• Einstellungen
Donnerstag, 11.10.2018

Kaiser-Wilhelm-Feste ist wieder dicht

An der historischen Aussicht war das Dach eingebrochen. Das Baumaterial musste per Hand herangeschafft werden.

Von Gunnar Klehm

Bild 1 von 2

Arbeitsplatz mit Aussicht: Dachdeckermeister Marco Löbel dichtet im Auftrag des Sachsenforstes das Dach auf der Kaiser-Wilhelm-Feste im Bielatal ab.
Arbeitsplatz mit Aussicht: Dachdeckermeister Marco Löbel dichtet im Auftrag des Sachsenforstes das Dach auf der Kaiser-Wilhelm-Feste im Bielatal ab.

© Daniel Schäfer

Das Dach der Kaiser-Wilhelm-Feste braucht Zuwendung vom Fachmann.
Das Dach der Kaiser-Wilhelm-Feste braucht Zuwendung vom Fachmann.

© Daniel Schäfer

Rosenthal-Bielatal. Dieser Job war hart und schön zugleich. „Bei dem Postkartenwetter vorige Woche hätte man den Tag Arbeit eigentlich als Urlaub schreiben müssen“, scherzt Dachdeckermeister Marco Löbel. Die Aussicht von der Kaiser-Wilhelm-Feste ins Bielatal ist wunderschön. Von hier kann man auf die Herkulessäulen oder auf der anderen Talseite auf den Sachsenstein blicken. Tausende Ausflügler zieht es hier jährlich hin. Doch das Dach des außergewöhnlichen Aussichtspunktes war heruntergebrochen. Der Staatsbetrieb Sachsenforst hat es neu aufbauen lassen. Zum Schluss kam noch eine neue Dachhaut drauf. Nun ist das Bauwerk wieder dicht. Bei der Konstruktion konnten sich die Arbeiter nur auf ihre Erfahrung verlassen. „Als das gebaut wurde, war nichts berechnet worden. Jedenfalls ist nichts überliefert“, sagt Löbel.

Die schöne Aussicht beim Arbeiten hatte aber auch einen gehörigen Nachteil. Das Baumaterial konnte nicht mit Fahrzeugen bis an die Felskante gefahren werden. Das Unternehmen hat zwar extra sein Allradfahrzeug eingesetzt, um halbwegs nahe ran zu kommen. „Das letzte Stück Weg mussten die Balken und Schweißbahnen aber mit der Schubkarre und in Handarbeit herangeschafft werden“, sagt Löbel. Das dürfte beim Bau im Jahr 1880 nicht anders gewesen sein. Diese künstliche Bastion wurde vom Rosenthaler Baumeister J.G. Kaiser errichtet. Um die Entstehungsgeschichte rankt sich eine Legende. Demnach soll der Bau auf eine Wette in bierseliger Stimmung zurückgehen.

„Das wurde mündlich überliefert und dürfte wohl immer wieder neu angereichert worden sein“, sagt Ortschronist Hans Georg Hering. An der Stelle soll zuvor bereits ein Holzhaus gestanden haben, das dann 1880 von dem steinernen ersetzt wurde. Eine militärische Funktion hatte das Häuschen aber nie. In jener Zeit herrschte Kaiser Wilhelm der Erste. Als Preußen-König feierte er militärische Siege und ließ zahlreiche Festungsanlagen bauen. Davon dürfte auch der Rosenthaler Baumeister inspiriert gewesen sein. Die Architektur mit den Zinnen oben drauf wirkt wie eine Burganlage.

„Das Problem ist jedoch, dass der Sandstein immer etwas feucht ist und so das Holz der Dachkonstruktion angegriffen wird“, sagt Dachdeckermeister Löbel. Die letzte Sanierung und Rekonstruktion des Aussichtspunktes erfolgte 1992 durch den Verein Oberes Bielatal und die Firma Alpin- Service Löwinger. Nun hofft man beim Sachsenforst, dass die jetzige Konstruktion etwas länger hält.