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Samstag, 10.11.2018

Jetzt wird gesächselt

Die Dresdnerin Cornelia Gröschel spielt in ihrer Heimatstadt die neue „Tatort“-Kommissarin und singt bei den Jazztagen.

Cornelia Gröschel ist künftig als Leonie Winkler im Dresdner „Tatort“ im Einsatz. Die gebürtige Dresdnerin will auch als Ermittlerin sächseln.
Cornelia Gröschel ist künftig als Leonie Winkler im Dresdner „Tatort“ im Einsatz. Die gebürtige Dresdnerin will auch als Ermittlerin sächseln.

© Robert Michael

Ein freier Termin in Cornelia Gröschels Kalender lässt sich schwieriger finden als ein Mörder auf der Flucht. Mehrfach versuchte die Sächsische Zeitung, persönlich mit der Schauspielerin zu sprechen. Abgesehen von einem Vermarktungs-Vormittag des MDR blieb die Frau in der Rolle der „Tatort“-Kommissarin Leonie Winkler ein Phantom. Ab Folge sieben ermittelt die Dresdnerin im „Tatort“ ihrer Heimatstadt. Wegen der Dreharbeiten gebe es keine freie Minute, entschuldigte sie sich. Schriftlich hat die 30-Jährige ein paar Fragen beantwortet. Vor ihrem „Tatort“-Debüt ist Cornelia Gröschel am Sonnabend um 20.15 Uhr als Sängerin zu erleben, im Konzert „Tatort Dresden“ mit Klaus Doldinger, Günther Fischer und Passport bei den Jazztagen Dresden.

Frau Gröschel, haben Sie von der Rolle als Kommissarin schon geträumt, als Sie davon hörten, dass es eine Neuauflage des Dresden-„Tatorts“ geben wird?

Ich muss gestehen, dass ich nie davon „geträumt“ habe, „Tatort“-Kommissarin zu werden. Es kam glücklicherweise einfach zu mir. Dass der „Tatort“ zudem in meiner Heimatstadt gedreht wird, hätte ich mir niemals zu wünschen gewagt. Beruf und Familie vereinen zu können, ist als freischaffende Schauspielerin eine logistische Herausforderung.

Wie haben Ihnen die bisherigen sechs Folgen des Dresden-„Tatorts“ gefallen?

Mein Favorit ist definitiv Dustin Looses „Dejavú“, der fünfte „Tatort“. Ich habe bis zu diesem Zeitpunkt noch keinen anderen „Tatort“ gesehen, bei dem mir tatsächlich die Tränen kamen. Bei den ersten Folgen probierte das Team eine neue Richtung aus, was ich mutig und interessant finde. Ich mochte den Ansatz von Humor und großer Tragik, aber er ging noch nicht zu hundert Prozent auf. Die Gesamtentwicklung finde ich aber durchaus spannend und sehr sehenswert.

Was hätten Sie anders gemacht? Und was werden Sie anders machen?

Na, auf jeden Fall wird jetzt eine der beiden Kommissarinnen mehr sächseln.

Nun sind Sie die neue Ermittlerin im „Tatort“-Duo. Wie kam es dazu?

Ich wurde von der Produktionsfirma gefragt und habe Ja gesagt. Ziemlich unspektakulär, oder? Lange durfte ich nicht darüber sprechen. Nun freue ich mich sehr, wenn endlich die erste Folge ausgestrahlt wird, damit ich nicht mehr nur theoretisch eine Tatortkommissarin bin.

Bei Ihrer Vorstellung durch den MDR haben Sie Ihre Dresdner Herkunft betont. Inwiefern hilft Ihnen diese Herkunft dabei, Ihre Rolle zu realisieren?

Erstmals ist eine Zugehörigkeit, wie in diesem Fall zu Dresden, nicht gespielt, sondern echt. Das ist ein gutes Gefühl und stärkt mich in meinem Wunsch nach Glaubwürdigkeit als Schauspielerin. Und abends nach dem Dreh noch die Familie sehen zu können, nimmt dem Ganzen manchmal die Schwere. Während der Dreharbeiten verschwinde ich oft in einem Tunnel und alles dreht sich nur noch um meine Arbeit. Da hilft ein Abend mit meiner Schwester und ihren kleinen Kindern schon, mich wieder in die Realität zurückzuholen. Erfolg in einem solchen Beruf verleitet zum Abheben. Familie und Freunde halten einen gut am Boden fest.

Welche Charakterzüge zeichnen Ermittlerin Leonie Winkler aus?

Leo sucht noch ein wenig ihren Platz. Sie ist die Neue und ihr fehlt die Routine. Sie bringt viel Motivation, Strukturiertheit und den Blick fürs große Ganze mit, übersieht dabei aber auch mal ein entscheidendes Detail. Sie versucht, es ihrem Vater und auch ihrem Vorgesetzten recht zu machen, muss aber feststellen, dass es manchmal nicht das Richtige ist, Regeln zu befolgen.

Sind das Charakterzüge, die auch Cornelia Gröschel beschreiben?

Die Strukturiertheit auf jeden Fall. In diesem teils so chaotischen Schauspielerberuf, der ein sehr großes Maß an Flexibilität, Spontanität und Koordinationsfähigkeit verlangt, haben sich meine Neigungen zu Ordnung und Kontrolle über die Jahre sehr verstärkt. Das ist meine große Stärke und gleichzeitig meine größte Schwäche.

Am Wochenende werden Sie Dresden mit einer ganz anderen Performance einen Vorgeschmack auf Ihre Person bieten. Hat Ihr Auftritt bei den Jazztagen etwas mit Ihrem Debüt als Ermittlerin zu tun?

Mein Auftritt bei den Jazztagen ist über einen familiären Kontakt entstanden. Natürlich im Hinblick darauf, dass Klaus Doldinger Komponist der „Tatort“-Titelmusik und ich die neue Dresdner Kommissarin bin. Dass der Auftritt allerdings diese Dimensionen annimmt und ich am Samstag mit Klaus Doldinger und Günther Fischer gemeinsam vor einem so großen Publikum stehen werde, ist für mich eine riesige Ehre und ich freue mich sehr darauf. Auch wenn ich wahnsinnig aufgeregt sein werde.

Warum singen so viele Schauspielerinnen und Schauspieler?

Wir Schauspieler möchten Menschen berühren durch das, was wir von uns zeigen. Das Singen ist eine andere Art, Gefühle auszudrücken. Anders als das reine Schauspiel, auf das sich der Zuschauer viel intensiver einlassen muss. In der Verbindung mit Musik finden die Emotionen den Weg direkter und schneller in das Herz des Zuhörers. Und ich denke, dass viele Schauspieler diesen direkten Weg, ihre Emotionen zu zeigen, so mögen wie ich und deswegen gerne auch singend auf der Bühne stehen. Für mich ist es das erste Mal seit dem Schauspielstudium.

Interview: Franziska Klemenz

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