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Donnerstag, 08.11.2018

Im Schneckentempo: Bei Radwegen geht es zu langsam voran

Um alle rund 450 Projekte des Radwegekonzeptes zu bauen, müssten fünf Millionen Euro pro Jahr investiert werden. Die Stadt plant jedoch anders.

Von Kay Haufe

Einige der wichtigsten Projekte im Radwegekonzept: Bessere Zufahrten vom Elberadweg zu den Innenstadtbrücken. Hier an der Marienbrücke muss Hand ans Rad gelegt werden, um auf die Brücke zu kommen.
Einige der wichtigsten Projekte im Radwegekonzept: Bessere Zufahrten vom Elberadweg zu den Innenstadtbrücken. Hier an der Marienbrücke muss Hand ans Rad gelegt werden, um auf die Brücke zu kommen.

© Rene Meinig

Die Stimmung war gut, als die Stadtverwaltung im März 2017 das Radwegkonzept vorstellte. Nach Jahren des Stillstands im Radwegeausbau gab es plötzlich rund 450 Einzelprojekte, mit denen das Radfahren in der Stadt bis 2025 deutlich sicherer und komfortabler werden sollte. Zudem wurden sieben neue Radwege-Planer eingestellt. Doch schon anderthalb Jahre später schlägt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club ADFC Alarm.

Vorwurf – schleppendes Tempo: Erst zehn Projekte des Konzeptes umgesetzt

Auf seiner Internetseite Radwatch hat der Dresdner ADFC gekennzeichnet, was bisher vom Radwegekonzept umgesetzt wurde. Konkret sind das vier Prozent von insgesamt 447 Projekten. „Eigentlich sind es nur zehn Maßnahmen, weil die restlichen acht schon vor der Vorstellung des Konzeptes fertig waren“, sagt Nils Larsen vom Vorstand des Dresdner ADFC. Dumm nur, dass seit März 2017 bereits 18,5 Prozent der verfügbaren Zeit bis Ende 2025 verstrichen sind. „Es muss jetzt deutlich schneller gehen, um das Ziel zu schaffen“, sagt Larsen.

Vorwurf zu wenig Geld: Nur die Hälfte der nötigen Summe eingeplant

Klar, dass zuallererst mal Geld da sein muss, um bauen zu können. Doch die Verwaltung drossele das Konzept bereits an dieser Stelle, schätzt der ADFC ein. Denn im Doppelhaushalt für 2019/20 sind für Radwege nur 2,5 und zwei Millionen Euro inklusive Fördermittel vorgesehen. Zum Vergleich: In diesem Jahr waren es 5,4 Millionen Euro. Und rund fünf Millionen Euro wären auch weiterhin pro Jahr nötig, sagt Rolf Leonhard, der stellvertretende Vorsitzende des ADFC Sachsen. Das haben nicht nur die Dresdner Stadtrats-Kooperationspartner von Rot-Rot-Grün so in ihrer Vereinbarung festgehalten, sondern ergibt sich auch aus dem Nationalen Radverkehrsplan der Bundesregierung, der acht bis zwölf Euro an Investitionen pro Einwohner und Jahr vorgibt. Für Dresden wären das zwischen 4,5 bis 6,7 Millionen Euro jährlich. Allerdings ist es wahrscheinlich, dass Investitionen wie für Fahrradbügel auch in anderen Hauhaltspositionen enthalten sind. Damit könnte die Summe bei den nötigen fünf Millionen pro Jahr liegen. Eine SZ-Anfrage dazu konnte gestern von der Stadt nicht beantwortet werden.

Vorwurf hintere Priorität: Deutlich mehr Geld für andere Verkehrsprojekte


Rund jeweils 75 Millionen Euro sollen laut dem städtischen Haushaltentwurf 2019 und 2020 in Verkehrsinvestitionen fließen. Der ADFC sieht dadurch den Radverkehr deutlich benachteiligt, für den lediglich rund 2,25 Millionen Euro ausgewiesen sind. Ganz geht diese Rechnung allerdings nicht auf: Denn in den Vorhaben wie der Erschließung am Antonplatz oder der Instandsetzung des Blauen Wunders sind natürlich immer auch Radverkehrsanlagen beinhaltet.

Fehlende Absprachen: Radverkehr bei Planung nicht ausreichend beachtet

Ärgerlich sei, dass es Bauvorhaben gibt, bei denen Maßnahmen des Radwegekonzeptes betroffen sind, diese aber gar keine Rolle spielen. Wie beim geplanten Ausbau der Königsbrücker Straße am Olbrichtplatz, wo die Gleise auseinanderrücken, oder bei der Sanierung der Bautzner Straße in Höhe der Prießnitzstraße, sagt Larsen. „In den Vorlagen taucht das Radverkehrskonzept und die daraus folgenden Maßnahmen gar nicht auf. Das bedeutet, dass es für die nächsten 20 bis 30 Jahre unerledigt bleibt.“

Radfahrer-Wünsche: Fahrradschnellweg und mehr Abstellbügel

Neben mehr geräumten Radwegen im Winter setzt sich der ADFC auch für einen Radschnellweg vom Zentrum Richtung Norden ein. Dort seien viele große Firmen ansässig, von denen viele Mitarbeiter mit dem Rad kommen. Auch brauche es viel mehr Fahrradbügel in der Innenstadt.

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