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Freitag, 13.07.2018

Jeder Tropfen ist willkommen

Von Aline Hänsel

Für die Bewässerung ihrer vielen Pflanzen hält die Hoyerswerdaer Baumschule Kmetsch Wasser in einem eigens dafür angelegten Teich vor. Foto: Mirko Kolodziej
Für die Bewässerung ihrer vielen Pflanzen hält die Hoyerswerdaer Baumschule Kmetsch Wasser in einem eigens dafür angelegten Teich vor. Foto: Mirko Kolodziej

Pflanzen, das wird Gärtnern in trockenen Wochen wie den vergangenen immer wieder schmerzlich bewusst, brauchen Wasser. Viel Wasser. Das Element ist als Reduktionsmittel für die Photosynthese wichtig. Regen wie in den letzten Stunden ist da natürlich willkommen. Doch wer dauerhaft viele Pflanzen zu bewässern hat, wie etwa die Hoyerswerdaer Baumschule Kmetsch, muss sich etwas einfallen lassen, um immer ausreichend Nass zur Verfügung zu haben. Baumschul-Inhaber Jörg Hassemeier kommt, wenn man ihn danach fragt, auf das Prinzip des Wasserkreislaufs zu sprechen. Denn man kann die Natur nachahmen. Vom Himmel fallender Regen trifft in der Baumschule nicht nur auf Beete, sondern auch auf ein System aus einer wasserdurchlässigen Abdeckschicht, einer Fließschicht, die Wasser speichert, und auf wasserdichte Kunststoff-Folien.

Durch die Kapillarwirkung der Pflanze wird das Wasser vom Boden aus angezogen. Alles, was aber überschüssig ist, läuft in einen Drainagegraben. Dieser wiederum mündet in einen Teich. Er kann etwa 4 500 Kubikmeter Wasser fassen und ist gute fünf Meter tief. Nicht nur von den Beeten fließt ihm Wasser zu. Auch alles, was von den Dachflächen der Gebäude auf dem Baumschulgelände kommt, wird im Teich gespeichert. Regenwasser wird von Dachrinnen aufgefangen, grob gefiltert und fließt danach dem Teich zu. Für die Verwendung des Teichwassers zur Bewässerung gibt es ein Brauchwasser-Rohrsystem.

Mit dem kostbaren Nass geht man in der Baumschule sehr sorgsam um. Dadurch, dass die Beete über ein leichtes Gefälle verfügen, läuft das Wasser das Beet entlang und verteilt sich über sogenannte Bewässerungsmatten, deren Randstreifen ins Wasser getaucht sind. Die Matten sind so hergestellt, dass sie das Wasser eine Weile speichern können. Am wichtigsten ist, dass das Gefälle stimmt. Eine weitere Möglichkeit besteht in der sogenannten Tropfbewässerung. Dabei verläuft oberhalb der Pflanzen ein Schlauch mit kleinen Schlitzen, aus denen Wasser tropft.

Die Baumschule nutzt das Regenwasser gern, denn es bekommt den Pflanzen besser als Leitungswasser. Für Zeiten von Hitze und Trockenheit gibt es auch die Erlaubnis, geringe Mengen aus der benachbarten Schwarzen Elster zu pumpen. Allerdings geschieht das vorsorglich, also nicht etwa, wenn der Fluss wenig Wasser führt, sondern bei vergleichsweise hohem Pegelstand. Und es gibt auf dem Baumschul-Gelände auch noch einen Brunnen. Jedoch ist das Grundwasser daraus sehr eisenhaltig. Und ein roter Rost-Film auf den Pflanzen-Blättern behindert deren Photosynthese. In der Regel reicht das im Teich gespeicherte Wasser aus, um die Pflanzen zu versorgen, und zwar je nach individuellem Bedarf. Nadelgehölze zum Beispiel brauchen weniger Wasser. Sie bekommen einmal am Tag welches, Laubgehölze zweimal täglich.