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Montag, 08.10.2018

Heimat ist auch Dialekt

Säggsch soll für Nieskyer Gymnasiasten im Unterricht eine Rolle spielen. Das finden sie wichtig und bomfortionös.

Von Carla Mattern

Wollen Säggsch in der Schule: Julian Strechel, Schulleiter Volkmar Würfel, Luisa Biele, Cora Melina Mews und Lehrerin Martina Kahl (von links) vom Friedrich-Schleiermacher-Gymnasium in Niesky.
Wollen Säggsch in der Schule: Julian Strechel, Schulleiter Volkmar Würfel, Luisa Biele, Cora Melina Mews und Lehrerin Martina Kahl (von links) vom Friedrich-Schleiermacher-Gymnasium in Niesky.

© André Schulze

Ein bisschen werden die Zehntklässler noch immer beneidet. Denn als sie Neuntklässler waren, hatten sie im Juni kurz vor Ferienbeginn nicht nur mit dem Dresdner Sächsisch-Experten Peter Ufer unterhaltsamen und interessanten Unterricht. Sie waren auch noch groß rausgekommen, weil das MDR-Fernsehen einen Beitrag über den ungewöhnlichen Unterricht im Nieskyer Friedrich-Schleiermacher-Gymnasium sendete. Julian Strechel war dabei und brachte danach in der Runde des Schülerrats den Vorschlag, solcherart Beschäftigung mit der deutschen Sprache unbedingt weiterzuführen. „Ich habe das als positiv vorgestellt“, sagt der 15-Jährige aus Niesky. Unter dem Arbeitstitel Die Sprache der Sachsen – Ein Dialekt macht Schule hatte Lehrerin Martina Kahl die Idee und den Projektunterricht organisiert.

Der brachte den Schülern viele Aha-Effekte, wie Luisa Biele aus Klitten und Cora Melina Mews aus Niesky berichten. Dass der Dialekt deutschlandweit oft als eher unschön bezeichnet und auch verspottet oder belächelt wird, das stört sie dabei gar nicht. Im Gegenteil. Sie haben Geschichten hinter einigen Wörtern erfahren wie bei dem Begriff „bomfortionös“. Dafür würden Nicht-Sachsen eher phänomenal oder gigantisch sagen. Dass der Ursprung des Wortes aus dem sächsischen Dialekt-Wortschatz aus dem Französischen kommt, haben die Neuntklässler erfahren. Und auch, dass sich im Säggsch fünf Sprachen finden: Mittelhochdeutsch, Slawisch, Jiddisch, Englisch, Französisch. Warum nur mit Fremdsprachen intensiv beschäftigen, wo doch auch der Dialekt so interessantes bietet, fragen die Gymnasiasten. Zumal der Dialekt auch sehr viel mit Heimat zu tun hat. Selbst wenn beispielsweise Luisas Mutter ihre Tochter gerne berichtigt, wenn sie zu sehr in den Dialekt verfällt und „och“ und „nu“ zu oft verwendet. „Das klingt doch genial“, findet die Gymnasiastin aus Klitten. Und ihre Mitschülerin Cora findet, dass Dialekte wie das Sächsisch Kulturgüter sind und also erhalten bleiben sollen. „Ich rate jedem, sich das Projekt anzuhören“, sagt die Zehntklässlerin. Deutschlehrerin Kerstin Möschter war als Klassenlehrerin dabei und weiß, dass Dialekte im Unterricht zwar kein Primärthema sind, aber zur Heimatverbundenheit beitragen und zum Verständnis vieler Begriffe.

Kurzum: Das Pilotprojekt mit Peter Ufer hat eingeschlagen wie nüscht. Die Schüler, die dabei waren, wünschen den neuen und den nachfolgenden Neuntklässlern, dass auch sie mal Säggsch im Unterricht erfahren dürfen. Da sind sie einer Meinung mit Schulleiter Volkmar Würfel und Lehrerin Martina Kahl. Allerdings gibt es damit ein finanzielles Problem. Denn ein Experte wie Peter Ufer kommt nicht zum Nulltarif. Eine unkomplizierte Förderung könnte eine Lösung sein, wünscht sich die Säggsch-Liebhaberin Martina Kahl. Und der Leiter des Gymnasiums sagt; „Das Projekt soll nächstes Jahr wieder stattfinden. Wir wollen das sehr gern noch mal machen und auch längerfristig“.