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Freitag, 13.07.2018

Je steiler, umso besser

Von Thomas Riemer

Achmed Goltzsche fühlt sich in den Bergen am wohlsten. Steile Anstiege und rasante Abfahrten faszinieren ihn. Ende August geht es für den Sportler vom SC Riesa zur WM nach Italien. Foto: Archiv/privat
Achmed Goltzsche fühlt sich in den Bergen am wohlsten. Steile Anstiege und rasante Abfahrten faszinieren ihn. Ende August geht es für den Sportler vom SC Riesa zur WM nach Italien. Foto: Archiv/privat

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Kaum ein anderer Radmarathon in Europa kann auf eine so lange Geschichte wie die Dolomitenradrundfahrt verweisen, und kaum ein anderes Radrennen versprüht mehr Flair aber auch keines ist schwerer. Der Mix aus Amateuren und Ex-Profis, Volksfest und sportlicher Herausforderung, einzigartigen Naturlandschaften und romantischer Lienzer Altstadt zog im Juni über 1 000 Radsportler aus 22 Ländern in ihren Bann. Beim „SuperGiroDolomiti“ duellierten sich über fünf Pässe durch Osttirol, Kärnten und das Friaul die besten Bergspezialisten über die 232 Kilometer lange Distanz mit den Pässen Gailbergsattel, Plöckenpass, Lanzenpass, Nassfeldpass und Kartitscher Sattel.

Achmed Goltzsche vom SC Riesa hatte die mit 5 234 Höhenmetern gespickte schwere Strecke schon zwei Mal in seiner Altersklasse gewonnen. Auch diesmal war er von Anfang an im Spitzenfeld dabei. Schon zeitig fiel die Entscheidung. Am Lanzenpass mit seinen teilweise 15 bis 20 Prozent Steigung setzte er sich von den Konkurrenten seiner Altersklasse ab. Größte Schwierigkeit auf der Strecke waren diesmal die Abfahrten, auf denen bis zu 100 km/h erreicht wurden. Durch Regen und Schlamm der letzten Tage waren gute Steuerkünste gefragt. Da auch die jüngeren Fahrer seiner Gruppe das Tempo 70 Kilometer vor dem Ziel nicht mehr mitgehen konnten, startete Goltzsche eine Solofahrt ins Ziel. Ein 40 Kilometer langer Pass und 30 Kilometer Abfahrt waren da noch zu bewältigen.

Im Ziel hatte Goltzsche bei einer Fahrzeit von 8 Stunden und 13 Minuten einen unglaublichen Vorsprung von fast einer halben Stunde auf den Zweitplatzierten seiner Altersklasse und verbesserte seine Bestzeit aus dem Vorjahr um 15 Minuten. In der Gesamtwertung der Männer reichte das immerhin zum 19. Platz. Sieger bei den Männern wurde der 3-fache MTB-Weltmeister Alban Lakata.

Jetzt konzentriert sich der ..-Jährige prinzipiell auf die Weltmeisterschaften, die ende August in Italien stattfinden. Rund 800 Kilometer „paukt“ er dafür derzeit pro Woche auf dem Rad, sechs Tage pro Woche und rund 20 Stunden investiert er fürs Training. Natürlich gehören auch noch ein paar „Aufbauwettkämpfe“ zum Pensum. Bei der Deutschen Meisterschaft der Senioren in Görlitz, gleichzeitig waren das auch die Landes-Verbands-Meisterschaftmeisterschaft-Masters-Sachsen im Straßenradsport, wurde er immerhin Dritter im Landesverband Sachsen. „Dabei hatte ich mir da keine großen Chancen ausgerechnet“, so Goltzsche. Die Durchschnittsgeschwindigkeit lag immerhin bei 40 km/h, und das bei einer Streckenlänge von 86 Kilometern bei 1000 Höhenmetern. In der Wertung zur deutschen Meisterschaft konnte er gegen die besten Sprinter Deutschlands nicht ganz mithalten, kam aber immerhin zeitgleich mit dem Sieger ins Ziel. „Der flache Sprint ist nunmal nicht meine Disziplin, das ist eher was für Spezialisten. Mein Motto lautet ja: Je steiler desto geiler“, sagt er schmunzelnd.

Am 11. August wird Achmed Goltzsche Teplice noch ein Vorbereitungsrennen bestreiten. „Der Kurs da ist vom Profil mit 120 Kilometern und 2000 Höhenmetern ähnlich wie der bei der WM in Italien“, blickt er voraus.

Was letztlich die Erfolgsaussichten bei der WM angeht, mag Goltzsche nicht orakeln. „Ich kann schwer einschätzen, wie das internationale Niveau ist, hoffe natürlich nach dem Sieg bei der Qualifikation in Luxemburg, dass ich vorn mithalten kann und in den Kampf um den WM-Titel eingreifen kann. Nach der WM stehen noch die Eddy-Merckx-Classics Mitte September in Österreich sowie die Sächsischen Landesmeisterschaften im Bergfahren auf dem Programm.

Erst dann ist Zeit für Urlaub. Eine geplante Radtour mit seiner Lebenspartnerin an die Ostsee fällt allerdings flach. Wegen einer Knieoperation muss sie passen. Aber wer Achmed Goltzsche kennt, der weiß, dass er auch im Urlaub die Beine nur selten hochlegen wird.