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Donnerstag, 04.01.2018

Hürden übersprungen

Die Genossenschaft will an der Waldstraße in Radeberg in Kürze mit Mehrgenerationen-Wohnen starten. Schon jetzt wird ein Name für das Projekt gesucht.

Von Jens Fritzsche

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Auf der Fläche zwischen den Wohnblöcken an der Waldstraße und dem Rand der Dresdener Heide soll noch in diesem Jahr mit dem Bau des lange geplanten Mehrgenerationen-Wohnprojekts der Radeberger Wohnungsbaugenossenschaft begonnen werden.
Auf der Fläche zwischen den Wohnblöcken an der Waldstraße und dem Rand der Dresdener Heide soll noch in diesem Jahr mit dem Bau des lange geplanten Mehrgenerationen-Wohnprojekts der Radeberger Wohnungsbaugenossenschaft begonnen werden.

© Thorsten Eckert

© Entwurf: Iproconsult Dresden

Radeberg. Nicht nur äußerlich wird dieser Bau im Radeberger Süden ein besonderer. Denn die Wohnungsbaugenossenschaft Radeberg wird auf der Fläche der einstigen Hans-Beimler-Schule zwischen Waldstraße und dem Rand der Heide nicht „nur“ ihren ersten Neubau nach der Wende realisieren, sondern das Ganze wird auch gleich noch ein Mehrgenerationen-Wohnprojekt. Das gibt es bisher in der Region um Radeberg noch nicht. Und was es bisher auch noch nicht gab: Die Genossenschaft wird dem Haus einen Namen geben; und hofft auf möglichst viele Vorschläge der Radeberger.

„Wir warten noch auf die Baugenehmigung, wollen aber in Kürze mit den Ausschreibungen für die Bauarbeiten beginnen“, freut sich Genossenschafts-Chefin Susann Sembdner, dass das Projekt nach wirklich zähem Ringen endlich realisiert werden kann. Der Stadtrat hatte jüngst auf das notwendige symbolische grüne Licht geschaltet, nun wartet Susann Sembdner auf die Post aus dem Landratsamt mit der Genehmigung zum Bau. Große Probleme dürften da aber nicht mehr zu erwarten sein; alle sich mitunter auch unerwartet aufbauenden Hürden sind übersprungen.

Denn schon längst hätte die Genossenschafts-Chefin gern die Einladungskarten für den ersten Spatenstich drucken lassen. Immerhin seit 2009 hofft Susann Sembdner auf eine Realisierung dieses anspruchsvollen Projekts, in dem nun 40 unterschiedlich große Wohnungen in einem Gebäudekomplex entstehen werden. Hier werden dann Mieter unterschiedlicher Generationen gemeinsam leben. Und sollen sich gegenseitig unterstützen, so die Grundidee. „Ohne Zwang natürlich, das soll alles von allein wachsen“, macht die Genossenschafts-Chefin klar. Junge Familien mit Kindern zum Beispiel könnten sich um die Einkäufe für ältere Mitbewohner kümmern – während die Senioren dann im Gegenzug auf die Kinder aufpassen, wenn die Eltern mal länger arbeiten müssen.

Zehn-Jahres-Frist ist abgelaufen

Schnell war dabei Anfang 2009 das Areal ins Blickfeld gerückt, auf dem 2008 die leerstehende Schule samt der morschen Turnhalle abgerissen worden war. Doch da dieser Abriss mit gut einer halben Million Euro sächsischer Fördermittel realisiert worden war, durfte die Fläche zehn Jahre lang nicht bebaut werden. Es sei denn, der Bauherr zahlt in diesen zehn Jahren einen Teil der Fördermittel zurück. Diese Rückzahlsumme schrumpft dabei von Jahr zu Jahr, das Projekt wurde also quasi damit auch von Jahr zu Jahr machbarer. So gesehen hatte die Verzögerung sogar ihr Gutes, denn mit dem Silvesterfeuerwerk ist die Zehn-Jahres-Frist quasi so gut wie abgelaufen. Allerdings war nicht unbedingt das Geldproblem ausschlaggebend. Schließlich hat sich das wohl längst durch regelrecht explodierte Baupreise „ausgeglichen“. Heißt, es wäre am Ende wohl preiswerter gewesen, einen Teil der Fördermittel zurückzuzahlen. Aber das hätte nichts genützt, denn die erwähnten bürokratischen Hürden schoben den Baustart ohnehin immer wieder in die Ferne. Zuletzt hatte eben auch das Landratsamt mit einem Einwand noch einmal für jede Menge Schweißperlen gesorgt. Denn obwohl auf dem der Stadt Radeberg gehörenden Areal wie erwähnt eine Schule samt Turnhalle gestanden hatte, gehörte die Fläche nach dem Abriss aus Sicht des Landratsamtes plötzlich zum sogenannten Außenbereich. Ein Bereich, in dem nur in Ausnahmefällen und zudem mithilfe eines extra auf den Weg gebrachten Bebauungsplans gebaut werden darf. Also gingen Genossenschaft und Stadt gemeinsam auch noch diese Hürde an – und übersprangen sie. Aber das kostete eben alles wertvolle Zeit. Zeit, die nun zu einem weiteren Problem führen könnte. Denn es fällt wegen des aktuellen Bau-Booms immer schwerer, Baufirmen zu finden, die zum einen noch freie Plätze in ihrem Auftragsbuch haben und die zum anderen auch noch Preise verlangen, die zumindest einigermaßen annehmbar sind. Denn neben den rasant gestiegenen Baustoff-Preisen hat die enorme Nachfrage nach Bauleistungen auch die Baupreise regelrecht explodieren lassen. „Wir sind dennoch optimistisch, alles hinzubekommen, auch im finanziellen Rahmen“, sagt die Radeberger Genossenschafts-Chefin.

Das Projekt steht jedenfalls. Insgesamt sechs Architekturbüros hatten ihre Entwürfe für den Bau eingereicht. Die Wahl fiel letztlich auf den Vorschlag des Dresdner Büros Iproconsult. „Ich finde, der Siegerentwurf passt auch optisch sehr gut auf die Fläche zwischen der Dresdner Heide und den Wohnblöcken an der Waldstraße“, klingt Susann Sembdner zufrieden. Und wird nun also demnächst endlich auch die Einladungen für den ersten Spatenstich drucken lassen können.

Namensvorschläge für den Bau nimmt die Wohnungsbaugenossenschaft noch bis Ende Januar entgegen: [email protected]