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Dienstag, 12.06.2018

„Ich bin überzeugt von unserer Idee“

Anspannung vor der WM? Im Gegenteil! Je wichtiger die Spiele, desto entspannter wird Joachim Löw – sagt er selbst.
Anspannung vor der WM? Im Gegenteil! Je wichtiger die Spiele, desto entspannter wird Joachim Löw – sagt er selbst.

© dpa/Christian Charisius

Schluss mit dem Vorgeplänkel, mit Testspielen ohne Lust und Leidenschaft: Wenn die deutsche Fußball-Nationalmannschaft am Dienstag, 13 Uhr, mit der LH 2018 von Frankfurt am Main in Richtung Moskau abhebt, beginnt die Mission Titelverteidigung. Mit diesen Gedanken steigt der Bundestrainer in die Maschine.

Joachim Löw, in den nächsten fünf Wochen scheinen Sie in Deutschland wieder der wichtigste Mensch zu sein. Wie gehen Sie damit um?

Es gibt noch weitaus wichtigere Positionen und Menschen als mich. Das weiß ich schon richtig einzuschätzen. Aber ich weiß, was Sie meinen: Bei jedem Turnier steht unsere Mannschaft in einem besonderen Fokus. Man hat das Gefühl, dass die ganze Nation zusammensteht und sich an der Mannschaft erfreuen will. Das ist etwas Schönes und unterstreicht die besondere Wertschätzung der Nationalmannschaft.

Wie gehen Sie mit dem Druck um?

Während des Turniers empfinde ich nicht so diesen Druck von außen. Ich genieße es, es gibt nichts Schöneres als eine WM und die Fifty-fifty-Spiele. Da bin ich so entspannt, wie es irgendwie sein kann, fühle mich energiegeladen. Die Anspannung entlädt sich erst in den Wochen danach.

In den Testspielen stimmte noch nicht alles. Wieso sind Sie optimistisch?

Wenn wir so viele kleine Fehler machen, sind wir nur eine durchschnittliche Mannschaft, die auch mal gegen Österreich verlieren kann. Wenn wir aber die Dinge im Detail gut umsetzen, sind wir zu Recht einer der Topfavoriten.

Kann ein Spiel wie gegen Österreich auch mal bei dieser WM passieren?

So was kann immer passieren. Wir müssen verinnerlichen, dass es in erster Linie von uns abhängt. Die Gegner werden gegen uns ganz andere Qualitäten in die Waagschale werfen – große Motivation, Kampf. Deshalb muss in jedem Spiel die Konzentration hoch sein, wir müssen von Anfang an hellwach sein und an unsere Leistungsgrenze kommen. .

Hilft Ihnen Ihre Routine als Trainer oder ist sie auch eine Gefahr?

Es gibt bei uns keine Routine, es gibt Erfahrung. Wir versuchen das, was wir seit Jahren machen, mit neuen Einflüssen zu mischen. Ich bin überzeugt von unserer Idee. Die passt gut zu unserer Mannschaft und den Spielertypen. Ich bin von der Klasse unserer Mannschaft überzeugt.

Andere Nationen haben Superstars wie Neymar, Messi oder Ronaldo. Deutschland nicht. Ist das ein Nachteil?

Nein, nicht unbedingt. Wir leben zum einen von der Spielanlage, von unserer Einstellung, vom Teamgeist. Das haben wir 2014 bewiesen. Jeder im Team hat eine hohe Wertschätzung genossen, Egoismen waren nicht übermäßig ausgeprägt.

Welche Erfahrungen aus dem Confed-Cup 2017 in Russland sind hilfreich?

Egal, welche Situation wir antreffen: Reisen, Verkehr, das alltägliche Leben – von all dem dürfen wir uns nicht ablenken lassen. Es gibt kein Lamentieren, keine Ausreden. Das führt alles nur zum Verlust von Energie. Ich will keine Vergleiche mit dem Campo Bahia 2014 in Brasilien. Das sind andere Voraussetzungen, andere Bedingungen.

Können Sie sich schon auf Russisch Ihren geliebten Espresso bestellen?

Nein, das kann ich noch nicht. Was ich auch beim Confed Cup erfahren habe: Die russische Seele, die russische Bevölkerung ist sehr deutsch-freundlich. Das finde ich angesichts der Schwere der Geschichte bemerkenswert, dass die Russen uns gegenüber keine Vorbehalte zu haben scheinen, sondern uns offen und freundlich entgegentreten. Das ist die Ebene, auf der wir uns bewegen sollten: auf die Menschen zuzugehen. Und uns als Mannschaft präsentieren, die gerne da ist.

Das Gespräch führte Jens Mende, dpa.

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