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Mittwoch, 11.07.2018

Infineon unter Strom

Warum Infineon Dresden einen neuen Chef und in den nächsten Jahren 550 zusätzliche Mitarbeiter einstellt.

Von Georg Moeritz

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Dresdens zweitgrößte Fabrik, nach Globalfoundries: Infineon an der Königsbrücker Straße. Vorn steht ein Firmenparkhaus, es folgen Büroriegel und drei große Hallen mit Reinräumen. In der Halle hinten links produzierte bis vor zehn Jahren die Tochterfirma Qimonda. Dort stehen die Anlagen, die große Siliziumscheiben mit 300 Millimeter Durchmesser bearbeiten.
Dresdens zweitgrößte Fabrik, nach Globalfoundries: Infineon an der Königsbrücker Straße. Vorn steht ein Firmenparkhaus, es folgen Büroriegel und drei große Hallen mit Reinräumen. In der Halle hinten links produzierte bis vor zehn Jahren die Tochterfirma Qimonda. Dort stehen die Anlagen, die große Siliziumscheiben mit 300 Millimeter Durchmesser bearbeiten.

© Jürgen-M. Schulter

Das war eine Überraschung für Dresdens Vorzeige-Branche Mikroelektronik: Zum Jahresanfang wurde Rutger Wijburg als Chef der größten Fabrik Globalfoundries abgelöst. Ein halbes Jahr später tauchte der Niederländer ebenso überraschend beim Nachbarn Infineon wieder auf. Der 56-jährige Elektrotechniker mit Doktortitel muss sich dort allerdings den Chefposten mit dem kaufmännischen Geschäftsführer Raik Brettschneider teilen.

Im Gespräch mit der SZ sagt Wijburg, dass er auch Stellenangebote von anderen Firmen hatte, innerhalb wie außerhalb Europas. Doch seine Frau und er wollten gerne in Sachsen bleiben. Beide lieben das Erzgebirge und die Sächsische Schweiz. Infineon habe ihn wegen seiner Erfahrung aus mehreren Elektronikfirmen, wohl auch wegen des Blicks von außen eingestellt. Bei seinem bisherigen Betrieb Globalfoundries, wo Kurzarbeit und Stellenabbau angekündigt sind, werde es auch wieder besser werden. Wijburg hat dort in den vergangenen Jahren mehr als 500 Stellen gestrichen und den Umbau der Produktion auf eine neue Technologie begonnen.

Bei Infineon Dresden dagegen beginnt der neue Geschäftsführer in einer Wachstumsphase. Wijburgs Treffen mit der SZ findet im Rahmen eines länger geplanten Gesprächs mit einem anderen Infineon-Manager statt: Peter Wawer, in der Münchner Konzernzentrale Präsident einer der vier Geschäftssparten, will die Wachstumschancen von Infineon erklären. Wawer hat in Dresden das Auf und Ab der Halbleiterbranche erlebt. Er war bei der Infineon-Tochter Qimonda, die Computerspeicher als Massenware herstellte und am Preisverfall vor fast zehn Jahren pleite ging. Der Elektrotechniker wechselte wie viele Kollegen in die Solarbranche, ist aber seit 2016 bei Infineon Präsident der Division „Industrial Power Control“ mit Milliardenumsatz.

Wawer und Wijburg berichten, die ehemalige Qimonda-Halle sei jetzt zu 30 Prozent mit Produktionsanlagen gefüllt. Nach der Pleite hatte Infineon den Reinraum aus der Insolvenzmasse seiner Tochterfirma gekauft, ein Teil der Anlagen war noch vorhanden. Die Besonderheit: Dort können Siliziumscheiben mit 300 Millimeter Durchmesser verarbeitet werden. Darauf passen mehr als doppelt so viele Mikrochips wie bei den 200-Millimeter-Anlagen der benachbarten Infineon-Hallen, die voll ausgelastet sind. In den Jahren 2020 bis 2022 soll auch die ehemalige Qimonda-Halle voll ausgelastet sein, kündigt Wijburg an.

Nachschubmangel bei Energiechips

Allerdings werden dort nicht bis zu 4 000 Menschen arbeiten wie früher bei Qimonda. Die Produktion läuft fast vollautomatisch, Roboter bestücken die Anlagen. Infineon Dresden hat rund 2 100 Beschäftigte, dazu sind gut 100 Leiharbeiter im Werk. Nun hat die Suche nach 300 zusätzlichen Beschäftigten für Instandhaltung und Wartung der neuen Anlagen begonnen. 250 zusätzliche Stellen für Forscher und Entwickler hat Infineon auch angekündigt. Der Platz in den vorhandenen Büros reiche aus, sagt Wijburg. Zugleich wird auch das Werk Villach in Österreich ausgebaut. Beide stellen auf 300-Millimeter-Scheiben Leistungshalbleiter her. Das sind Chips, die hohe elektrische Ströme schalten, die größten in Windanlagen und Zügen. Aus der 200-Millimeter-Produktion in Dresden kommen vor allem Chips für die Auto-Industrie, für Chipkarten und Maschinen.

Wawer bestätigt, dass Infineon „Lieferschwierigkeiten“ hat – aber die Konkurrenz auch. Weltweit wachse der Bedarf an Elektronik für Autos, Solar- und Windanlagen. Infineon will laut Wawer mehr investieren als die Konkurrenten und überproportional wachsen. Der Manager freut sich über den wachsenden Energiebedarf weltweit, betont aber, die Halbleiter würden sparsamer. Netzteile würden kleiner und nicht mehr richtig warm. Der Aufstieg der Erneuerbaren Energien sei nicht mehr zu stoppen, „zum Wohl der Menschheit“. Elektroautos statt Verbrennungsmotoren brächten mehr Aufträge für Infineon.

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Leser-Kommentare

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Insgesamt 6 Kommentare

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  1. ZschirkeKlaus

    Or ne, da denkt man dass die Chips immer kleiner werden und die vergrössern die von 200 auf 300 und kriegen bestimmt noch Fördergeld dafür. Das kann doch nicht sein! Und die zusätzlichen Arbeiter werden dann wieder entlassen, wenn die Entscheidung falsch war. Das können die doch nicht machen. Da müssen Stadt und Land Sachsen mal eingreifen!

  2. Astroron

    @#1 wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Klappe halten. 200mm und 300mm besagt lediglich den Durchmesser der Siliziumscheiben. Wie gross die die Chips sind die darauf produziert werden, kommt auf die Produkte drauf an. Allerdings passen auf die größeren Scheiben deutlich mehr Chips bei vergleichbar geringen Kosten.

  3. Wowka

    @1. :D. Leute gibt's! Waver sind Platten auf denen Die Halbleiterchips produziert werden. Gibt's ein gutes Video auf YouTube.

  4. Mike Hauptmann

    Ich hoffe, dass von Dresden aus einmal bessere Zeichen gesetzt werden und solche Produktionsfirmen sagen: Wir arbeiten nicht für die Rüstungsindustrie! Auch die angestrebte Richtung in Sachen Künstliche Intelligenz ist m.E. eher menschenfeindlich zu betrachten. „Wenn ich das nicht mache, macht es ein anderer...“ - nein, „wenn ich das nicht mache, habe ich für mich Verantwortung und für meine Nächsten übernommen und dann macht es der andere vielleicht auch so!“, sollte das Denken sein. Wir brauchen keine Feindbilder, denn die produziert niemals der eigene Kopf! Und wie brauchen auch in Zukunft einfache Arbeit, die nicht abwertend in der Gesellschaft betrachtet wird, damit nicht wieder der Bäcker auf den Schlosser an der Front gegenüber ziehst und die, die immer wieder die gleichen sind, die bei Champagner und Kaviar die Heldeneoöle garniert bekommen, von den Kleinen bestaunt und gewählt werden, die übrig bleiben dürften. Lasst Euch nicht verführen - nichts hat den Wert eines Gewissens!

  5. Karl

    Nr 1 war doch nur Satire , denn so dumm kann man nicht sein.

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