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Freitag, 13.07.2018

Junge Kiefern für den Klimaschutz

Die Gemeinde Boxberg ließ jetzt ihren Wald bewerten. Dem angestrebten ökologischen Umbau sind Grenzen gesetzt.

Von Constanze Knappe

Kiefernsetzling im Boxberger Kommunalwald.
Kiefernsetzling im Boxberger Kommunalwald.

© LMBV

Boxberg. Die Gemeinde Boxberg verfügt über eine Waldfläche von 191,5 Hektar. Diese erfüllt zu 38 Prozent Klimaschutzfunktionen, dient zu 20 Prozent dem Naturschutz und zu 12 Prozent dem Landschaftsschutz. Auch spielt mit 18 Prozent die Erholungsfunktion des Waldes in der Großgemeinde mit den 18 Ortsteilen eine große Rolle. Das geht aus dem Betriebsgutachten für den Kommunalwald der Gemeinde Boxberg hervor. Während in anderen Städten und Gemeinden die jeweiligen Betriebspläne zur Bewirtschaftung der Wälder für das Folgejahr anstehen, hatte sich der Gemeinderat Boxberg in seiner jüngsten Sitzung mit der sogenannten Forsteinrichtung zu befassen. Also mit dem Betriebsgutachten, welches darüber Auskunft gibt, was auf den Flächen steht und wie oft, wie alt und wie gesund der Bestand ist. Daraus abgeleitet wurden Maßnahmen zur Entwicklung der Forstbestände bis 2025, etwa was Nachhaltigkeit in der Holznutzung, Waldpflege und Aufforstung angeht.

Was es dabei in den Wäldern um Boxberg zu beachten gilt, das erklärte jetzt Matthias Kruner. Der Leiter des Forstreviers Weißwasser/Weißkeißel ist auch für die Gemarkungen Boxberg, Kringelsdorf, Reichwalde und Nochten zuständig. Nach seiner Aussage stammen die für das Gutachten erhobenen Daten von 2016. Sie mussten nach Abschluss des Flurneuordnungsverfahrens im Sanierungsgebiet des früheren Tagebaus Bärwalde überarbeitet werden. Deshalb liegt der periodische Betriebsplan bis 2025 erst jetzt vor. Er wurde vom Gemeinderat einstimmig beschlossen. TAGEBLATT fasst zusammen:

Baumarten: Große Nadelholzbestände anfällig gegen Stürme und Insekten

Im Kommunalwald der Gemeinde Boxberg wachsen zu 66 Prozent Kiefern, zu zehn Prozent Birken und zu acht Prozent Eichen. Zum geringen Teil gibt es Lärchen, Fichten und sonstiges nicht näher bezeichnetes Hart- und Weichlaubholz. Generell sind im Freistaat drei Viertel der Waldflächen mit Kiefern und Fichten bewachsen. Weil reine Nadelholzbestände sehr anfällig gegen Stürme, Schneebruch und Insekten sind, betreibt der Freistaat seit 1992 einen langfristig angelegten und ökologisch orientierten Waldumbau. Dieser hat stabile Mischwälder zum Ziel. Deshalb soll der Anteil der Laubgehölze deutlich erhöht werden. Im Kommunalwald der Gemeinde Boxberg wird sich die Baumartenstruktur „in den nächsten Jahren nicht groß ändern“, davon ist Revierförster Matthias Kruner überzeugt. „Der klassische Waldumbau ist nicht so einfach möglich. Das gibt der Boden nicht her“, begründete er im Gemeinderat.

Alter der Bäume: Überwiegend junge Bestände erfordern Geduld

Mit 55 Hektar ist der Anteil der Bäume zwischen 21 und 40 Jahre am größten. Auf 44 Hektar sind sie sogar jünger, auf weiteren 34 Prozent zwar älter, aber immer noch unter 60 Jahre alt. Aus Sicht der Forstfachleute handelt es sich daher um junge Bestände. „Mit Jungholz ist wenig Geld zu verdienen“, zeigte der Revierförster die betriebswirtschaftliche Seite auf. Allerdings, so gab er auch zu bedenken, müsse man Geduld haben. „Mit dem Wald muss man an Generationen denken“, sagte er.

Bis 2025 ist auf drei Hektar des Bestands eine sogenannte Naturverjüngung vorgesehen. Das heißt, herumfliegende Saat und Samen umstehender Bäume wachsen von alleine an. Auf weiteren 3,1 Hektar soll mit Pflanzungen unter dem Schirm von Altbäumen nachgeholfen werden. Überdies sieht der Betriebsplan für die nächsten zehn Jahre Neuanpflanzungen auf 1,4 Hektar Flächen vor, die bisher kahl sind.

Holznutzung: Mehr Zuwachs als Entnahme bringt Nachhaltigkeit

Das Betriebsgutachten weist für den Kommunalwald in Boxberg aktuell einen Holzbestand von insgesamt 30 000 Kubikmetern aus. Davon sollen bis 2025 auf 15,8 Hektar Fläche 7 500 Kubikmeter geerntet werden. Im gleichen Zeitraum sei mit 16 500 Kubikmetern ein mehr als doppelt so großer Zuwachs zu verzeichnen, so dass der Bestand auf 39 000 Kubikmeter wächst. Matthias Kruner wertete dies als Zeichen einer nachhaltigen Holznutzung.

Waldgesetz: Bestandsaufnahme und Bewertung ab 2019 vorgeschrieben

Zur Pflege ihres Waldes hat Boxberg einen Betreuungsvertrag mit dem Staatsbetrieb Sachsenforst. Laut sächsischem Waldgesetz sind in der Regel zehnjährige Betriebspläne für die Entwicklung der Forstbestände und Jahrespläne für die Forstbewirtschaftung aufzustellen. Mit der Änderung des Waldgesetzes sollen ab 1. Januar 2019 alle Kommunen mit einem Waldbestand über 50 Hektar zur Aufstellung solcher Betriebspläne verpflichtet werden. Wie bisher verlautete, soll die Forsteinrichtung – also die Bestandsaufnahme und Zustandsbewertung des Waldes mit abgeleiteten Empfehlungen zu Pflege und Bewirtschaftung – 50 Euro je Hektar kosten. Der nächste Betriebsplan ab 2026 würde Boxberg demnach 9 500 Euro kosten..