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Montag, 13.08.2018

„Ich weiß halt, wo das Leder hinmuss“

Insgesamt elf Jahre lang spielte Pierre Nebes beim BSV Sebnitz. Nun wechselte der so torgeile Stürmer zum FV 06 Laubegast.

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Küsschen für Freundin Nadine, die ihren Pierre immer unterstützt. Foto: privat
Küsschen für Freundin Nadine, die ihren Pierre immer unterstützt. Foto: privat

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Pierre Nebes (li.) bei seiner Lieblingsbeschäftigung auf dem Fußballplatz – der Vorbereitung zum Torschuss. Hier noch im Trikot des BSV Sebnitz, im Sommer wechselte der Toregarant zum FV 06 Laubegast. Foto: Marko Förster
Pierre Nebes (li.) bei seiner Lieblingsbeschäftigung auf dem Fußballplatz – der Vorbereitung zum Torschuss. Hier noch im Trikot des BSV Sebnitz, im Sommer wechselte der Toregarant zum FV 06 Laubegast. Foto: Marko Förster

© Marko Förster

Der FV 06 Laubegast kann einen spektakulären Wechsel vermelden. Pierre Nebes wird in der kommenden Saison für den Aufstiegsaspiranten der Landesklasse Ost stürmen. Der 33-Jährige spielte zuvor viele Jahre lang beim BSV Sebnitz, war auch beim Heidenauer SV, Einheit Kamenz und der zweiten Mannschaft von Dynamo Dresden aktiv. Für den SC Borea Dresden-Vorgänger FV Nord spielte Nebes sogar in der Oberliga. Im Interview erklärt der Vollbluttorjäger auf seiner typischen Art und Weise, warum er nach Laubegast gewechselt ist und warum er Sebnitz mit einem lachenden und einem wütenden Auge verlassen hat.

Herr Nebes, wie kam es zum Wechsel nach Laubegast?

Dafür gibt es mehrere Gründe. Einerseits ist Andreas Haupt dort als sportlicher Leiter tätig. Er war schon beim Heidenauer SV mein Trainer und ich arbeite mittlerweile seit 2006 in seiner Kurierdienst-Firma. Wir hatten und haben stets ein gutes Verhältnis miteinander. Andererseits hat der FV Laubegast ein klares Ziel mit dem Aufstieg in die Landesliga vor Augen. Es ist eine Truppe mit erfahrenen Leuten und jungen talentierten Spielern. Dazu kommt ein absoluter Trainerfuchs mit Boris Lucic. Ich möchte meine Erfahrungen dort mit einbringen.

Sie wohnen nur unweit der Spielstätte an der Steirischen Straße. Sicher auch ein Grund für den Wechsel?

Das ist richtig. Ich habe nur fünf Minuten zum Training. Da könnte ich hinlaufen, was ich natürlich nicht tun werde (schmunzelt). Und ich kann nach dem Training auch mal eine Radeberger Kaltschale mehr genießen und notfalls den Drahtesel stehen lassen. Wer mich kennt, weiß wie das gemeint ist. Wenn es bei Pierre Nebes nicht auch ums Bier geht, läuft irgendetwas falsch. Das kann ruhig so aufgeschrieben werden.

Und trotzdem sind Sie seit Jahren eine feste Größe als Toregarant?

Ich halte mich halt fit, habe zudem damals beim FV Nord eine richtig gute Ausbildung bekommen, von der ich bis heute profitiere. Ich weiß halt, wo das Leder hinmuss. Ich will in jeder Saison eine zweistellige Trefferzahl erreichen. Das ist mir bislang immer gelungen.

Sie sind als beidfüßiger Stürmer bekannt, was Sie wenig ausrechenbar macht. War das schon immer so?

Eher nicht. Ich bin zwar von klein auf jedem Ball hinterhergerannt. War der Letzte im Hof, meine Mutter musste mich oft mehrfach zum Abendessen rufen. Habe dann zunächst bei TU Dresden angefangen und kam dann in den Jägerpark. Dort wurde ich in der C-Jugend von meinen Trainern Tino Gaunitz und Thomas Baron im linken Mittelfeld eingesetzt. Damit wurde mein linkes Bein ausgebildet. Man lernte die Übersicht und die Beidfüßigkeit. Ich bin sehr froh über diese damalige Ausbildung.

Was waren bisher Ihre größten Erlebnisse als Torschütze?

Auf jeden Fall, als wir mit der A-Jugend des FV Nord gegen Rostock erfolgreich waren. Ich traf und wir schafften den Aufstieg in die Bundesliga. Leider konnte ich altersmäßig dann nicht mehr ganz oben mitspielen, war bei den Männern aber in der Oberliga dabei. Ich erinnere mich auch gern an das 2:0 gegen Bannewitz in der Saison 2015/16, als ich mit dem BSV Sebnitz dadurch den Staffelsieg in der Landesklasse holte.

Warum sind Sie vom BSV Sebnitz weggegangen?

Es ist eine traurige Geschichte. Ich war insgesamt elf Jahre lang in Sebnitz, bin dreimal in der Woche von Dresden aus zum Training gefahren. Es war eine tolle Zeit mit einem wirklich feinen Team. Ich möchte mich bedanken, dass ich dort spielen durfte. Vor allem die Familie Hanisch mit ihrem organisatorischem Einsatz oder die Familie Wurst mit dem Catering oder unsere unermüdliche Filmerin Kerstin Kaps haben mir den Aufenthalt in Sebnitz stets angenehm gemacht. Nun ist Zeit für eine andere Liga, auch wenn es ein unglückliches Ende in Sebnitz war, was mich doch auch wütend macht. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.

Sie waren zunächst beim SV Wesenitztal im Gespräch?

Mein Trainer Uwe Rahle ist von Sebnitz ins Wesenitztal gewechselt. Viele Spieler wollten mit ihm gehen. Allerdings hat das dann doch nicht so funktioniert. Dann kam Laubegast ins Gespräch und nun freue ich mich auf die kommende Saison.

Beim 3:4-Testspiel gegen den Radebeuler BC haben Sie gleich Ihren Tor-Einstand gegeben. Zufrieden?

Es freut mich natürlich und ich hoffe, dass es dann in den Pflichtspielen auch so gut klappt. Es ist wirklich ein gutes Team mit sehr zukunftsorientierten Zielen. Ich hoffe, dass wir alle verletzungsfrei bleiben und eine tolle Saison hinlegen werden.

Apropos Verletzungsfreiheit – haben Sie schon schwerwiegendere Blessuren erfahren?

Ich habe mir in einem Spiel der Sebnitzer gegen Kamenz einen Kreuzbandriss zugezogen. Ich habe schrecklichen Bammel vor einer Operation, also habe ich lieber ein spezielles Training für einen Muskelaufbau absolviert, der das gerissene Kreuzband stabilisiert. Ich habe da wirklich hart geackert, kann aber mittlerweile gut umgehen damit.

Dreimal Training in der Woche, dazu die Spiele – wie nimmt die Familie Ihre Fußballverrücktheit in Kauf?

Sehr sehr gut. Meine Freundin Nadine unterstützt mich riesig. Manchmal ist sie auch bei einem Spiel dabei. Sie hat als Sozialpädagogin auch viel um die Ohren, weiß, wie es ist, abends oft unterwegs zu sein. Zu unserer kleinen Familie zählen noch unser Hund Bex und unsere Katze Pida.

Das Gespräch führte Jens Jahn.