundestagsbeschluss, es könnten in zwölf Bundesländern bereits rund 31 Millionen Menschen von dem Ganzen profizieren: „Ziele sollen jedoch eine flächendeckende Verbreitung der Behördennummer 115 sowie die Bereitstellung einer entsprechenden Lösung im Internet beziehungsweise einer mobilen App sein.“ Der Beschluss zum Ausbau der digitalen Verwaltung, aus dem die Passage stammt, wurde am 23. März 2017 mit den Stimmen von CDU, CSU und SPD angenommen – abends um halb elf.