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Freitag, 15.06.2018

Hinter der Adler-Fassade

Das Therapie- und Pflegezentrum Westlausitz hält am Königsbrücker Gesundheitszentrum fest. Mit Bewegungsbad.

Von Ina Förster

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Die Baufirmen haben in den letzten Wochen mühsam den Betonfußboden in der ersten Etage neu gegossen. Und das per Hand. Zwei weitere folgen in den kommenden Monaten. Bis dann endlich ein neuer Dachstuhl auf ein sicheres Fundament gestellt werden kann. Die statischen Voraussetzungen müssen her. Daran war nichts zu rütteln.
Die Baufirmen haben in den letzten Wochen mühsam den Betonfußboden in der ersten Etage neu gegossen. Und das per Hand. Zwei weitere folgen in den kommenden Monaten. Bis dann endlich ein neuer Dachstuhl auf ein sicheres Fundament gestellt werden kann. Die statischen Voraussetzungen müssen her. Daran war nichts zu rütteln.

© Matthias Schumann

Auf den Ruinen des bereits abgerissenen Saales im Hinterland entsteht das eigentliche Gesundheitszentrum. Und auch genügend Parkplätze soll es künftig hinterm Adler geben.
Auf den Ruinen des bereits abgerissenen Saales im Hinterland entsteht das eigentliche Gesundheitszentrum. Und auch genügend Parkplätze soll es künftig hinterm Adler geben.

© Matthias Schumann

Königsbrück. Wo Gesundheitszentrum dran steht, soll in den nächsten Jahren auch wirklich Gesundheitszentrum drin sein. Norman Lindemann, Geschäftsführer des Therapie- und Pflegezentrums Westlausitz, hat noch immer einen Plan. Auch wenn es nach außen manchmal etwas still geworden scheint um das Projekt „Adler“ in Königsbrück. Das alte Gasthaus der Stadt samt Saal befindet sich seit 2009 im Besitz des Kamenzer Unternehmers. Er hat es ersteigert. Mit ambitioniertem Vorhaben. Doch hinter den Kulissen läuft der Umbau des Areals für manch einen Betrachter von außen eher zögerlich ab.

Dabei geht es voran hinter der Fassade. Wenn auch in kleinen Schritten. Was den vielen mühsamen Arbeitsschritten zuzuschreiben ist, die hier explizit mit der Hand verrichtet werden müssen. Schweres Baugerät kann noch immer nicht zum Einsatz kommen. Grund dafür ist vor allem der Denkmalschutz, welcher dem Bauherren in den letzten Jahren immer wieder Einhalt gebot. „Wir haben dadurch natürlich sehr viele Auflagen erhalten. Bauanträge waren schwer zu stellen. Der alte Dachstuhl sollte beispielsweise anfangs erhalten werden. Damit gab es Schwierigkeiten“, erzählt Norman Lindemann. Auch der allgemeine Zustand des alten Gemäuers war schlechter als ursprünglich angenommen.

Kein Einzelfall bei denkmalsgeschützten Objekten, die in die Zwangsversteigerung geraten. Die Bauleute entkernten 2017 das Gebäude, deckten das Dach ab und wollten eigentlich mit der Sanierung des Daches beginnen. Doch die Arbeiten in dem alten Haus brachten Überraschendes zutage: Der Dachstuhl und die Balken waren komplett zerfressen. „Wir haben dann den Abriss beantragt, was dann endlich erst im Herbst letzten Jahres mit allen Genehmigungen und veränderten Anträgen in Sack und Tüten war“, so Lindemann.

Dachstuhl machte Probleme


Das Therapie- und Pflegezentrum Westlausitz will den einst glanzvollen Vorzeige-Gasthof zu einem modernen Gesundheitszentrum mit Wohnungen und Therapie- sowie Fitnesscenter umbauen. Mittlerweile ist sogar ein kleines Bewegungsbad für Kurse in der Planung. Ein Traum, den Norman Lindemann den Königsbrückern nur allzu gern erfüllen möchte. „Wir haben am Anfang in die Runde gefragt, was sich die Einwohner wünschen, woran es in der Stadt fehlt. So kamen diese konkreten Vorstellungen zustande“, sagt der 40-Jährige.

Auch Gewerbe- oder Praxis-Einheiten sollen entstehen, wenn die Nachfrage da ist. Alternativ dazu könnten aber auch behindertengerechte Wohnungen gebaut werden. Hier ist noch einiges offen. Man möchte sich danach richten, welche konkreten Nachfragen letztendlich bestehen.

Der Kamenzer, der mit seinem Therapie- und Pflegzentrum mittlerweile auch an den Standorten Kamenz, Ohorn, Schwepnitz sowie Steina präsent ist, gründete ursprünglich sein Unternehmen in Königsbrück. An der Dresdner Straße 1 betreibt er bereits seit elf Jahren mit Erfolg ein Therapiezentrum. Der große Firmensitz in der Lessingstadt wurde und wird ebenfalls kontinuierlich ausgeweitet. Gerade eben baut man sechs neue Wohnungen für die Schwerbetroffenenpflege am Bauhofgässchen aus. Im ehemaligen Saal der SED-Kreisleitung an der Oststraße ist ebenfalls zudem ein Bewegungsbad für die Kamenzer geplant. Der Besitzer der Immobilie ist mit Norman Lindemann im Gespräch dazu. Die Bauleistungen fürs Bad sollen vom Eigentümer getragen werden.

„Der Adler in Königsbrück aber liegt mir persönlich ebenfalls sehr am Herzen. Deswegen sind wir hier am Standort auch einige Kompromisse eingegangen“, meint er. Wie beispielsweise den schrittweisen Ausbau in mehreren Schalungs-Abschnitten. „Die Baufirmen haben in den letzten Wochen mühsam den Betonfußboden in der ersten Etage neu gegossen. Und das per Hand. Zwei weitere folgen in den kommenden Monaten. Bis dann endlich ein neuer Dachstuhl auf ein sicheres Fundament gestellt werden kann. Die statischen Voraussetzungen müssen her. Daran war nichts zu rütteln.„Die Sanierung des Daches soll bestmöglich 2019 geschehen. Auch die Fassade ist dann an der Reihe und die neuen Fenster. Sukzessive kann anschließend mit dem Innenausbau begonnen werden“, so Norman Lindemann.

Straßensanierung kommt entgegen


Das alte Gasthaus, in dem einst rauschende Feste gefeiert wurden, bleibt also im Prinzip nur noch in seinen Mauern erhalten. Alles andere muss abgerissen und denkmalgerecht wieder aufgebaut werden. Man rechnete bereits im August 2016 mit Investitionen von zwei Millionen Euro für den Umbau, die Ausstattung wäre noch obendrauf gekommen. Diese optimistische Planung musste Norman Lindemann wohl längst über den Haufen werfen. Gut, dass er trotzdem am Ball bleibt.

Günstig im Bauablauf ist der Ausbau der Curt-Tausch-Straße in Königsbrück, der im Spätsommer beginnen soll. Hier verlegt der Abwasserzweckverband bis Ende des Jahres neue Medien. Eine Kanalsanierung mit Straßendeckenerneuerung ist geplant. Die vermehrten Straßeneinbrüche in den letzten Jahren, die durch Schadstellen an der Kanalisation verursacht wurden, zwingen den AZV Königsbrück dazu. „Das ist günstig für unsere künftigen Hausanschlüsse“, meint Lindemann. Auf den Ruinen des bereits abgerissenen Saales im Hinterland entsteht das eigentliche Gesundheitszentrum. Und auch genügend Parkplätze soll es künftig hinterm Adler geben.

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