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Donnerstag, 14.06.2018

Hochspannungsmasten verschwinden

Die Enso Netz hat in den letzten Jahren im Osterzgebirge ihr Hochspannungsnetz erneuert. 257 alte Masten verschwinden dafür.

Von Franz Herz

Josef Grotz von der Firma Spie überwacht das Aufrollen der alten Leiterseile beim Abbau der Hochspannungsleitung von Berreuth zum Umspannwerk Ulberndorf.
Josef Grotz von der Firma Spie überwacht das Aufrollen der alten Leiterseile beim Abbau der Hochspannungsleitung von Berreuth zum Umspannwerk Ulberndorf.

© Egbert Kamprath

Dippoldiswalde/Altenberg. Die Landschaft im Osterzgebirge wird wieder ein Stück schöner. Die Enso Netz GmbH hat seit 2014 alle Hochspannungsleitungen zwischen Dresden, Dippoldiswalde-Ulberndorf und Altenberg erneuert. Dabei hat sie 120 Masten neu errichtet und 257 alte abgebaut. Damit ist die komplette Leitung, die über Kreischa, Oelsa und Ruppendorf nach Ulberndorf führte, überflüssig geworden. Seit vergangenem Jahr läuft hier der Abbau. Die letzten Masten fallen in diesen Tagen zwischen Berreuth und dem Umspannwerk Ulberndorf. In den nächsten Wochen werden die letzten elf von Ulberndorf in Richtung Altenberg folgen. Bis zum Herbst sollen die Arbeiten komplett abgeschlossen sein, erwartet Carsten Protze, der bei der Enso Netz GmbH für das Hochspannungsnetz verantwortlich ist.

Der schwierigste Abschnitt bei dem Abbau ist der in Ulberndorf. Hier begannen die Arbeiten am Dienstag. Dort steht ein Mast auf der Höhe über der Roten Weißeritz. Von diesem spannen sich acht Leiterseile über die Rote Weißeritz, die Bundesstraße B 170 und die Weißeritztalbahn bis zum letzten Mast vor dem Umspannwerk.

Die Aufgabe ist, die Leitung auf den Boden zu holen ohne aufwendige Verkehrssperrungen. Denn das Seil, das bis vor Kurzem noch den Strom durchgeleitet hat, sieht in der Luft ganz dünn aus. Es ist aber ein Drahtseil mit rund zwei Zentimeter Durchmesser und wiegt pro Meter rund ein Kilogramm. Der Abstand zwischen beiden Masten beträgt 240 Meter. Es geht also um ein enormes Gewicht, das keinesfalls auf die Straße oder die Bahnstrecke fallen darf.

Wenn die Monteure das Drahtseil herausziehen, wird am anderen Ende ein leichteres Textilseil angehangen, vergleichbar dem, wie es Bergsteiger verwenden. Das ist schon viel leichter, darf aber immer noch nicht runterfallen. Schließlich befestigen die Monteure daran eine Kordel aus Plastik. Die reicht noch, um das Textilseil in der Luft zu halten, ist aber leicht genug, um keinen Schaden anzurichten, wenn sie runterfällt. Zuletzt werden diese beiden Seile direkt über der B 170 voneinander getrennt. Das Textilseil fällt zur Seite weg, in den Fluss und zwischen die Bäume am Weißeritzhang, wo es keinen Schaden anrichtet. Das leichte Plastikband flattert in einen Garten und auf das Bahngleis. So läuft das für jedes der acht Seile auf den Masten.

Derart aufwendig werden die Leiterseile nur an wenigen Stellen abgebaut. Auf dem freien Feld können sie unbesorgt auf den Boden fallen, ohne dass jemand dabei gefährdet wird. Ähnlich läuft es auch mit dem Rückbau der Masten. Auf dem Feld geht das schnell. Dort wird ein Seil angehängt, die Stützen angesägt und der Mast umgezogen, erläutert Uwe Fritsche, der für die Enso die Abbauarbeiten begleitet. Dann werden die Gittermasten kleingesägt und abtransportiert.

Mitten in Ulberndorf ist auch dieser Arbeitsschritt wieder aufwendiger. Hier wird ein Kran kommen, und dann werden Teile der Masten abgesägt, jeweils so groß, dass sie der Kran noch halten kann. Die hebt der Kran auf den Boden, wo sie weiter zerkleinert werden.

Danach brechen die Bauleute noch die Betonfundamente aus dem Boden, füllen die Löcher mit Mutterboden, säen Gras oder pflanzen Bäume an. Dann sieht niemand mehr, dass an über 250 Stellen im Osterzgebirge einmal Gittermasten für die Stromversorgung standen.

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