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Freitag, 10.08.2018

„Ich bin ein Gefühlsmensch“

Martin Hoßmang spielt seit 2013 für Budissa Bautzen. Er gilt als loyal und zuverlässig. Vor einem Jahr gründete er ein Start-Up.

Martin Hoßmang bejubelt hier einen seiner Treffer für Bautzen.
Martin Hoßmang bejubelt hier einen seiner Treffer für Bautzen.

© Torsten Zettl

Fußball-Regionalliga. Seit Januar 2013 steht Martin Hoßmang bei der FSV Budissa Bautzen als Spieler unter Vertrag. Der 31 Jahre alte Sohn von Thomas Hoßmang, Budissa-Coach von 2009 bis 2011, hat inzwischen 383 Regionalliga- und Oberligaspiele in den Beinen. Auch beruflich dreht sich beim ihm vieles um den Sport.

Herr Hoßmang, drei Punktspiele sind absolviert. Wie fällt das erste Fazit aus?

Eine tolle Momentaufnahme für den gesamten Verein. Wir haben in den ersten Spielen sehr vieles richtig gemacht und waren in den entscheidenden Situationen brutal effizient. Jetzt gilt es schnell zu regenerieren, um bestmöglich für das schwierige Spiel in Potsdam vorbereitet zu sein.

Sie spielen jetzt fünfeinhalb Jahre in Bautzen. Gab es nie den Gedanken, noch einmal zu wechseln?

Mein damaliger Professor an der Berufsakademie hat mal zu mir gesagt, alle sieben Jahre sollte man den Job und die Frau wechseln. Aber Spaß beiseite, ich fühle mich in meinem Umfeld sehr wohl und habe in dieser Zeit viele tolle Menschen kennengelernt. Somit kam für mich ein Wechsel nie infrage.

Was wäre passiert, hätte Budissa 2017 beziehungsweise ein Jahr später die Spielklasse nicht gehalten?

Dieses Szenario hat sich wohl der ein oder andere außerhalb des Vereins sogar gewünscht. Wir als Spieler verschwenden daran aber keinerlei Gedanken, sondern glauben an unsere eigenen Stärken und Fähigkeiten. Zudem haben wir in Bautzen eine sehr ausgeprägte und besondere Mentalität im Team, mit der wir auch schwierige Phasen gemeinsam bewerkstelligt haben.

Wie lange planen Sie, noch im Leistungssportbereich Fußball zu spielen?

Ich bin ein Gefühlsmensch. Daher setze ich mir keine Deadline. Von größeren Verletzungen bin ich glücklicherweise bis jetzt verschont geblieben. Aber auch mich wird es irgendwann mal treffen und dann werden wir sehen.

Lassen Sie sich immer noch von Ihrem Vater beraten?

Ja klar, wir tauschen uns fast täglich aus. Er blickt immer mit einem Auge nach Bautzen. Und ich verfolge mit Begeisterung sein Engagement beim 1. FC Magdeburg. Er ist ja Nachwuchschef beim FCM und mit den A-Junioren in die Bundesliga aufgestiegen.

Sitzen Oma und Opa bei den Heimspielen noch regelmäßig auf der Tribüne?

Wir haben meinen Opa zu seinem letzten Geburtstag mit einem Smartphone ausgestattet. Aufgrund seines hohen Alters profitiert er nun von den digitalen Vorzügen und genießt sein Bier jetzt auch schon mal am Liveticker.

Was machen Sie beruflich?

Nach dem dreijährigen Studium an der Berufsakademie erhielt ich von meinem Praxispartner, der Energie- und Wasserwerke Bautzen GmbH, 2016 eine Job-Übernahme. Und bin bis heute im Netzmanagement angestellt. Außerdem habe ich im März 2017 ein Start-Up gegründet. Das Format „HeimatSportler“ bietet Freiluft-Fitnesskurse in Hoyerswerda und Bautzen. Das Functional Training steht im Vordergrund.

Was versteht man darunter?

In Deutschland wurde diese Art des Trainings vor allem durch die Fußballnationalmannschaft im Jahr 2006 bekannt. Der Fokus liegt dabei auf einem ganzeinheitlichen Training mithilfe von Kleingeräten und dem eigenen Körpergewicht, welches Bewegungen und Muskelgruppen anstatt einzelner Muskeln trainiert.

Welche Vorteile bringt das denn den Teilnehmern?

Die Einfachheit der Umsetzung ist ganz entscheidend. In unseren Kursen benötigen wir wenig Zusatzequipment und sind nicht an einen Ort gebunden. Durch den hohen Anteil an großer Muskulatur, die im Training beansprucht wird, ist das Training mit 60 Minuten sehr effizient, verbrennt enorm viele Kalorien und darüber hinaus werden verschiedene Anforderungen wie Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Schnelligkeit verbunden. Für unsere Trainer stehen das Bewegungsmuster und die Qualität der Bewegungsausführung im Fokus.

Also kann auch „Otto Normalverbraucher“ mitmachen?

Ja, klar. Nach einem ersten kostenlosen Probetraining und dem persönlichen Kennenlernen können wir für jeden einzelnen Teilnehmer die Übung relativ einfach skalieren. Wir können die Schwierigkeit der Übungen individuell erweitern oder die Koordinationsanforderungen minimieren beziehungsweise maximieren, um somit die Zielsetzung jedes Einzelnen zu erreichen. In unseren Kursen machen wir unsere Teilnehmer fit für die täglichen Anforderungen im Leben. Damit es nicht zu Überforderungen, akuten Verletzungen oder zu hohen Intensitäten führt, wird jeder durch unsere Coaches während des Trainings beobachtet und gesteuert.

Kann man Elemente der „HeimatSportler“ ins Training bei Budissa Bautzen übernehmen?

Ja, warum nicht?! Die Elemente habe ich ja nicht neu erfunden. Neben den gruppentaktischen Inhalten auf dem Platz ist jeder Spieler für seinen körperlichen Fitnesszustand auch ein Stück weit selbst verantwortlich. Und spätestens dann kommen bei mir die Elemente zur Anwendung.

Gespräch: Jürgen Schwarz