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Mittwoch, 08.08.2018

Ist das schon der Klimawandel?

Dieser Extremsommer zeigt, wie es künftig öfter sein wird. Weltweit deuten die Zeichen auf eine globale Heißzeit.

Von Stephan Schön

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Der Herbst ist da. Zumindest sieht es schon so aus, zwei Monate zu zeitig. Wegen der Trockenheit färben sich die Blätter schon jetzt bunt. In Wäldern und Parks wie hier im Großen Garten von Dresden raschelt das Laub auf dem ausgedörrten Boden. Wiesen und Weiden sind vertrocknet. Flüsse und Bäche leer.
Der Herbst ist da. Zumindest sieht es schon so aus, zwei Monate zu zeitig. Wegen der Trockenheit färben sich die Blätter schon jetzt bunt. In Wäldern und Parks wie hier im Großen Garten von Dresden raschelt das Laub auf dem ausgedörrten Boden. Wiesen und Weiden sind vertrocknet. Flüsse und Bäche leer.

© Ronald Bonß

Dresden. Es sind die heißesten Tage des Jahres, bis Donnerstag noch. Aber der Sommer bleibt auch danach noch im Lande, vor allem die Dürre. Die seit April andauernde Trockenheit setzt sich nach der Mittelfristanalyse des Deutschen Wetterdienstes (DWD) kommende Woche fort. Die Gewitter sind viel zu lokal, um daran was zu ändern. Dieser Sommer übertrifft schon jetzt die Hitzeperiode von 2003 in Sachsen und Deutschland. In Dresden-Klotzsche zum Beispiel gab es bis heute schon mehr Hitzetage als im gesamten Rekordjahr 2003.

Hitzewellen wie diese kommen in den Modellen der Klimaforscher künftig öfter vor. Sie dauern länger und werden heftiger. Solche Sommer werden in 20 bis 30 Jahren Normalität sein, sagt Peter Hoffmann, Klimaforscher am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (Pik), im Gespräch mit der SZ. „Wenn das normal ist, dann sehen die Extreme noch ganz anders aus.“ Eine einzelne Hitzewelle lasse sich jedoch nicht auf vom Menschen gemachten Klimawandel zurückführen. Doch die Häufung solcher Ereignisse wie 2003, 2010, 2015 und jetzt, das habe mit dem Klimawandel schon sehr viel zu tun, sagt Hoffmann. „Jahrtausend-Sommer kommen jetzt öfter vor.“

Eine gerade von der Universität Oxford und dem niederländischen Wetterdienst veröffentlichte Studie kommt zum ähnlichen Ergebnis. Die Wahrscheinlichkeit einer Hitzewelle mit Trockenheit wie derzeit habe sich seit Beginn der Industrialisierung verdoppelt. Rein statistisch gesehen hieße das also, jeder zweite Extremsommer ist jetzt schon vom Menschen gemacht und somit eine Folge des Klimawandels. Das bedeute aber nicht, künftig nur noch Tropenklima in Europa zu haben, erklärt Peter Hoffmann. Kühle und feuchte Sommer sind ebenso möglich, werden aber seltener.

Weltweit haben Hitze und Trockenheit in diesem Jahr Zerstörungen von bisher nicht gekanntem Ausmaß gebracht. Von Nordamerika über Nordeuropa bis Japan. Die größten in Kalifornien je beobachteten Waldbrände wüten zurzeit dort. In Schwedens dürren Wäldern loderten zeitweise mehr als 70 Feuer.

Das System Erde kann aber noch ganz anders. Das zeigen Pik-Wissenschaftler in einer am Dienstag veröffentlichten internationalen Studie. Werden an sensiblen Stellen der Erde die Grenztemperaturen noch weiter überschritten, dann kippt das gesamte Gleichgewicht. Dann beschleunigt das die globale Erwärmung nochmals. Arktis-Eis und Antarktis-Gletscher sind zwei solcher Kipppunkte. Schon jetzt hat sich die Arktis stärker erwärmt als andere Orte weltweit. Unter anderem mit der Folge, dass lange trockene Hitzesommer bei uns überhaupt erst entstehen können.

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Leser-Kommentare

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Insgesamt 48 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. sonny boy

    Wann werden endlich für die Schäden der Extremwetterereignisse die zur Verantwortung gezogen, die diese mit verursacht haben? Zum Beispiel die Sächsische Braunkohlewirtschaft. Noch gilt in Deutschland doch das Verursacherprinzip bei Umweltschäden, oder? Erst bei dieser Konsequenz der Politik oder der Rechtsprechung wird sich bezüglich der fortschreitenden globalen Überhitzung tatsächlich etwas ändern!

  2. MajorKong

    Ich weiß nicht recht, kaum ist es im Sommer mal richtig heiß, werden Weltuntergangsszenarien an die Wand gemalt. Ich denke nicht, dass das Kommen einer "globalen Heißzeit" in den Medien thematisiert würde, wenn wir dieses Jahr einen kühlen und verregneten Sommer hätten. Also wohl nur ein Sommerlochthema.

  3. Profiler

    Aber ein Herr Trump schützt nur seine Interessen (Geld) und eine Frau Merkel wird ständig verteufelt obwohl, sie das Problem seit ihrem Antritt bekämpft weltweit. Eure „politischen“ Probleme sind so klein, dass ihr das große Ganze gar nicht versteht. Hackt alle weiter schön aufeinander rum, beharrt auf eure Meinung und geht Montags allesamt weiter in die Stadt, um euch gegenseitig anzuspucken.

  4. MoDD

    Ich verstehe die Menschen nicht,ist es zu warm wird gejammert und ist es zu kalt auch.Wenn man ich mal mit dem Klima von der Erde beschäftigt,sieht man das es schon immer mal vorkam das ein Sommer/Winter mal heftiger waren,als üblich.Aber man will uns gezielt Angst machen,daß der Mensch an allem Schuld hat.

  5. Wolfgang

    Immer wieder Klasse, wie Wetter und Klima in einen Topf gehaun werden. Da ist das erste mal seit 15 Jahren mal ein ordenlicher Sommer......., und nicht mehr lange, dann heisst es wieder Sibierische Kältepeitsche.

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