• Einstellungen
Mittwoch, 07.11.2018

Heimbewohner bekommen Einzelzimmer

Hinter dem Awo-Zentralhospital in Görlitz soll ein dreigeschossiger Anbau entstehen. Ins Haupthaus zieht auch eine Tagespflege.

Von Ingo Kramer

Die Baracken am Lutherplatz hinter dem Awo-Zentralhospital sollen einem Neubau weichen. Ob sie abgerissen oder umgesetzt werden, ist noch nicht geklärt.
Die Baracken am Lutherplatz hinter dem Awo-Zentralhospital sollen einem Neubau weichen. Ob sie abgerissen oder umgesetzt werden, ist noch nicht geklärt.

© Pawel Sosnowski/pawelsosnowski.c

Die Architekturstudenten der TU Wroclaw sind fertig. „Sie haben acht verschiedene Entwürfe für unseren geplanten Neubau hinter dem Zentralhospital auf der Krölstraße erstellt“, sagt Dirk Reinke, Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt (Awo), Kreisverband Oberlausitz. Auch die Stadträte im Technischen Ausschuss bekamen kürzlich die Entwürfe zu sehen. Unter den acht Vorschlägen habe es eine moderne Variante gegeben, die ihnen gefallen hat: „Wir haben ein einstimmiges Votum dafür abgegeben“, sagt einer der Stadträte. Eine echte Abstimmung sei das aber nicht gewesen: „Am Ende entscheidet der Bauherr.“

Das ist nun passiert. „Wir haben uns für keinen der acht Entwürfe entschieden, sondern bleiben bei der Variante, die unser Architekt entworfen hat“, sagt Reinke. Dabei sei die Optik zum Teil ganz interessant gewesen, das war nicht das Problem. „Allerdings entsprachen die Entwürfe nicht der Funktionalität, die wir benötigen“, sagt Reinke. Sprich: Die Wege waren viel zu lang, die Anordnung der Räume ungeeignet: „Da war nichts enthalten, was wir in unsere Pläne einfließen lassen können.“

Die sind mittlerweile ziemlich gereift. „Wir hoffen, dass wir im Jahr 2020 mit dem Bau beginnen können“, sagt Reinke. Das Problem: Das Zentralhospital wurde zuletzt 1996 bis 1998 saniert – auf dem damaligen Standard. Gut 20 Jahre später muss erneut saniert werden. Derzeit bietet die vollstationäre Pflege 80 Plätze in 16 Einzelzimmern und 32 Doppelzimmern. Das entspricht nicht mehr dem heutigen Standard. Künftig soll es keine Doppelzimmer mehr geben, sondern 80 bis 84 Einzelzimmer. Die Anzahl der Heimplätze steigt also nicht. Außerdem müssen der ambulante Pflegedienst und die Verwaltung bisher mit sehr beengten Verhältnissen klar kommen – und eine Tagespflege gibt es überhaupt noch nicht. All diese Punkte haben die Awo veranlasst, über eine Vergrößerung nachzudenken. Das 1863 eröffnete Zentralhospital ist aber denkmalgeschützt, kann also nicht einfach aufgestockt werden. Und den Standort Krölstraße verlassen will die Awo auch nicht: „Die Lage im Stadtzentrum ist sehr attraktiv für uns“, sagt Reinke.

Also bleibt nur ein Neubau auf dem großen Außengelände hinter dem Zentralhospital. Er soll dreigeschossig sein und eine kleinere Grundfläche haben als der Altbau: „So bleibt die Dominanz des viergeschossigen Zentralhospitals erhalten.“ Auch, wo der Neubau errichtet wird, steht fest: Direkt am Lutherplatz – da, wo jetzt noch die grüne Baracke steht. Als diese Pläne Anfang des Jahres erstmals bekannt wurden, kritisierte der im Denkmalschutz aktive Verein Stadtforum Görlitz das Vorhaben. Die Baracke sei zwar unscheinbar, „trotzdem aber voller denkmalpflegerischer Brisanz“, sagte damals Vorstandsmitglied Thomas Göttsberger. Und weiter: „Wir vermuten, dass es sich möglicherweise um eine von der Nieskyer Firma Christoph & Unmack gefertigte Baracke handelt. Das ist die Firma, die im engsten Zusammenhang mit dem Wachsmannhaus und der Holzhaussiedlung in Niesky und weiteren Denkmalen in Holzbauweise in der Region steht.“

Reinke stellt nun einen Kompromiss in Aussicht: „Eventuell wird die Baracke nicht abgerissen, sondern umgesetzt.“ Wohin, ist aber noch unklar. Die Gespräche mit der Unteren Denkmalschutzbehörde zu diesem Thema laufen noch. „Dass sie bei uns weg muss, ist aber klar“, sagt er. Erhalten bleibt hingegen die denkmalgeschützte Mauer am Lutherplatz. Auch die Garten- und Parkanlage auf dem Grundstück soll möglichst wenig angetastet werden.

Die Awo plant drei Bauabschnitte. Zuerst soll der Neubau als seitlicher Anbau an das Hauptgebäude errichtet werden. Mehr als die Hälfte der Heimbewohner zieht dorthin um. Im zweiten und dritten Bauabschnitt werden dann die beiden Flügel des Altbaus nacheinander saniert. Einer davon ist auch künftig für die stationäre Pflege vorgesehen, in den anderen ziehen die Verwaltung, der ambulante Pflegedienst – und eine neue Tagespflege mit zwölf bis 15 Plätzen. Ziel der Awo ist es, bis 2023 mit allen drei Bauabschnitten fertig zu sein. Ob das gelingt, ist noch offen. Aktuell läuft erst einmal das Bebauungsplanverfahren, für das der Stadtrat im Januar grünes Licht gegeben hatte. Der Architekt hat die ersten Fassadenentwürfe vorgelegt. „Auch dazu sind wir jetzt in der Abstimmung mit der Stadt“, sagt Reinke. Zeigen will er sie noch nicht: „Das sind ja bisher nur Entwürfe.“

Zu den Kosten für die drei Bauabschnitte kann er derzeit noch gar nichts sagen: „Das wäre völlig spekulativ, vor allem bei der derzeitigen Entwicklung der Baupreise.“ Aber zumindest prüft die Awo momentan, wie hoch ihre Chancen auf Fördermittel sind. Auch das steht noch nicht fest.

Vor dem Zentralhospital gibt es allerdings schon eine Veränderung: Die Absperrketten zwischen Straße und Gehweg sind seit einigen Wochen weg. „Das hat nichts mit unseren Plänen zu tun“, sagt Reinke. Stattdessen ist die Stadt hier aktiv geworden. Ab Januar soll es ein neues Bus-Liniennetz geben, sagt Amtsleiter Torsten Tschage. Auf der Krölstraße sind auf beiden Straßenseiten Haltestellen für den neuen D-Bus nach Klingewalde geplant, und zwar zwischen Hospital- und Dresdener Straße. „Deshalb mussten die Kettenpoller abgebaut werden“, sagt Tschage. Generell prüfe die Stadt bei Straßenbauplänen immer die Notwendigkeit der zum Teil völlig übertriebenen Absperrungen aus DDR-Zeiten – und entferne sie gegebenenfalls.

Desktopversion des Artikels