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Donnerstag, 09.08.2018

Hier wird kein alltägliches Glas produziert

Die Manufaktur in Tschernitz fertigt Solar- und Spezialglas. Demnächst lässt sie Besucher hinter ihre Kulissen blicken.

Von Jost Schmidtchen

Über die Manufaktur

Ein Blick auf den Standort der Glasmanufaktur Brandenburg in Tschernitz. 288 Mitarbeiter sind hier beschäftigt.
Ein Blick auf den Standort der Glasmanufaktur Brandenburg in Tschernitz. 288 Mitarbeiter sind hier beschäftigt.

© Jost Schmidtchen

Tschernitz. Gastgeber für eine Gesprächsrunde des Bundesverbandes Mittelständische Wirtschaft (BVMW) war jüngst die Glasmanufaktur Brandenburg (GMB) GmbH in Tschernitz. Deren Geschäftsführer Torsten Schroeter erinnerte dabei an die Entwicklung des Industriestandorts und stellte das heutige Produktionsprofil vor.

Über die Manufaktur

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Photovoltaik-Glas löst Bildröhren ab

Zu DDR-Zeiten fertigten im benachbarten Glaswerk Friedrichshain etwa 1000 Mitarbeiter an zwei Produktionslinien Bildröhren für Fernsehgeräte. Das deckte den Bedarf aber nicht. 1981 erfolgte die Grundsteinlegung für ein neues Werk am Standort Tschernitz, 1984 war Inbetriebnahme. 1994 kaufte „Samsung Corning“ das Werk von der Treuhand. 2007 endete die Bildröhrenproduktion; „Samsung Corning“ zog sich aus Tschernitz zurück. Das inhabergeführte Unternehmen „Inter Float Corporation“ mit Sitz in Liechtenstein wurde auf das Glaswerk aufmerksam. Man suchte einen Produktionsstandort zur Herstellung von Glas für Photovoltaikanlagen. Das war für Tschernitz der sofortige Neubeginn.

Mehr als ein Dutzend Glasstrukturen produziert


Für die Entscheidung von „Inter Float Corporation“ zugunsten von Tschernitz dürfte das vorhandene Fachkräftepotenzial vor Ort maßgebend gewesen sein. Am 3. September 2008 lief die neue Glasproduktion an – zugleich ein Neubeginn für die Glasarbeiter aus Tschernitz, Döbern und Weißwasser. In die Glasmanufaktur flossen seit dem Neubeginn 75 Millionen Euro an Investitionen. Inzwischen werden dreizehn verschiedene Glasstrukturen produziert. Sie haben eine Durchlässigkeit von 92 Prozent des Sonnenlichts. 2015 erfolgte der Markteinstieg in die Gewächshausglasproduktion. Sie macht zehn Prozent der Gesamtproduktion aus und wird derzeit auf 20 Prozent erweitert. Das Gewächshausglas ermöglicht durch Beschichtung einen 95-prozentigen Sonnenlichtdurchlass, damit wird eine gleichmäßige Lichtstreuung im Gewächshaus erreicht.

Wasser aus der Neiße

2017 wurden in der GMB 8,2 Millionen Quadratmeter Glas produziert. Dazu waren 141,6 kWh Gas, 78,5 kWh Elektroenergie und 156000 Kubikmeter Wasser, welches durch eine 18 Kilometer lange Rohrleitung aus der Neiße herangeführt wird, erforderlich. Zwei separate Zwölf-MW-Einspeisungen aus Döbern und Krauschwitz sichern den Energiebedarf. 288 Mitarbeiter arbeiten im Werk, überwiegend im durchgehenden Schichtbetrieb. Der Anteil männlicher Mitarbeiter ist dominant; Frauen sind teilweise im Controlling, der Verpackung und Verwaltung tätig. Reine Frauendomäne ist das Labor.

Am 2. September ist Tag der offenen Tür


Die hochautomatisierten Fertigungsprozesse im Werk blieben viele Jahre lang Betriebsgeheimnis. Das hat sich inzwischen grundlegend geändert. „Wir suchen auf Ausbildungsmessen Azubis. Deshalb laden wir Schulklassen zu Betriebsbesichtigungen ein. Wer wird sich denn in einem Unternehmen bewerben, welches er nur von draußen kennt?“, sagte Torsten Schroeter. Bislang wurden 15 ausgebildete Jungfacharbeiter übernommen, fünf Azubis sind in der Ausbildung. Gefragte Berufe sind Mechatroniker, Industriemechaniker, Betriebselektroniker und Verfahrensmechaniker. Am 2. September wird es zum zweiten Mal einen Tag der offenen Tür bei der Glasmanufaktur Brandenburg geben. Neu ist auch die Zusammenarbeit der Tschernitzer mit der TU Bergakademie Freiberg und der BTU Cottbus-Senftenberg für gemeinsame Forschungen.