• Einstellungen
Montag, 27.08.2018

„Ich bin richtig erleichtert“

Von Jürgen Schwarz

Präsident Klaus Hirschnitz Foto: privat
Präsident Klaus Hirschnitz Foto: privat

© - keine Angabe im huGO-Archivsys

Die Saison in der Fußball-Landesklasse ist eröffnet und für den FV Gröditz 1911 begann das neue Spieljahr mit dem erhofften Dreier. Die Mannschaft von Trainer Rico Kaiser setzte sich zu Hause gegen den Hartmannsdorfer SV Empor mit 4:1 (1:1) durch. Nach dem frühen Rückstand trafen Tim Zeller und Rene Großmann ins Schwarze. Erleichtert war auch Präsident Klaus Hirschnitz. Nach der Auftaktpartie der Röderstädter stellte sich der 56-Jährige zum ausführlichen Gespräch.

Herr Hirschnitz, wie bewerten Sie die ersten 90 Saisonminuten?

Ich bin richtig erleichtert. Nach zähem Start haben wir uns zurückgekämpft und die zweite Halbzeit dann spielerisch dominiert. Am Ende ein auch in dieser Höhe vollkommen verdienter Heimsieg.

Die Ergebnisse in der Vorbereitung waren teilweise richtig schlecht. Wurde der Präsident da schon unruhig?

Nein, so schnell bringt mich nichts aus der Ruhe. Es ist bekannt, dass wir seit Anfang des Jahres einen Verjüngungsprozess anstreben, der sich weiterhin fortsetzt. Unsere erfahrenen Spieler waren in der Vorbereitung nur selten dabei. Entsprechend ordnen wir die Ergebnisse ein. Natürlich verliert niemand gern. Im Pokalspiel waren wir eine Stunde lang gleichwertig und daran haben wir uns orientiert und die Jungs Selbstvertrauen geschöpft.

War es einen Fehler, schon in der Winterpause der Vorsaison einen Trainerwechsel vorzunehmen?

Nein. Die Trennung von Michael Schuster hatte keine sportlichen Gründe. Er hat einen guten Job gemacht, die nötigen Punkte eingefahren und damit die Grundlage gelegt, dass wir schon während der Saison den Verjüngungsprozess einleiten konnten. Der Wechsel zu Rico Kaiser war insofern logisch, da er bei uns im Verein auch der Nachwuchschef ist. Alle Jungs, die jetzt in der ersten Mannschaft spielen oder gerade oben anklopfen, kennt er aus dem Effeff. Es war also ein interner Wechsel und Micha Schuster kann jederzeit bei uns wieder eine Aufgabe im Verein übernehmen.

Welche Zielstellung verfolgt der FV Gröditz 1911 in dieser Serie und mittelfristig in den kommenden Jahren?

Oberste Priorität hat natürlich der Klassenerhalt. Ein einstelliger Tabellenplatz und möglichst keine Abstiegsgefahr, wären wünschenswert. Selbstverständlich träumen wir auch davon, irgendwann in der Landesliga zu spielen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist das aber unrealistisch.

Warum?

Wir haben seit Jahren keinen Hauptsponsor und die Sachsenliga erfordert schon einen gewissen finanziellen Unterbau. Unsere Region gibt derzeit so einen potenziellen Sponsor nicht her, auch unser größter Arbeitgeber vor Ort steht uns aktuell leider nicht zur Verfügung. Wir werden uns ganz sicher nicht verschulden oder eine Insolvenz riskieren, nur um mal ein Jahr in der sechsten Liga zu spielen.

Die Saison zieht sich endlos lang hin. Ist die Struktur der Ligen noch zeitgemäß?

Ich befürworte die Bestrebungen, zwischen Oberliga und Landesliga noch eine Verbandsliga einzuschieben. In Brandenburg funktioniert das gut. Unterhalb der Landesliga sollte es dann nur noch drei Landesklasse-Staffeln geben, so wie vor Jahren mit den drei Bezirksligen. Im Moment läuft die Saison zehn Monate und wir absolvieren in dieser Zeit gerade mal 24 Punktspiele. Man hat dann schnell mal zwei, drei Wochen kein Pflichtspiel. Aber damit müssen wir uns arrangieren.

Wie sieht es am Gröditzer „Eichenhain“ mit der Nachwuchsarbeit aus?

Wir haben ja den Junioren-Förderverein ab der D-Jugend. Damit ist abgesichert, dass der Fußballnachwuchs der Gemeinden die keine Nachwuchsabteilungen haben, altersgerecht trainieren und spielen können. Wir sind nun mal nicht in Dresden, also müssen wir alle zusammenarbeiten. Wir sind schon immer ein Ausbildungsverein und werden auch in Zukunft unser Geld dort investieren.

Ist Ihr Sohn André noch am Ball?

Natürlich würde ich als Vater meinen Sohn gern noch Fußball spielen sehen. Aber es geht bei ihm gesundheitlich nicht mehr. Nach dem letzten Kreuzbandriss ist er nicht mehr richtig auf die Beine gekommen. Daher war sein Rücktritt vor einem Jahr folgerichtig. Nicht jeder kann wie unser René Großmann mit 37 Jahren noch wie ein junger Gott Fußball spielen.

Sie sind seit 1974 Mitglied im Verein. Wie lange stehen Sie dem FV 1911 schon als Präsident vor?

Damals war es noch die TSG Gröditz, aber ja, es sind nun 44 Jahre Mitgliedschaft. Ich habe früher im Nachwuchs selbst Fußball gespielt, war später aber bei den Keglern. Präsident der Fußballer bin ich seit Januar 2012, vorher war ich Stadionsprecher. Es macht mir Spaß, trotz der hohen beruflichen Belastung. Am Wochenende auf dem Fußballplatz zu sein ist ein guter Ausgleich und ich werde mich im November auch zur Wiederwahl stellen.

Eine private Frage: Hat der Vereinschef in der Sommerpause Zeit gefunden, einen Familienurlaub zu realisieren?

Ja, selbstverständlich. Ich mache das immer gleich nach Ende der Saison. Diesmal waren es die beiden ersten Juli-Wochen. Ich bin ja kein Einzelkämpfer. Unser Führungsteam besteht aus sieben Leuten und da geht es ohne Frage auch mal 14 Tage ohne mich.

Ralf Minge, Vater Ihres Spielers Stefan Minge, ist wieder gesund und in seinen Job zurückgekehrt. Dürfen die Fans vielleicht in der Winterpause wieder auf ein Gastspiel der Dynamos hoffen?

Erst einmal bin ich froh, dass Ralf gesundheitlich wieder auf den Beinen ist. Ich schätze ihn sehr und hoffe, dass bei Dynamo alle wissen, was sie an ihm haben. Wir haben in der Vergangenheit schon dreimal gegen Dynamo gespielt und würden uns jederzeit wieder als Sparringspartner zur Verfügung stellen. In der Winterpause wird es sicher nicht klappen, aber vielleicht nach dem Ende der Saison 2018/19. Uwe Neuhaus hatte solche Spiele zum Saisonausklang ganz gern gemacht.

Stimmt, aber der sitzt nun nicht mehr auf der Bank. Was sagen Sie zum Trainerwechsel bei Dynamo?

Ich hatte eher zum Ende der Vorsaison damit gerechnet. Natürlich sieht eine Trennung nach den ersten drei Pflichtspielen jetzt etwas komisch aus. Uwe Neuhaus ist ein guter Trainer, aber es ist egal, ob in der Bundesliga oder sechs Klassen tiefer, irgendwann muss man neue Reizpunkte setzen. Aber ich kann auch verstehen, dass man sich mit solchen Personalentscheidungen schwertut, schließlich hat Uwe Neuhaus die Dresdner in Liga zwei geführt.

Desktopversion des Artikels