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Freitag, 15.06.2018

„Hier ist sehr viel Herzblut dabei“

Seit einem Jahr ist René Althaus (rechts) Trainer der Oberliga-Frauen des SC Hoyerswerda. Unterstützt wird er jetzt vom Co-Trainer Damian Reichert (31). Mit einem kleinen Kader gelang im Mai der Klassenerhalt.Foto: Hagen Linke
Seit einem Jahr ist René Althaus (rechts) Trainer der Oberliga-Frauen des SC Hoyerswerda. Unterstützt wird er jetzt vom Co-Trainer Damian Reichert (31). Mit einem kleinen Kader gelang im Mai der Klassenerhalt.Foto: Hagen Linke

Mit einem Herzschlagfinale hat sich die Mannschaft des SC Hoyerswerda in der Mitteldeutschen Handball-Oberliga der Frauen den Klassenerhalt gesichert. Der 19:18-Erfolg gegen den SV Koweg Görlitz im letzten Saisonspiel konnte in der Schlussminute gesichert werden. Trainer René Althaus, der nach 15 Jahren im männlichen Nachwuchshandball seine erste Saison als Frauentrainer absolviert hat, sagt im TAGEBLATT-Interview, was ihm gefallen hat und wo er noch Reserven sieht.

René, hat die erste Saison als Frauentrainer Spaß gemacht?

Ja, sehr. Es war eine Entwicklung auch für mich. Es ist schon etwas anderes als das Training mit Jungs. Man muss es etwas anders gestalten. Aber trotz der Höhen und Tiefen hat es viel Spaß gemacht.

Ziel war der Klassenerhalt. Am Ende war es sehr eng. Wie viele Steine sind vom Herzen gefallen?

Ich glaube, es waren Felsbrocken. Görlitz war ein Nervenspiel und hinterher fiel die Anspannung runter, da bin ich erst mal in ein Loch gefallen. Ich hab mich sehr gefreut für die Mädels. Es hat mit uns keiner mehr zum Ende der Hinrunde gerechnet, dass wir noch mal über dem Strich sind. Man muss einfach den Hut ziehen, was die Mädels auf die Platte gebracht haben.

Warum lief es denn nach einem ordentlichen Saisonstart zwischenzeitlich nicht so wie gewünscht?

Wir haben viel überlegt, wo der Knackpunkt sein könnte. Das Training ist genauso gelaufen wie in den Wochen zuvor. Natürlich ist es immer schwierig, aus so einem Loch herauszukommen. Je tiefer man fällt, umso schwieriger ist es, hochzukraxeln. Wir haben unser Konzept weiter durchgezogen. Vor allem in der Saisonschlussphase lief es sehr gut, wobei sogar noch mehr möglich war.

Zum Beispiel?

Beim Tabellenzweiten THC haben wir zwar verloren, aber eine so beeindruckende zweite Halbzeit gespielt, nachdem wir die erste etwas verpennt hatten. Und wir hatten oft Personalprobleme. Beim SV Halle-Neustadt waren wir mit nur sieben Feldspielerinnen und einer Torhüterin. Aber die Mannschaft hat gekämpft. Im wichtigen vorletzten Spiel in Zwickau lagen wir sieben Minuten vor Schluss mit zwei Toren hinten und gewinnen noch. Keine Ahnung, wo sie die Kraft hergenommen hat.

Was war am Ende ausschlaggebend für den Klassenerhalt?

Das Team. Wir haben auf die Älteren und jüngere Spielerinnen gesetzt. Die älteren haben Verantwortung übernommen und die jungen sich gut entwickelt. Was die Mannschaft macht, ist schon Wahnsinn. Das habe ich in keinem anderen Bereich bisher so gesehen. Nicht nur, wie es im Training läuft. Die bauen an Spieltagen vorher mit auf und nachher mit ab, sie helfen beim Brötchenschmieren. Und es macht jeder was in der Truppe. Das ist ausschlaggebend für den Erfolg.

Was kann man noch besser machen in der nächsten Saison?

Wie haben dieses Jahr schon versucht, auf allen Positionen torgefährlich zu sein. Das hat am Ende gut geklappt. Da müssen wir weiter dranbleiben, denn dann muss der Gegner anders arbeiten. Wir müssen ein bisschen mehr im Athletikbereich arbeiten und im Kontergegenstoßverhalten. Denn das sind die einfachen Tore. In der Deckung sehe ich eher kein Problem. Da haben wir gut gestanden.

Wie schwer wird es, den doch kleinen Kader erweitern zu können?

Es werden Gespräche geführt mit Spielerinnen. Es fällt aber schwer, für die 4. Liga jemanden nach Hoyerswerda zu locken. Wir können im Endeffekt kein Geld, aber eine Familie und einen intakten Verein bieten. Und wir können den jüngeren Spielern das mitgeben, was sie vielleicht mal in der dritten oder zweiten Liga brauchen. Ich habe in meinem ersten Jahr deutlich gespürt: Hier ist sehr viel Herzblut dabei.

Das heißt, es muss von unten wachsen?

Ja, wie in den Jahren zuvor auch. Spielerinnen wie Laura Rosemann oder Lotti Schöps sind durch den gesamten Verein gegangen. Dieses Jahr hatten wir ein paar Spielerinnen aus der B-Jugend dabei. Wir müssen da dranbleiben, damit wir eine Entwicklung haben. Deswegen ist es schön, dass ich in den Sportklassen des Foucault-Gymnasiums mit das Training übernehme.

Welche Veränderungen gibt es im Umfeld?

Damian Reichert ist als Co-Trainer dabei. Er kommt vom HV Ruhland Schwarzheide, hat uns schon seit Februar unterstützt und bereits acht Jahre im Frauenhandball gearbeitet. Das hilft uns sehr.

Wie lautet das Ziel im fünften Jahr in der Mitteldeutschen Oberliga?

Ganz klar, der Klassenerhalt. Wir haben drei Aufsteiger. Die Liga ist stärker geworden. Die Vereine schauen sich nach Spielerinnen aus den Mannschaften um, die abgestiegen sind. Wir wissen noch nicht, ob die Oberliga weiter reduziert wird und es damit wieder so viele Absteiger geben wird. Das erfahren wir erst bei der Staffeltagung Ende des Monats. Wenn wir aber weiter so arbeiten, können wir wieder über dem Strich sein.

Wann beginnt die Saisonvorbereitung?

Wir haben nach einem Monat Urlaub wieder angefangen. Einige Spielerinnen haben noch frei. Wir trainieren zusammen mit der zweiten Mannschaft, um eine einigermaßen volle Halle zu haben. Mitte/Ende Juli geht’s dann richtig los.

Gespräch: Hagen Linke

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