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Freitag, 13.07.2018

Ist dieses Wetter noch normal?

Frederik Raff (32) ist Diplom-Meteorologe beim Wetterdienst MeteoGroup Deutschland. Foto: privat
Frederik Raff (32) ist Diplom-Meteorologe beim Wetterdienst MeteoGroup Deutschland. Foto: privat

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Herr Raff, was ist das für ein Wetter, das uns in der Lausitz zuletzt über Wochen keinen Regen gebracht hat – und wenn, dann oft nur örtlich, dafür aber gleich als Starkregen?

In den vergangenen Wochen haben sich immer wieder kräftige Hochdruckgebiete über dem Nordmeer und Skandinavien etabliert, die auch das Wetter bei uns beeinflusst haben. Was gefehlt hat, ist der Westwind, der uns vom Atlantik her Tiefdruckgebiete und großflächigen, langanhaltenden Regen bringt. Diese Lage war so stabil, dass sich über viele Tage hinweg nicht verändert hat.

Wie entstehen die schweren Gewitter?

Ab und zu schaffen es Tiefausläufer von Westeuropa, sich mit feuchter und schwül-warmer Luft dazwischenzuschieben. Im Tagesverlauf können sich dann vor allem vom Bergland aus teils heftige Gewitter entwickeln. Diese sind aber so punktuell und räumlich begrenzt, dass eine ortsgenaue Vorhersage selbst mit hochaufgelösten Wettermodellen nicht möglich ist.

Ist das Wetter noch normal? Häufen sich nicht heute Hitzeperioden, Trockenheit und Überschwemmungen?

Zuerst einmal: Trockenphasen und Starkregenereignisse hat es immer schon gegeben. Sie sind nur heute viel mehr im Bewusstsein, weil die Bilder schnell und von überall her über die sozialen Medien verbreitet werden. Es deutet sich aber tatsächlich an, dass sich die Westwinddrift abgeschwächt hat, die normalerweise mit ihrer feuchten Luft den Regen bringt. Das heißt, dass die Hochdruckwetterlagen stabiler werden und damit auch die Trockenheitsphasen.

Sind das Zeichen des Klimawandels?

Ich bin Meteorologe, kein Klimatologe. Ich beurteile die aktuelle Wetterlage. Die zeigt aber: Der Mai war im Kreis Bautzen viel zu trocken. So hat es im ganzen Monat nur an sechs Tagen geregnet: in Sohland/Spree gerade mal 16,7 Liter pro Quadratmeter, in Weißenberg 20,3 Liter. Normal wären um 70 Liter im gesamten Monat. Die wurden nur dort erreicht, wo sich örtliche Gewitter mit Starkregen gebildet hatten: Spitzenreiter waren Königswartha mit insgesamt 94,1 Litern und Burkau mit 66,5 Litern.

Gespräch: Jana Ulbrich