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Mittwoch, 10.10.2018

Kampfziel für den Knappensee

Rund um das Gewässer wird kräftig saniert. Doch der Zeitplan gerät in Bedrängnis. Das hat verschiedene Ursachen.

Von Uwe Schulz

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Am Nordufer des Knappensees schafft der Rütteldruckverdichter Stück für Stück einen unterirdischen Damm.
Am Nordufer des Knappensees schafft der Rütteldruckverdichter Stück für Stück einen unterirdischen Damm.

© Uwe Schulz

Zwischen den Inseln und der Einlassstelle am Regattaturm wurden dieser Tage Lotungen vorgenommen, denn der Wasserstand im Knappensee ist extrem niedrig.
Zwischen den Inseln und der Einlassstelle am Regattaturm wurden dieser Tage Lotungen vorgenommen, denn der Wasserstand im Knappensee ist extrem niedrig.

© Uwe Schulz

Maukendorf. Man sieht derzeit drei Rütteldruckverdichter (RDV) am Knappensee aufragen. Einer arbeitet sich im Bereich Maukendorf an der Hochkippe vorbei über den Nordstrand Richtung Südosten. Er bewegt sich über eine große planierte Fläche, die einst die Bungalowsiedlung war. Die gigantische vibrierende Metalllanze am Ausleger wird unter Zugabe von Wasser tief in den Boden gerammt. Das Ganze geschieht in einem vorgegebenen Raster und unter Zugabe von Erdmassen. So entsteht ein unterirdischer Damm von der Erdoberfläche durch die einst geschütteten Erdmassen bis hinunter zum gewachsenen Boden. Etwa ein Jahr wird er noch brauchen, bis er die Lücke zum schon gerüttelten Damm unterhalb der Knappenhüttensiedlung geschlossen hat. Der zuständige LMBV-Projektmanager Hartmut Rebol kennt den jeweiligen Arbeitsstand natürlich.

Probleme bei Niedrigwasser


Am Westufer arbeitet sich in Höhe der Insel ebenfalls ein RDV-Gerät vor. Es agiert von einem Ponton aus von der Seeseite nach Norden in Richtung Auslaufbauwerk und soll dort nach LMBV-Planung zum Jahresende, spätestens aber Ende Januar ankommen. Der anschließende Damm, so weiß man bei der LMBV, wird dann von der Landestalsperrenverwaltung, die ja für die Betreibung des Knappensees als Wasserspeicher zuständig ist, in Eigenregie mit einer leichten Oberflächenverdichtung behandelt.

Das dritte RDV-Gerät arbeitet sich am Südufer westwärts in die Neubuchwalder Bucht vor. Im Frühjahr war es zunächst bei der Sicherung der geschütteten Materialien im Bereich der Bundesstraße zum Einsatz gekommen. Dann hatte man es umgesetzt, sodass es nun weiterarbeiten kann. Für den Auftraggeber, das Sächsische Oberbergamt, steht der Termin Ende 2021, weiß LMBV-Sprecher Uwe Steinhuber. Ab 2022 soll die Wasserfläche des Sees wieder nutzbar sein.

Nichtsdestotrotz wird es noch weiter Arbeiten im Bereich des Sees geben, nur eben nicht unter Vollsperrung. Absehbar ist das für den Zulauf im Bereich des Koblenzer Grabens oder für die zu tätigenden Aufforstungsarbeiten. Für die Bergbausanierer ist damit aus heutiger Sicht in etwa Halbzeit. Niemand weiß, was passiert, wie lange oder wie streng Winter ausfallen. Ganz profan hat ein Vergabestreit bei der Auftragsvergabe für sieben Monate Verzug gesorgt. Nein, man ist derzeit nicht im Zeitplan. Hartmut Rebol schätzt, dass es eine Kampfaufgabe ist, die anstehenden Aufgaben in den verbleibenden drei Kalenderjahren zu schaffen.

Ein Mediationsverfahren zwischen Oberbergamt und mehreren Grundeigentümern läuft beispielsweise im Bereich der Neubuchwalder Bucht. Von der Bundesstraße aus deutlich zu sehen sind die Gebäude und der kleine Waldabschnitt, um die es geht. Dann hat auch der Knappensee mit Niedrigwasser zu kämpfen. Vor einigen Tagen fanden Lotungen statt. Der Wasserstand war vor einigen Wochen auf 124,65 Meter NHN gesunken. Dabei war eigentlich als niedrigster Wasserstand 125 NHN den Firmen zugesichert worden.

Hartmut Rebol zeigt auf eine Karte des Sees, die alle oberflächennahen Untiefen zeigt: Über einige muss das Schubschiff mit den Schuten fahren, um Erdmassen, die im Bereich Koblenz von der Seeseite aus per Bagger gewonnen werden, zur Einsatzstelle bringen zu können, wo sie ausgebaggert und auf der großen Materiallagerfläche abgeladen werden.

Eine Zeit lang fuhr man mit halb vollen Schuten, um nicht aufzusetzen. Ende August mussten die Fahrten eingestellt werden, zumal sich bei extremem Niedrigwasser die Wasserfahrzeuge auch an der Einsatzstelle verhaken können. Das Problem will man wie in Hochseehäfen mit entsprechenden Fendern lösen. Und vor Koblenz muss man zur Not eben eine Fahrtrinne ausheben, um wenigstens im Ringverkehr fahren zu können. Dort kann man die Arbeiten nicht einfach ruhen lassen, weil man einen gewissen Vorlauf haben muss, um das RDV-Gerät vom Westufer ans Ostufer umsetzen zu können. Und wenn es dort fertig ist, kommt es mit in der Neubuchwalder Bucht zum Einsatz.

Und dann laufen ja auch schon längst die Planungen für den Bereich S-Süd, der sich eigentlich am Ostufer befindet und für Ortskundige am ehesten mit dem Bereich der ehemaligen Steilküste beschrieben werden kann. Hier muss noch die Baufeldfreimachung erfolgen, Holzungen inbegriffen. Dann sind hier Massen abzutragen, ehe verdichtet werden kann. Schließlich ist auch diese Lücke bis 2021 fertig zu bearbeiten. Und ja – spätestens seit der Rutschung im Senftenberger See rücken auch die Inseln wieder ins Visier des Oberbergamtes. Ihre Situation soll erneut bewertet werden. Bislang ging man davon aus, dass die gekippten Erdmassen einfach dauerhaft unsaniert und gesperrt bleiben.

Planung für die Zeit danach


Parallel dazu arbeitet vor allem die Gemeinde Lohsa an der Planung der Nachnutzung und der Neugestaltung der Ufer. Hier registriert man seitens der LMBV große Unterschiede bei der Herangehensweise der Kommunen. Wittichenau ist hier offenbar nicht so aktiv wie Lohsa. Wobei ja die Erfahrung der letzten Jahre gezeigt hat, dass so manches noch durch die Bergbausanierer gestaltet werden kann, wenn die jeweilige Kommune weiß, was sie will. Wenn die Sanierer weg sind, ist es dafür zu spät. Und gerade im Bereich der Bauleitplanung vergehen auch schnell die Monate, ehe man etwas Belastbares in den Händen hält.

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