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Mittwoch, 12.09.2018

Hilfe für die Helfer

Lokale Überschwemmungen werden häufiger. In Glashütte wird nun auf ganz besondere Weise Vorsorge getroffen.

Von Maik Brückner

Ronny Kühnel zeigt, wie schnell sich Sandsäcke füllen lassen. Uta Schneider (li.) ist überrascht. Beim nächsten Hochwasser will sie aber trotzdem auf andere Weise helfen. Kerstin Lehmann indes ist froh, dass ihre Werbeaktion so erfolgreich anlief.
Ronny Kühnel zeigt, wie schnell sich Sandsäcke füllen lassen. Uta Schneider (li.) ist überrascht. Beim nächsten Hochwasser will sie aber trotzdem auf andere Weise helfen. Kerstin Lehmann indes ist froh, dass ihre Werbeaktion so erfolgreich anlief.

© Egbert Kamprath

Schlottwitz. Uta Schneider staunt. „So schnell lässt sich ein Sandsack füllen?“ Ronny Kühnel nickt. Eine Rohrfüllung passt genau in einen Sandsack hinein, erklärt Kühnel. Er ist Ortswehrleiter von Schlottwitz und zeigt auf die rohrförmige Handschaufel. Beim nächsten Hochwasser wird diese ganz sicher wieder zum Einsatz kommen. Heute ist die Schaufel nur dazu da, um sie den Schlottwitzern zu zeigen. Denn die Feuerwehr ist auf einer ganz speziellen Werbetour. Sie möchte Freiwillige finden, die sie bei Hochwasser unterstützen.

Uta Schneider erklärte sich als Erste bereit. Allerdings würde sie nicht Sandsäcke füllen, sagt sie. Die Schlottwitzerin, die die Grundschule in Glashütte leitet, würde Kinder betreuen oder Botengänge übernehmen. „Ich kenne mich in Schlottwitz gut aus“, sagt sie. Sie ist nicht die Einzige, die sich an diesem Abend als Helferin registrieren lässt. Insgesamt sind es acht.

Ortswehrleiter Kühnel ist zufrieden. Damit hat er nicht gerechnet. So geht es auch Kerstin Lehmann. Sie arbeitet an der Technischen Universität Dresden und hat die Werbeaktion initiiert und mit vorbereitet. Zuvor hat sie sich im Rahmen des Projektes „Vereint“ über Monate zusammen mit anderen Forschern der TU mit den Hochwasserereignissen in Glashütte beschäftigt. Das Ziel der Initiative ist es, Ideen zu sammeln, wie besser auf extreme Wetterlagen reagiert werden kann. Denn trotz Dämmen wird der Mensch die Wassermassen nicht komplett beherrschen, erklärt Dr. Jens Grundmann vom Forscherteam.

Sollte das Glashütter Projekt, das 2019 abgeschlossen sein wird, glücken, könne man das auch auf andere Kommunen übertragen, sagt Frau Lehmann. Die Erfahrungen aus Glashütte lassen sich übertragen. Denn nicht nur im Müglitztal müsse man damit rechnen, dass innerhalb weniger Minuten starke Niederschläge zu Überschwemmungen führen, auch andernorts bestehe diese Gefahr. Die Feuerwehr ist zwar schnell da, um Keller auszupumpen oder Geröll von Straßen und Gleisen zu räumen. Allerdings fehlen der Feuerwehr Helfer. Das hat die Auswertung vergangener Hochwasserereignisse gezeigt.

Der frühere Schlottwitzer Ortsvorsteher Walter Worsch bestätigte das am Rande der Werbetour. Er erinnert sich an die dramatischen Tage im August 2002, als Schlottwitz in den Fluten der Müglitz versank, Keller und Wohnungen vollliefen, Straßen und Gärten zerstört wurden. Die Bilder gingen um die Welt. „Dann setzte die Flut nach der Flut ein“, erklärt er. Aus ganz Deutschland kamen Leute. Es war sehr schwer gewesen, die Helfer zu lenken. Denn mit einer so großen Unterstützung hatte niemand gerechnet. Die Helfer mussten angeleitet und versorgt werden. Das zu organisieren, sei sehr schwer gewesen. Beim nächsten Hochwasser sollte man besser darauf vorbereitet sein, sagt Kerstin Lehmann. Dabei sollen Freiwillige wie Uta Schneider helfen.

In den nächsten Wochen soll die Werbetour in anderen Ortsteilen fortgesetzt werden. Ein paar Anforderungen müssen die Helfer erfüllen, erklärt Lehmann. Sie müssten bereit sein, freiwillig, gemeinwohlorientiert und unentgeltlich tätig zu sein. Sie dürfen nicht im Katastrophenschutz beschäftigt sein und müssen sich in einer Datenbank erfassen lassen. Dort wird auch dokumentiert, welche Aufgaben sie übernehmen wollen. Das reicht von Reparaturarbeiten, Boten- und Fahrdiensten über Sandsackfüllen und Lebensbittelausgabe bis hin zum Beobachten von Wetterverläufen und Eintragen von Schäden. Wer sich als Helfer registrieren lässt, wird im Bedarfsfall angefordert. Arbeitsgeräte wie Schaufeln und Schreibblöcke stellt die Feuerwehr, den Versicherungsschutz übernimmt die Stadt, erklärt Lehmann.

Um die Helfer aus den einzelnen Orten miteinander bekannt zu machen und um ein Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen, soll es jährliche Treffen geben. So soll ein Netzwerk entstehen, sagt Lehmann. Wichtig sei, dass die Daten der Helferdatei gepflegt werden, damit diese aktuell sind.