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Freitag, 09.11.2018

Kästners Spätwerk

Wie der berühmte Dichter zu einem Hockeyturnier in seiner Heimatstadt kam.

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Wild fliegende Zöpfe im Gymnasium Cotta: An den teilweise artistischen Vorstellungen der rotgekleideten Hockey-Mädels vom Gastgeber ESV Dresden hätte wohl auch der bekennende Sportfan Erich Kästner seine Freude gehabt.
Wild fliegende Zöpfe im Gymnasium Cotta: An den teilweise artistischen Vorstellungen der rotgekleideten Hockey-Mädels vom Gastgeber ESV Dresden hätte wohl auch der bekennende Sportfan Erich Kästner seine Freude gehabt.

© Robert Michael

Erich Kästner wurde 1899 in Dresden geboren. Er schrieb solche beliebten Kindergeschichten wie „Emil und die Detektive“.
Erich Kästner wurde 1899 in Dresden geboren. Er schrieb solche beliebten Kindergeschichten wie „Emil und die Detektive“.

© dpa

Über diese Passion ist wenig bekannt. Der berühmte Dresdner Schriftsteller Erich Kästner war tatsächlich ein Sportbegeisterter – aktiv als Turner und beim Tennis, passiv als Zuschauer beim Boxen oder Eishockey. Die ehemalige Verlagslektorin Sylvia List hat diese Leidenschaft des Dichters in dem 2016 erschienenen Sammelband „Man schwitzt und fragt: Wann hört das auf?“ zusammengetragen. Der Titel ist ein Originalzitat Kästners.

Es ist also nicht so weit hergeholt, wenn sich ein Dresdner Verein um ein Ereignis bemüht, das den Namen eines der berühmtesten Söhne der Stadt tragen soll. Dem ESV ist das vor drei Jahren gelungen. Mit einer Anfrage beim in München ansässigen Rechtsanwalt Peter Beisler, dem Nachlassverwalter von Kästners Lebenswerk.

„Wir haben einfach gefragt, ob wir ein Nachwuchsturnier so nennen dürfen“, erinnert sich ESV-Urgestein Karl Schreiber. Der 82-jährige Rentner ist ein lebendes Hockey-Lexikon. Die Zusage von Beisler kam völlig unkompliziert mit einer Auflage. Der Turniername solle – so hätte es Kästner gewollt – ohne den lästigen Bindestrich zwischen dem Vor- und Nachnamen eingeführt werden.

Für den ESV kein Problem, der sich mangels Wettbewerbs-Alternativen für diesen Altersbereich vor Anmeldungen für das 3. Erich Kästner-Turnier kaum retten konnte. 24 Teams bewarben sich in der B- und C-Jugend bei Mädchen und Jungen um den Sieg. Die Friedrichstädter gewannen bei den Jungen B das Finale. In einem weiteren Endspiel unterlagen die B-Mädchen vom ESV dem Berliner SC mit 1:2. Drei Gewinner kamen aus Berlin. Kästner hätte sich sicher auch darüber gefreut. Nach seiner Jugendzeit in Dresden von 1899 bis 1919 verbrachte er zwölf Jahre in Berlin. (ald mit ks)

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