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Mittwoch, 11.07.2018

„Ich habe das schleifen lassen, weil ich lieber gearbeitet habe“

Ein Freitaler muss nach seiner Haft zum Bewährungshelfer, jeden Monat. Plötzlich kommt er nicht mehr – und wird angeklagt.

Von Stephan Klingbeil

© Symbolbild/dpa

Dippoldiswalde/ Freital. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis 2014 sollte sich ein 54-jähriger Freitaler jeden Monat einmal bei seinem Bewährungshelfer melden. Das lief lange gut. Da er jedoch die Pflichttermine in den ersten drei Monaten dieses Jahres sausenließ, muss sich der Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes nun am Amtsgericht Dippoldiswalde verantworten. Am Montag wurde er dort wegen Verstoßes gegen Weisungen während der Führungsaufsicht angeklagt. Der Deutsche war Ende 2012 am Amtsgericht in Görlitz wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchter Vergewaltigung zum einem Jahr und sieben Monaten Haft verurteilt worden, saß die Strafe auch ab. Zudem sollte er in den Entzug wegen seines Alkoholproblems. Eine Therapie klappte aber bisher nicht. Laut seinem Bewährungshelfer habe der Angeklagte allerdings außer jenen drei verpassten Terminen die Weisungen befolgt. Doch wieso hat sich der Freitaler, der zwischendurch im Dezember 2016 wegen Diebstahls zu zwei Monaten Haft verurteilt wurde, Anfang dieses Jahres plötzlich nicht mehr gemeldet?

„Ich habe das schleifen lassen, weil ich lieber gearbeitet habe“, erklärt der Angeklagte. „Das tut mir leid. Meine Kollegen, denen ich das erzählt hatte, haben auch schon mit mir geschimpft.“ Verurteilt wurde der 54-Jährige indes – noch – nicht. Da das Gericht am Montag feststellte, dass der Freitaler einen Sozialbetreuer hat, geht es davon aus, dass er vor Gericht einen Anwalt benötigt. Hierzu gebe es klare Entscheidungen des Oberlandesgerichts, erklärte der zuständige Strafrichter. Bis jetzt hatte der Angeklagte keinen Anwalt. Der Prozess wurde so bis Mitte August vertagt.

Bereits Ende Mai sollte einem verurteilten Sextäter aus Freital in Dippoldiswalde der Prozess gemacht werden, der auch gegen Weisungen während der Führungsaufsicht verstoßen habe (SZ berichtete). Der 42-jährige Deutsche hatte wegen Vergewaltigung und sexuellen Missbrauchs von Kindern in Dresden eine siebeneinhalbjährige Haftstrafe absitzen müssen. Seit seiner Entlassung aus dem Gefängnis muss er eine elektronische Fußfessel tragen. Der Straftäter selbst ist verpflichtet, den Akku des Geräts aufzuladen. Genau das soll der Mann aber nicht getan haben – gleich mehrfach.

Nachdem der Freitaler seinen ersten Verhandlungstermin platzen ließ, weil er sich kurzfristig einen Anwalt nahm, wurde der Prozessauftakt in der Folge mehrmals verschoben. Nun soll ebenfalls im August gegen den Mann verhandelt werden. (skl)