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Donnerstag, 12.07.2018

Ist hier noch Platz für Firmen?

In Bannewitz kommt Gewerbe zu kurz, sagen Gemeinderäte. Statt mehr Wohnraum brauche es mehr Wirtschaftskraft.

Von Verena Schulenburg

Aktuell wird hier Landwirtschaft betrieben. Bannewitzer regen aber an, zu prüfen, ob beispielsweise die Fläche an der S 191 bei Goppeln auch für eine Gewerbeansiedlung infrage kommt. Die Verkehrsanbindung für eine größere Firma wäre gut. Lärmschutzwände zum Ortskern hin sind ebenfalls denkbar. Ob die Idee ankommt? Der Gemeinderat wird sich dazu verständigen müssen.
Aktuell wird hier Landwirtschaft betrieben. Bannewitzer regen aber an, zu prüfen, ob beispielsweise die Fläche an der S 191 bei Goppeln auch für eine Gewerbeansiedlung infrage kommt. Die Verkehrsanbindung für eine größere Firma wäre gut. Lärmschutzwände zum Ortskern hin sind ebenfalls denkbar. Ob die Idee ankommt? Der Gemeinderat wird sich dazu verständigen müssen.

© Foto: Oberthür

Bannewitz. Die Gemeinde Bannewitz wächst. Die Gemeinde im Süden von Dresden hat kürzlich die 11 000 Einwohner-Grenze geknackt. Eine Entwicklung, die mit allerhand neu gebauten Eigenheimen und Wohnungen einhergeht. Das größte Baugebiet nahe der B 170 im Bannewitzer Norden ist beispielhaft für die Nachfrage nach Wohnraum. Dieser Nachfrage will Bannewitz nachkommen.

Deshalb überarbeitet die Gemeinde derzeit ihren Flächennutzungsplan. Das Papier regelt, welche Grundstücke künftig wie genutzt werden könnten. Während knapp die Hälfte aller neuausgewiesenen Flächen für neuen Wohnraum zur Verfügung stehen sollen – das entspricht mehr als 72 000 Quadratmetern – sind gerade einmal gut 8 000 Quadratmeter für neue Gewerbeansiedlungen in Welschhufe vorgesehen. Ein weiteres Gewerbegebiet, das nahe der Autobahnmeisterei in Goppeln geplant war, ist vom Tisch. Anwohner hatten sich dagegen gewehrt.

Das gefällt jedoch nicht allen Gemeinderäten. „Wohnraum ist wichtig, aber wir weisen definitiv zu wenig Flächen für potenzielle Firmen in der Gemeinde aus“, sagt Gunar Griepentrog stellvertretend für alle Mitglieder der Freien Wählergemeinschaft Bannewitz (FWG). Die Freien Wähler hatten sich nicht nur zur jüngsten Kommunalwahl 2014 für mehr Gewerbe ausgesprochen, sondern unterstützten 2013 auch die Ansiedlung des Dresdner Verpackungsspezialisten Theegarten-Pactec. Dieser wollte eigentlich auf jenem Areal an der B 170 einen Neubau errichten, wo nun 67 Eigenheimbesitzer ein neues Zuhause finden. Die Firma machte dann aber doch einen Rückzug.

Die Freien Wähler sind der Ansicht, dass gerade im Hinblick auf die aktuelle Bevölkerungsentwicklung der Gemeinde mehr Gewerbe notwendig sei. Familien, die nach Bannewitz ziehen, bräuchten für ihre Kinder Platz in Kitas und Schulen. Bestehende Kapazitäten müssen erweitert werden, was schon jetzt der Fall ist. In einigen Kindergärten hat die Gemeinde bereits Betreuungsplätze aufgestockt. Am erwähnten neuen Wohngebiet in Bannewitz hat 2017 ein freier Träger eine neue Kita eröffnet. Derzeit investiert die Gemeinde selbst in den Schulstandort „Am Marienschacht“. Es ist ein Millionenprojekt, das die Kommune in den kommenden Jahren viel Geld kostet, genauso wie mögliche weitere Projekte, die anstehen. Doch woher das Geld dafür nehmen?

Die Einkommenssteuer allein, von der Bannewitz durch Zuzüge profitiert, reiche nicht aus, sagt Griepentrog. „Wir brauchen auch Einnahmen durch Gewerbesteuern“, sagt er. Zum Vergleich: Während Bannewitz laut Haushaltsplan 2018 derzeit jährlich etwa 4,5 Millionen Euro an der Einkommenssteuer einnimmt, spülen Firmen rund drei Millionen Euro in die Kasse.

Einen bedeutenden Anteil daran hat auch der Kompressorenbau Bannewitz. Allerdings setze die Gemeinde auf zu wenig solche finanzkräftigen Zugpferde und mache sich damit abhängig von wirtschaftlichen Schwankungen Einzelner, meint Lutz Grämer (FWG). Dabei sei Bannewitz mit der B 170, den Staatsstraßen S 36 und S 191 sowie den beiden Autobahnanschlüssen in Dresden-Südvorstadt und Dresden-Prohlis eine verkehrsgünstige Ausgangsposition für Unternehmen.

Besagte 8 000 Quadratmeter Grundstück in Welschhufe, auf denen sich mit Überarbeitung des Flächennutzungsplanes weitere Firmen ansiedeln könnten, seien keine Grundlage, um Bannewitz für größere Firmen attraktiv zu machen, so Grämer. „Wie sollen potenzielle Unternehmen auf uns aufmerksam werden, wenn wir keine Flächen vorhalten?“, fragt er. Grämer und anderen Kommunalpolitikern sei sogar bekannt, dass größere Firmen durchaus Interesse an Bannewitz hätten. Aber in der Gemeinde fehle es eben an Möglichkeiten.

Bürgermeister Christoph Fröse betonte bereits mehrfach, dass das Problem darin bestehe, dass die Gemeinde selbst keine geeigneten Flächen besitze. Mögliche Grundstücke befänden sich in anderem Eigentum. Genau hier aber müsse Bannewitz ansetzen, erklärt Lutz Grämer. Sinnvoll wäre es, erzählt der Bannewitzer Gemeinderat, vorab Flächen für Gewerbe vorzuhalten und nicht erst zu warten, bis Firmen im Rathaus anklopfen. Dann erst den umfänglichen Genehmigungsprozess in Gang zu bringen, könnte potenziellen Interessenten zu lange dauern. Bannewitz verspiele damit seine Attraktivität für Firmen. Ob diese vorsorglich ausgewiesenen Gewerbeflächen auf Zustimmung stoßen oder der betreffende Eigentümer damit einverstanden ist, werde sich zeigen. Grämer nutzte deshalb die Gelegenheit, Einwände gegen den Entwurf des aktuellen Flächennutzungsplanes vorzubringen. Einen Tag noch hat jeder dazu Zeit, Änderungsvorschläge einzubringen. Am 13. Juli endet die Frist.

Wo wäre denn Platz für Gewerbe? Insgesamt sechs mögliche Flächen haben sich die Mitglieder der Freien Wählergemeinschaft Bannewitz überlegt. Eine davon könnte an der neuen S 191 in Fahrtrichtung Goppeln liegen. Linkerhand befindet sich eine derzeit landwirtschaftlich genutzte Fläche, geschätzte 30 000 Quadratmeter groß, erklärt Gunar Griepentrog. Hier sollte Bannewitz Flächen für interessierte Firmen vorhalten.

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