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Samstag, 11.08.2018

Heide ohne Blüte

Die Gohrischheide erscheint in diesem Jahr braun statt violett. Die Trockenheit hat aber auch positive Seiten.

Von Britta Veltzke

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Trocken wie Stroh sind die Heidepflanzen in diesem Jahr in der Gohrischheide. Die Heideblüte falle in diesem Jahr aus, sagt Stefan Müller, Leiter des Forstreviers Zeithain.
Trocken wie Stroh sind die Heidepflanzen in diesem Jahr in der Gohrischheide. Die Heideblüte falle in diesem Jahr aus, sagt Stefan Müller, Leiter des Forstreviers Zeithain.

© Sebastian Schultz

Braun statt Violett: das „Flugfeld“ bei Spansberg.
Braun statt Violett: das „Flugfeld“ bei Spansberg.

© Sebastian Schultz

Ganze Äste dieser Eiche sind bereits trocken. Der Baum könnte sterben.
Ganze Äste dieser Eiche sind bereits trocken. Der Baum könnte sterben.

© Sebastian Schultz

Zeithain. Es sieht hier aus wie in der Serengeti“, sagt Stefan Müller. Er leitet das Revier Zeithain für den Staatsbetrieb Sachsenforst. An dem Vergleich mit der Savanne im Norden Tansanias ist etwas wahres dran. Müller lässt seinen Blick vom Aussichtsturm bei Spansberg über die Heide des im Volksmund genannte Flugfelds schweifen – obwohl dort früher eher Panzer als Flugzeuge unterwegs waren. „Normalerweise wäre das jetzt ein lilafarbenes Meer. Die Heide hat um diese Zeit ihre Hochblüte.“ Normalerweise. Stattdessen bestimmt ein rostiger Braunton das Bild. Wegen der anhaltenden Trockenheit falle die Heideblüte in diesem Jahr weitgehend aus, so Müller. Nur ganz vereinzelt hat es eine Pflanze geschafft, genug Feuchtigkeit aus dem Boden zu ziehen, um zu blühen. „Heide wächst an den trockensten Standorten Mitteleuropas. Wenn es so trocken ist, dass selbst die Heide vertrocknet, dann ist das schon etwas Besonderes“, erklärt der Förster. Ganz sterben würden die Heidepflanzen zwar nicht. „Allerdings sind sie deutlich geschädigt. Um im kommenden Jahr wieder eine üppige Blüte zu sehen, dürfte nicht noch ein Trockenjahr folgen“, so Müller. Die Heide habe es gerade doppelt schwer: Seit zwei Jahren treibt der sogenannte Heideblattkäfer sein Unwesen in der Gohrischheide. „Der Schädling stammt aus dem atlantischen Raum. Im Mai wurde er hier nachgewiesen.“ Der Käfer schadet der Heide, in dem er ihre Blätter frisst.

Als resistenter gegenüber der Trockenheit erweist sich gerade der Ginster. Die Sträucher seien zwar heimisch, in der Gohrischheide jedoch nicht typisch: „Der Ginster verdrängt die Heidekräuter. Das hat negative Folgen für Schmetterlingsarten wie die Bläulinge und für Vogelarten wie die Heidelärche.“ Der Ginster wachse derart dicht, dass die Vögel keinen Raum für ihre Nester fänden, erklärt Stefan Müller.

Was soll er den Heidetouristen zeigen, die nächste Woche in den Geländebus des Naturschutzgebiets Königsbrücker Heide/Gohrischheide-Zeithain steigen? Schließlich haben sie sich extra für die dreistündige Heideblüten-Tour angemeldet. „Die Gäste können trotzdem etwas lernen“, verspricht der Förster. Zum Beispiel, dass die Trockenheit für Birken weniger dramatisch ist als etwa für die Traubeneiche – auch wenn so manche Birken jetzt schon jegliches Grün vermissen lässt. Auch viele Äste der Eichen in der Heide sind schon ganz braun. Ein beängstigendes Indiz für den Förster. Gleich neben dem Heideturm hat es eine etwa 20 Jahre alte Traubeneiche erwischt. „Bei dieser hier bin ich mir nicht sicher, ob sie es schafft. Wenn es noch länger so trocken bleibt, stirbt der Baum ab“, erklärt Müller. Die Birken hingegen würden sich sicher wieder erholen. „Pionierbaumarten wie Pappeln oder Birken retten sich bei Trockenheit durch Notabwurf der Blätter selbst. Eichen können das nicht.“

Schließlich hat die Trockenheit auch ihre guten Seiten: Dem Pilz, der die Kiefernbestände befallen hat, macht die Hitze ebenfalls zu schaffen. „Dadurch haben wir bei den Kiefern, die besser mit der Trockenheit zurechtkommen als andere Baumarten, weniger Verluste“, so Müller. Auch die Speisepilze mögen das Klima gerade nicht. Obwohl die Gohrischheide nach wie vor munitionsbelastetes Gebiet ist, in dem die Besucher unbedingt auf den Wegen bleiben müssen, sind dort immer wieder Pilzsammler unterwegs. „Im letzten Jahr mussten wir viele Sammler darauf hinweisen. Ich kann es nicht nachvollziehen, wie man sein Leben für einen vollen Korb Pilze in Gefahr bringen kann. Aber das wird wohl in diesem Jahr weniger das Problem sein“, meint Müller.

Doch die Vorteile hin oder her: Am Ende wäre es dem Revierförster doch lieber gewesen, es hätte in diesem Sommer häufiger geregnet. Derzeit ist er immer in Alarmbereitschaft. Es könnte schließlich jederzeit ein Feuer in der „Heide-Savanne“ ausbrechen.