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Donnerstag, 13.09.2018

Im Notfall Mund-zu-Hund-Beatmung

Von Henry Berndt

Mischlingshündin Duffy durfte nur für das Foto mit posieren. Beim Erste-Hilfe-Kurs griff MathiasKörner dann lieber auf ein Plüschtier zurück. Foto: Marion Doering
Mischlingshündin Duffy durfte nur für das Foto mit posieren. Beim Erste-Hilfe-Kurs griff Mathias
Körner dann lieber auf ein Plüschtier zurück. Foto: Marion Doering

© - keine Angabe im huGO-Archivsys

Hallo? Hallo? Alles in Ordnung mir dir? Vorsichtig und in großem Bogen nähert sich Mathias Körner dem Hund, der regungslos auf dem Boden liegt. Immer wieder spricht er ihn an, will ihm helfen und vor allem eines vermeiden: ihn zu erschrecken.

„Mein Name ist Körner wie das Vogelfutter“, sagt der Referent an diesem Nachmittag im Seniorenheim „Am Gorbitzer Hang“. In den nächsten drei Stunden werden die Teilnehmer des vom ASB angebotenen Kurses alles Wichtige über Erste Hilfe lernen. Allerdings nicht am Menschen, sondern am Hund. Dafür hat Körner seine zwei Plüschhunde mitgebracht. Echten Hunden will der 40-Jährige das Prozedere nicht zumuten. Duffy, der einzige Hund, der heute mitgebracht wurde, wartet brav und still draußen vor der Tür.

Zehn interessierte Hundebesitzer sind gekommen. Damit ist der Kurs ausgebucht. „Es ist erst der zweite Kurs dieser Art überhaupt“, sagt Körner, der ausgebildeter Notfalltrainer ist. Sieben Jahre lang fuhr er selbst im Rettungsdienst. Nach einer Weiterbildung gibt er nun sein Wissen weiter. Bisher über Menschen, jetzt auch über Hunde. „Ich erzähle Ihnen das in der Hoffnung, dass Sie das Wissen nie benutzen müssen“, sagt er zur Begrüßung – und dann geht es schon in die Vollen. Was ist zu tun, wenn ein Hund winselnd auf dem Boden liegt, oder vielleicht gar keinen Ton mehr von sich gibt?

Egal, ob es das eigene Tier ist oder nicht – zunächst ist Vorsicht geboten. Kranke oder verletzte Tiere reagierten unvorhersehbar und könnten aus Angst schnell mal zuschnappen. Wenn möglich, rät Körner, sollte deswegen zunächst das Maul zugebunden werden. Keine gute Idee ist das aber wiederum, wenn der Hund offensichtlich schlecht Luft bekommt oder gar nicht mehr atmet. In dieser Situation den Rettungsdienst zu rufen, ist bei Tieren leider nicht möglich. Heißt: Entweder Hilfe holen oder selbst handeln. Womöglich könnte eine beherzte Herzdruckmassage in Verbindung mit einer Mund-zu-Nase-Beatmung den Hund retten. „Das ist nicht so viel anders als beim Menschen“, sagt Körner. Sogar der Rhythmus 30 zu 2 ist derselbe.“ Abhängig von der Größe des Hundes, könnten eine Hand oder auch beide Hände benutzt werden. Statt auf dem Rücken wie ein Mensch, liegt der Hund dabei auf der Seite.

All das demonstriert Mathias Körner an seinen „Plüschis“. Die Teilnehmer, darunter viele junge Frauen, schreiben fleißig mit. Zusätzlich malt der Referent vorn am Flipchart künstlerisch hochwertige Tafelbilder, die fotografiert werden können.

Selbst hat Mathias Körner gerade keinen Hund zu Hause. „Leider“, sagt er. Vielleicht will er sich schon im nächsten Jahr einen zulegen. Am liebsten einen Schäferhund. Sein Vater war Polizist, und er habe als Kind immer helfen dürfen, den Polizeihund auszubilden und Fährten im Wald gelegt. Bereit wäre Mathias Körner auf jeden Fall, genauso wie nach drei Stunden seine Kursteilnehmer. „Wenn sie sich sicherer fühlen und auch etwas für die Erste Hilfe am Menschen mitnehmen, dann haben wir viel erreicht“, sagt er. Nur 30 Prozent der Deutschen könnten im Notfall reanimieren. Diese Quote sei erschreckend.

Weitere Kurse für Erste Hilfe am Hund sind geplant am 20.9., 5.10., 16.10., 30.10., 29.11. und 19.12.
Die Teilnahme kostet 35 Euro, für Paare 60 Euro.
Alle Infos unter www.asb-dresden-kamenz.de