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Donnerstag, 09.08.2018

Im ersten Anlauf

Von Daniel Klein

Daumen nach oben: Für Lou Massenberg war es bereits die zweite Medaille bei der EM, für die Dresdnerin Tina Punzel die erste. Die 23-Jährige tritt noch dreimal in Edinburgh an.Foto: DSV
Daumen nach oben: Für Lou Massenberg war es bereits die zweite Medaille bei der EM, für die Dresdnerin Tina Punzel die erste. Die 23-Jährige tritt noch dreimal in Edinburgh an. Foto: DSV

In Schottland regnete es am Mittwoch immer mal wieder und dann heftig, für die deutsche Mannschaft regnete es Medaillen. Sechs waren es insgesamt und beteiligt daran die Radfahrer, die Schwimmer sowie die Wasserspringer. Im Mixed-Wettbewerb vom Dreimeter-Brett gewannen der Berliner Lou Massenberg und Tina Punzel EM-Gold, damit war es auch die erste Medaille für eine Dresdnerin bei der Premiere der European Championships.

Punzel hat sich gut eine Woche nach ihrem 23. Geburtstag damit selbst nachträglich beschenkt, „Das war der perfekte Start für mich“, sagte sie, „besser hätte es nicht laufen können.“ Mit einer Medaille wollte sie aus Schottland zurückkehren, das Ziel ist bereits erfüllt, dabei geht sie noch dreimal an den Start.

In ihrer persönlichen Hitliste steht der noch junge Mixed-Wettbewerb allerdings nicht ganz oben, weil er nicht olympisch ist und Erfolge in den Einzeldisziplinen weiterhin mehr Gewicht haben. Dort streiten sich schon mal bis zu 50 Springer um den Finaleinzug, in der Mixed-Konkurrenz traten in Edinburgh am Mittwoch lediglich zehn Paare an. Da sind die Chancen auf einen Podestplatz schon rein mathematisch günstiger. Dennoch haben die Wettbewerbe, bei denen sich Paare gleichzeitig ins Wasser stürzen, ihren Reiz, findet Punzel. „Für die Zuschauer ist es leichter zu erkennen, ob die Sprünge gelungen waren, weil es sofort auffällt, wenn ein Duo synchron unterwegs ist.“ Oder eben nicht. Das ist auch für die Springer der große Unterschied: „Ich muss mich auf den jeweiligen Partner einstellen, da entscheiden Feinheiten, ob alles parallel läuft oder nicht.“ Am Mittwoch lief es bei ihr und ihrem erst 17-jährigen Partner Lou Massenberg parallel, dadurch konnten sie die favorisierten Briten Ross Haslam/Grace Reid schlagen. Das Duo aus Berlin und Dresden, das nur bei gemeinsamen Lehrgängen zusammen trainieren kann, fand erst vor anderthalb Jahren zusammen, dafür harmonieren sie bereits beachtlich gut und gehören bei den Weltmeisterschaften in einem Jahr in Südkorea zum erweiterten Favoritenkreis.

Für Punzel könnte es der Auftakt für weitere Medaillen gewesen sein, in den restlichen drei Disziplinen ist sie vorbelastet. Vom Einmeterbrett gewann sie 2014 EM-Bronze, im Synchronwettbewerb aus drei Metern Höhe 2014, 2015 und 2017 stets Silber und in der Einzelkonkurrenz 2013 Gold und 2015 Bronze. Die Sammlung ist bereits ansehnlich, doch noch längst nicht vollständig, findet sie. Vor allem im olympischen Dreimeter-Einzel soll es weiteren Zuwachs geben. Am Samstag bietet sich dafür die nächste Chance. „Es wäre mal wieder Zeit“, findet Punzel.

Zur reichen Medaillenausbeute trug auch die drittplatzierte Turmspringerin Maria Kurjo bei – vor allem aber erneut die deutsche Zweiradsparte. Nach den Erfolgen auf der Bahn überzeugten sie auch auf der Straße. In den Einzelzeitfahren rasten Maximilian Schachmann sowie Trixi Worrack auf den dritten Platz.

Für Furore sorgte vor allem der 24-jährige Schachmann, der mit dem Erfolg seinen Ruf als eines der deutschen Toptalente im Profi-Radsport bestätigte. „Es ist immer schön, bei so einer Meisterschaft auf dem Podium zu stehen und die Nationalfarben zu präsentieren“, sagte Schachmann. „Ich freue mich riesig, dass es geklappt hat.“ Der Berliner musste sich nur dem belgischen Vorjahressieger Victor Campenaerts und dem Spanier Jonathan Castroviejo geschlagen geben.

„Nach 15 Kilometern habe ich gemerkt, dass ich einen guten Rhythmus habe und Zug auf der Kette ist. Das wandelte sich in einen richtigen Flow, es hat Spaß gemacht“, sagte Schachmann. Er sorgte für die 14. Medaille des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) bei den Multisport-Titelkämpfen. Schachmann ist eines der großen Versprechen für die Zukunft, er vereint Stärken im Kampf gegen die Uhr mit guten Fähigkeiten am Berg. Langfristig gilt er sogar als potenzieller Anwärter auf einen Spitzenplatz bei der Tour de France. In seiner zweiten Profisaison hatte Schachmann zuletzt im Mai beim Giro d’Italia mit dem Etappensieg bei einer Bergankunft für Aufsehen gesorgt. Grund zur Freude hatte auch die 36-jährige Worrack, die im Frauenrennen überraschte. So viele Medaillen waren schlicht nicht eingeplant. (mit sid)

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