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Freitag, 13.07.2018

Jagd nach den goldenen Visa

Immer mehr Bürger aus Nicht-EU-Staaten kaufen Immobilien in Griechenland. Es geht ihnen dabei vor allem um eins.

Von Ferry Batzoglou, Athen

Auf der griechischen Urlaubsinsel Santorin müssen Immobilienkäufer tief in die Tasche greifen. Aber auf dem Festland kann man günstig Wohnungen oder Häuser erwerben. Landesweit stehen 200000 Immobilien zum Verkauf. Immer öfter greifen Nicht-EU-Bürger zu.
Auf der griechischen Urlaubsinsel Santorin müssen Immobilienkäufer tief in die Tasche greifen. Aber auf dem Festland kann man günstig Wohnungen oder Häuser erwerben. Landesweit stehen 200 000 Immobilien zum Verkauf. Immer öfter greifen Nicht-EU-Bürger zu.

© AWL Images/Getty Images

Mehmet P. hat es geschafft. Der 48-Jährige besitzt ein „goldenes Visum“. Dafür hat der dynamische Türke, Autoverkäufer mit Wohnort Istanbul, eine hübsche Wohnung im Athener Stadtteil Koukaki gekauft. Sie ist 100 Quadratmeter groß, gut in Schuss, hat einen Balkon und bietet einen herrlichen Blick auf die Akropolis. Der Preis: 290 000 Euro.“Das finde ich durchaus günstig - und nur einen Katzensprung von Istanbul entfernt“, freut sich der Türke.

Gutes Klima hin, perfekte Anbindung her: Mehmet P. geht es jedoch vor allem um eines: das goldene Visum. Damit kann er sich nicht nur in Griechenland unbefristet aufhalten, sondern sich auch innerhalb der ganzen EU frei bewegen.

Das geht so: Wer als Bürger eines Nicht-EU-Staates mindestens 250 000 Euro in eine Immobilie in Griechenland investiert und zudem nicht vorbestraft ist, kann das Visum bei den hellenischen Behörden beantragen. Das begehrte Papier ist in wenigen Wochen zugesandt. Das Visum ist für fünf Jahre gültig und wird automatisch verlängert, sofern der Ausländer seine Immobilie nicht verkauft. Auch Ehepartner und Kinder bis zum 21. Lebensjahr erhalten das Visum. Noch ein Vorteil: Laut griechischem Gesetz braucht der Käufer die Wohnung nicht selbst zu nutzen. So vermieten viele Ausländer ihre Immobilien über Internetportale wie Airbnb tageweise an Touristen oder Geschäftsreisende. Eine gute Rendite ist da möglich. Denn griechische Destinationen wie Athen sind bei Touristen beliebter denn je. In Athen ist die Nachfrage nach Kurzaufenthalten ganzjährig hoch.

Doch nicht nur das spricht für ein Investment am Peloponnes. Zwar vergeben auch andere EU-Staaten wie Malta, Portugal, Ungarn, Bulgarien oder Zypern Aufenthaltsgenehmigungen an kapitalkräftige Immobilienkäufer. Doch nirgendwo kann man derzeit so günstige Immobilien wie in Hellas erwerben. Denn die desaströse Griechenlandkrise hat hierzulande die Immobilienpreise nach dem Allzeithoch im Jahr 2008 bis heute um durchschnittlich 45 Prozent einbrechen lassen.

Wer nicht in beliebten Urlaubsorten wie Mykonos, Santorin, Rhodos oder Korfu kauft, kann wahre Schnäppchen finden. Landesweit stehen mehr als 200 000 Immobilien zum Verkauf. In manchen Athener Stadtvierteln werden Wohnungen schon für 15 000 Euro angeboten.

So gibt es Investoren aus Nicht-EU-Staaten, die auf einmal Dutzende Wohnungen erwerben, sie umgehend renovieren, tageweise vermieten, später wieder verkaufen – und kurzerhand andere Immobilien kaufen. Ihr Motto lautet: „Billig kaufen, teurer verkaufen, wieder kaufen – und zwischendurch tageweise vermieten.“ Laut Marktinsidern seien die Chancen gut, dass die Immobilienpreise in Griechenland nach dem Sinkflug kräftig steigen. Sie könnten in fünf Jahren wieder das Vorkrisenniveau erreichen, wie sie betonen.

Fakt ist: Das griechische Visa-Programm lockt immer mehr Ausländer aus Nicht-EU-Staaten an. Das Programm wurde 2013 aufgelegt. Damals erhielten erst 21 Immobilienkäufer aus Nicht-EU-Staaten „das goldene Visum“. Im Jahr 2014 waren es schon 422. Es folgten weitere 507 (2015), 577 (2016) und 931 goldene Visa (2017).

Die Preise steigen

Wie die Auswertung der Kaufverträge und der Anträge auf die Aufenthaltsgenehmigung zeigt, geben die Investoren immer mehr Geld für den Immobilienerwerb in Griechenland aus: Waren es 2015 im Schnitt noch 464 000 Euro pro Visum, erhöhte sich die betreffende Investition auf durchschnittlich 625 000 Euro im Jahr 2016 und 664 000 Euro im Jahr 2017. Seit 2013 flossen so rund 1,5 Milliarden Euro in den griechischen Immobilienmarkt. Davon entfielen allein auf das Jahr 2017 gut 618 Millionen Euro. Demgegenüber waren es 365 Millionen Euro im Jahr 2016 und 235 Millionen Euro im Jahr 2015.

Dabei ist – aus guten Gründen – der Großraum Athen am beliebtesten. Von den 2 639 seit 2013 ausgestellten goldenen Visa wurden 1 863 im Großraum Athen beantragt. Dies entspricht drei Viertel aller goldenen Visa. Es folgen mit weitem Abstand die Halbinsel Chalkidiki (170), Chania (126), Thessaloniki (117), Korfu (55), die Kykladen (53), Korinth (43) und Aghios Nikolaos im Osten von Kreta (26).